Expo Positives Deutschlandbild - Negative Bilanz

Nach 153 Tagen ist die erste Weltausstellung in Deutschland zu Ende gegangen. Besucher, Teilnehmer und Politiker lobten die Veranstaltung. Doch in Erinnerung bleibt das finanzielle Desaster.

Hannover - Während einer Feierstunde am Dienstag verabschiedeten Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel die Nationen und Organisationen von der Expo 2000. Sie zogen ebenso wie die Teilnehmer eine positive Bilanz der Megaschau, die aber nur von 18 Millionen statt der erwarteten 40 Millionen Menschen besuchte wurde.

Die dramatischen Fehlkalkulationen und das von den Organisatoren um Expo-Chefin Birgit Breuel zu verantwortende Minus von 2,4 Milliarden Mark wurden dagegen schön geredet. "Es ist kein Defizit, was wir am Ende zu tragen haben.", behauptete Ministerpräsident Gabriel. Es seien vielmehr Investitionen in die Zukunft des Landes.

Expo setzt Zeichen für Toleranz

Thierse meinte: "Man muss nicht erst die endgültigen Bilanzen abwarten, um sagen zu können, dass die Expo ein Erfolg war." Dieser lasse sich nicht in Mark und Pfennig berechnen. Vor dem Hintergrund fremdenfeindlicher Aktionen sei die Expo "ein Botschafter des anderen Deutschlands" gewesen, betonte Thierse.

Während der Abschiedsfeier wurde die Expo-Fahne an den Gouverneur von Aichi in Japan übergeben, das 2005 Gastgeber der nächsten Weltausstellung sein wird.

Deutsche zufrieden mit der Weltausstellung

In einer Umfrage im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks haben unterdessen die Deutschen die Expo 2000 überwiegend positiv beurteilt. Danach sagten zwei von drei Befragten (68 Prozent), es sei alles in allem gut, dass die Expo in Hannover stattgefunden habe.

Doch das positive Gesamtbild wurde durch die desaströse wirtschaftliche Bilanz getrübt. Bundesweit finden 51 Prozent, die Expo sei keine gute Investition gewesen, 40 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt.

Wer trägt das Defizit?

Noch vor der Abschlussveranstaltung in der PreussagArena war die Diskussion um die Kostenverteilung erneut voll entbrannt. Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende und niedersächsische Oppositionsführer Christian Wulff forderte den Bund auf, 75 Prozent des erwarteten Expo-Defizits von 2,4 Milliarden Mark zu übernehmen.

Nicht Niedersachsen oder die Stadt Hannover, sondern Deutschland sei Ausrichter der Weltausstellung gewesen, sagte Wulff im Südwestrundfunk.

Der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dietrich Austermann, sprach sich dafür aus, dass der Bund zwei und das Land ein Drittel des Defizits übernimmt.

Unterdessen wandte sich der FDP-Politiker Günter Rexrodt, Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestages, gegen eine andere Aufteilung des Defizits. Dem Hörfunksender Radio Eins sagte er, es könne nicht sein, dass der frühere niedersächsische Ministerpräsident und derzeitige Bundeskanzler Gerhard Schröder "sein Bundesland in besonderer Weise begünstigt".

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