Bertelsmann Will liebsten Feind salonfähig machen

Lang währte der Kampf gegen Napster. Jetzt steigt der Gütersloher Medienriese selbst bei der umstrittenen Online-Börse für Musiktausch ein. Das soll den Zugang zum Web-Geschäft und Millionen neuer Kunden sichern.

Hamburg - Bertelsmann steigt über seine Tochter eCommerce Group bei Napster ein. Damit verschafft sich der Konzern aus eigener Sicht ein sicheres Standbein im Internet-Musikgeschäft.

"Napster ist die größte Marke im Online-Musikgeschäft überhaupt", jubelt Bertelsmann-Sprecher Oliver Hergesell gegenüber manager magazin online. Kaum eine Marke sei so bekannt wie das vor kurzem noch bekämpfte US-Unternehmen des Firmengründers Shawn Fanning.

Neues Napster-Modell künftig "völlig legal"

Details über das Geschäft will Hergesell nicht verraten. Aus Branchenkreisen ist jedoch zu hören, dass Bertelsmann einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investiert. Damit könnte der Konzern die Mehrheit an Napster übernehmen.

Darüber hinaus wolle Bertelsmann einen Kredit in unbekannter Höhe zur Verfügung stellen, heißt es weiter. Mit diesem Geld solle das Geschäftsmodell der US-Firma weiter entwickelt werden.

Bertelsmann ließ diese Summe zwar unkommentiert, bestätigte aber, das dass Geschäftsmodell von Napster geändert wird. In Zukunft solle sichergestellt werden, dass Tantiemen an Künstler, Autoren und Plattenlabels gezahlt würden. "Die User sollen zukünftig völlig legal diesen Dienst nutzen können", so Hergesell.

BMG will Klage gegen Napster fallen lassen

Im Zuge der neuen Partnerschaft kündigte die Bertelsmann Music Group (BMG) zudem an, ihre Klage gegen Napster zurückzuziehen und den kompletten Katalog ihrer digitalisierten Musiktitel zur Verfügung zu stellen.

Hintergrund ist eine laufende Klage der US-Musikindustrie gegen Napster. Dem Tauschbörse wird vorgeworfen, gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Denn Nutzer können sich derzeit Musikdateien aus dem Netz herunterladen, ohne Gebühren an Rechteverwertungsgesellschaften zu zahlen. Dagegen klagt unter anderem der Verband der Musikindustrie Recording Industry Association of America.

"Wir müssen jetzt noch den Rest der Musikindustrie von dem neuen Konzept überzeugen", kommentiert Bertelsmann-Sprecher Hergesell. Sein Unternehmen hofft, dass die anderen Musikfirmen die Klage gegen Napster fallen lassen werden.

Einstieg als Wandelschuldverschreibung eingeleitet

Für den Fall dass dies nicht gelingt, hat sich Bertelsmann abgesichert. Die Beteiligung an Napster wird als Wandelschuldverschreibung eingeleitet - so soll vermieden werden, dass Bertelsmann Kosten durch mögliche Schadensersatzforderungen entstehen.

Um eine mögliche Übernahme von Napster gab es immer wieder Gerüchte. Zuletzt hieß es Anfang Oktober, dass zwei große Internetprovider sich um eine Beteiligung bemühen würden. Hierzu passt, dass die jetzige Verlobung von Bertelsmann und Naspter durch den ehemalige AOL-Mann Andreas Schmidt angebahnt wurde.

Napster registriert 37 Millionen Kunden

Napster wurde 1999 von dem damals 18-Jährigen Studenten Shawn Fanning gegründet und ist seither die am schnellsten wachsende Anwendung, die es je im Internet gegeben hat. Derzeit sind 37 Millionen Kunden registriert; weltweit werden täglich 20 bis 30 Millionen Musiktitel heruntergeladen.

Über die Internet-Adresse www.napster.com tauschen die Nutzer kostenlos Musiktitel untereinander aus. Durch das Programm wurde es möglich, die gewünschten Songs schnell und unkompliziert zu finden. Der Napster-Server durchforstet die Festplatten aller angemeldeten Nutzer nach Dateien im MP3-Format und listet diese in einer Datenbank auf.

Abgespielt werden MP3-Dateien mit dem PC über spezielle Programme zum Beispiel Realjukebox, Musicmatch oder Winmap, über tragbare MP3-Player oder CD-Spieler, die auch das MP3-Format erkennen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.