Telekom Deutliches Minus beim Nettogewinn

Der Telefonriese hat in den ersten neun Monaten einen Gewinneinbruch im operativen Geschäft erlitten. Analysten und Anleger reagieren verstimmt auf das Zahlenwerk von Konzernchef Ron Sommer.

Bonn - Der bereinigte Konzernüberschuss ohne Sondereffekte wie Verkäufe liege bei rund 1,37 Milliarden Mark, gab die Telekom am Dienstag bekannt. Er schrumpfte damit auf etwas mehr als die Hälfte des vergleichbaren Ergebnisses aus dem Vorjahreszeitraum.

Nach Bekanntgabe der Zahlen gab der in den vergangenen Tagen wieder gestiegene Kurs der T-Aktie deutlich nach. Von Analysten wurden Gewinnmitnahmen wegen der lediglich bestätigten Erwartungen als wahrscheinlich angesehen. Ein deutliches Abwärtspotenzial gebe es aber nicht, hieß es. Händlern zufolge zeigten sich Anleger auch von der hohen Bruttoverschuldung des Konzerns verstimmt.

Gewinn auf Pump

Nur bei Einrechnung außerordentlicher Erträge ergibt sich ein sonnigeres Bild für Konzern-Lenker Sommer. Vor allem Beteiligungen und der Börsengang der Internet-Tochter T-Online ließen Umsatz und nicht-bereinigten Gewinn in die Höhe schnellen. Der Konzernüberschuss lag den Angaben zufolge durch Sondereinflüsse mit rund 16,4 Milliarden Mark um mehr als das Sechsfache über dem Vorjahreszeitraum.

Die Telekom verzeichnete aber auch milliardenschwere Ausgaben im Mobilfunkbereich, was den Schuldenberg auf rund 121,5 Milliarden Mark anwachsen ließ. Der Umsatz des ehemaligen Staatsmonopolisten stieg den Angaben zufolge um 14,5 Prozent auf 57,3 Milliarden Mark. Ohne die erstmals ganz in der Bilanz enthaltenen Firmen One2One, Club Internet und Siris legte der Umsatz jedoch nur um 5,5 Prozent zu.

Nach den vorläufigen Daten brachte allein der steuerfreie Verkauf der Telekom-Beteiligung am internationalen Telefondienstleister Global One im ersten Quartal rund 5,7 Milliarden Mark in die Konzernkasse.

Mobilfunk bleibt Wachstumsmotor

Mit dem Börsengang von T-Online im April fuhr der Mutterkonzern knapp 5,3 Milliarden Mark ein. Positiv zu Buche schlug auch der steuerfreie Verkauf der Beteiligung am italienischen Mobilfunkbetreiber Wind mit ebenfalls rund 5,3 Milliarden Mark.

Den größten Kundenzuwachs verzeichnete die Telekom im Mobilfunkgeschäft. In Deutschland hat D1 rund 16,1 Millionen Nutzer, die britische One2One steigerte ihre Kundenzahl auf 7,1 Millionen und bei der österreichischen max.mobil sind 1,9 Millionen Kunden registriert. Rund 39 Prozent der Mobilfunkkunden seien außerhalb Deutschlands, gab das Unternehmen an.

Die Zahl der Nutzer von T-Online liegt derzeit bei etwa sieben Millionen, hier sind allerdings bereits die Kunden von Club Internet in Frankreich und Ya.com in Spanien eingerechnet.

Der größte Teil der neuen Schulden entstand durch die Bezahlung der deutschen UMTS-Lizenz mit mehr als 16,6 Milliarden Mark. Die mehrheitliche Übernahme des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream kostete weitere elf Milliarden Mark, für knapp 4,5 Milliarden Mark stockte die Telekom ihre Beteiligung an der ungarischen Telefongesellschaft Matav auf.

Endgültige und detaillierte Geschäftszahlen für den Zeitraum bis Ende September will das Unternehmen am 30. November bekannt geben.

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