tm3 Konkurrenz für Kirch

In seinem Werben um die dümpelnde TV-Station ist Medienmogul Leo Kirch nicht mehr allein. Der Einkaufskanal H.O.T. greift ebenfalls nach dem ehemaligen Frauen- und Fußballsender.

München - H.O.T.-Aufsichtsratschef und -Anteilseigner Georg Kofler bestätigte am Dienstag Verhandlungen mit dem tm3-Besitzer, der News Corp des britisch-australischen Medienmoguls Rupert Murdoch.

"Wir sind zuversichtlich, die Verhandlungen bis Mitte November erfolgreich abzuschließen", sagte Kofler, bis letztes Jahr Chef des Kirch-Senders ProSieben.

Über die Zukunft von tm3 war in den letzten Monaten viel spekuliert worden. Zuletzt hieß es, die Kirch-Gruppe werde den Sender übernehmen und in einen eng ans Internet angebundenen Musik- und Comedykanal unter dem Namen Sun TV umwandeln.

Noch keine Angaben zur Strategie und zum Kaufpreis

H.O.T. teilte mit, der Sender tm3 solle als Spartenprogramm für Unterhaltung fortgeführt werden. Nähere Angaben zur Strategie wurden ebenso wenig gemacht wie zu einem möglichen Kaufpreis.

Nach Abschluss der Verhandlungen solle die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) über die geplante Gesellschafterstruktur und eine "Neuorientierung des Programmangebots" informiert werden.

Hauptaktionär bei H.O.T. ist die amerikanische Home Shopping Network (HSN) mit 46,66 Prozent. Je 22,66 Prozent halten Kofler und Thomas Kirch, Sohn von Leo Kirch.

Kirch verhandelt weiter

Ein Sprecher der Kirch-Gruppe teilte mit, man führe ungeachtet der Verhandlungen von H.O.T. weiter "eigene Gespräche" mit Murdochs News Corp über einen Einstieg bei tm3.

Ob die Gespräche eine Übernahme oder nur eine Beteiligung als Ziel haben, sagte der Sprecher auf Anfrage nicht. Das Unternehmen machte auch keine Angaben über den Verhandlungsstand.

Durch eine Beteiligung an tm3 würde der Marktanteil der Kirch-Sendegruppe (Premiere World, Sat1, ProSieben, Kabel 1, N24) auf rund 27 Prozent steigen.

tm3 dümpelt im Quotenkeller

Filmhändler Herbert Kloiber hatte im April auf Druck von Murdoch seine restliche Beteiligung an tm3 von 34 Prozent für 350 Millionen Mark an die News Corp verkauft.

Murdoch hatte 1999 überraschend die Übertragungsrechte an der Fußball-Champions League für tm3 erworben und damit den Einstieg in den deutschen TV-Markt geschafft.

Da aber die Verluste durch die Champions League zu hoch waren, verkaufte Murdoch in diesem Jahr die TV-Rechte an RTL und den Pay-TV-Sender Premiere World weiter. An Kirchs Premiere World ist Murdoch zu etwa 22 Prozent beteiligt.

Seit dem Abschied vom Fußball ist der als Frauenkanal gestartete Sender tm3 wieder in den Quotenkeller gerutscht.

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