Intershop Kein Silberstreif am Horizont

Die Papiere des Softwareherstellers stehen auch am Abend unter Druck. Intershop-Vorstandchef Stephan Schambach vertröstet derweil die Anleger. 2001 werde das Unternehmen bestimmt Gewinne machen, sagt er.

Frankfurt am Main - Nach der Ankündigung, Intershop werde voraussichtlich für das Gesamtjahr 2000 einen Verlust ausweisen, stürzte die seit Wochen unter Druck stehende Aktie am Dienstagabend von über 60 Euro um etwa 20 Prozent ab. Am Mittwoch konnten sich die Papiere des Schwergewichts am Neuen Markt nur kurz stabilisieren und lagen am Abend weiter mit rund zwei Prozent bei 50,99 Euro im Minus.

Händler: Ausmaß der Kursverluste übertrieben

Einige Händler bezeichneten den starken Kursverlust der Aktie als übertrieben. Das Unternehmen habe bereits Mitte Oktober für das dritte Quartal einen Verlust angekündigt, ohne jedoch Zahlen zu nennen, hieß es. Gleichwohl hatte der Senkrechtstarter der Internetbranche für das Gesamtjahr 2000 ursprünglich ein ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht gestellt.

Zwei Firmenübernahmen in Deutschland und eine sieben Millionen Euro teure Werbekampagne im Zusammenhang mit der Notierung an der US-Technologiebörse Nasdaq verdarben Intershops Ertragszahlen im dritten Quartal.

Nettoverlust im 3. Quartal nahezu verdreifacht

Nachdem das auf Programme für den Internet-Handel spezialisierte Unternehmen im ersten Halbjahr erstmals seit der Gründung 1992 einen Gewinn ausweisen konnte, fiel der Nettoverlust im dritten Quartal mit 9,8 Millionen Euro (19,1 Millionen Mark) fast drei Mal so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz dagegen stieg um 235 Prozent auf 35,2 Millionen Euro und lag damit leicht über der Prognose.

Das schnelle Wachstum erfordere hohe Investitionen in Produkte, Mitarbeiter und Bekanntheit, sagte Finanzvorstand Beeck in New York, wo Vorstandschef Stephan Schambach Software für den elektronischen Handel zwischen Großunternehmen präsentierte. Für das Gesamtjahr 2001 werde jedoch ein Gewinn erwartet, erklärte Schambach.

Der Nettoverlust in den ersten neun Monaten betrug 6,8 Millionen Euro (13,3 Millionen Mark) nach elf Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Schambach tröstet sich mit US-Präsenz

Firmengründer Schambach, der das Unternehmen seit 1996 von San Francisco aus leitet, sieht die Bekanntheit von Intershop in den USA durch die Nasdaq-Notierung Ende September deutlich verbessert. Für die ersten neun Monate weist Intershop mit derzeit rund 950 Beschäftigten einen Umsatz von 92,8 Millionen Euro (181,4 Millionen Mark) gegenüber 27 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum aus.

Im vierten Quartal werden unter der Voraussetzung relativ stabiler Wechselkurse Erlöse zwischen 40 und 50 Millionen Euro erwartet. Etwa die Hälfte der Beschäftigten arbeitet in Jena, wo das Software-Entwicklungszentrum seinen Sitz hat.

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