Christoph Daum Will Ex-Arbeitgeber Leverkusen verklagen

Erstmals seit seiner überstürzten Abreise nach Florida hat sich der unter Drogenverdacht stehende Fußballtrainer zu Wort gemeldet. Er glaubt an eine Verschwörung, in der auch sein Ex-Arbeitgeber Bayer Leverkusen verwickelt ist.

Hamburg - "Er will jetzt alle verklagen, redet nur noch von Verschwörung", sagte Bayer-Manager Reiner Calmund der "Sport-Bild". "Wir hatten bereits einen Platz in der Klinik für ihn reserviert, doch er lehnte ab." Kontakt hat Calmund nach eigenen Angaben nicht mehr zu dem ehemaligen Leverkusener Trainer.

Calmund: Daum hat weiteren Haartest gemacht

Daum, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Drogenbesitzes ermittelt, will sich in einer Privatklinik in Florida einer neuen Haaranalyse unterziehen, um seine Unschuld zu beweisen. Laut Bayer-Manager Reiner Calmund hat der Ex-Coach von Bayer die Haarprobe bereits vornehmen lassen.

"Nach eigener Aussage hat er dies bereits gemacht. Er sagte seinem Sohn Marcel, dass er am Wochenende in den USA einen neuen Haartest vornehmen ließ. Das Ergebnis, so Daum zu seinem Sohn, würde er in zehn Tagen erhalten", zitiert "Sport-Bild" Calmund.

Das Institut für Rechtsmedizin der Universität in Köln hatte bei Daums Haarprobe einen positiven Befund festgestellt. Darauf trat der Fußball-Lehrer am 21. Oktober von seinem Amt beim deutschen Vizemeister zurück und flog in die USA.

Daum erhebt Vorwürfe gegen Leverkusen

Über seinen Kölner Anwalt Ralf Stankewitz ließ Daum der "Bild"-Zeitung eine Mitteilung zukommen. Darin erhebt er massive Vorwürfe gegen seinen Ex-Verein.

"Ich habe mir in der Nacht von Freitag auf Samstag in Leverkusen nach einem arbeitsschlauchenden Tag nach 23.00 Uhr heftige Anschuldigungen anhören müssen. Ohne die Möglichkeit zu haben, richtig Stellung zu beziehen", schrieb der 47-Jährige.

Es habe ständig geheißen, er sei krank und würde unter "Realitätsverlust" leiden. Er sei in seiner "Ehre und Integrität verletzt". Der Druck sei so groß gewesen, "dass sie mich in einen Flieger gesetzt haben, den nicht ich, sondern Leverkusen gebucht hat. Ich war so zermürbt, dass ich nach Amerika geflogen bin."

Auf der Flucht

In Florida befindliche Reporter berichteten, der 47-jährige Daum habe seit seiner Einreise in die USA innerhalb von einer Woche an fünf verschiedenen Orten Quartier bezogen, um unentdeckt zu bleiben. Er befinde sich auf einer rastlosen Flucht und habe den telefonischen Kontakt zu ihm nahe stehenden Personen abgebrochen.

Ein Haftbefehl gegen den Trainer wegen Drogenbesitzes wird zurzeit allerdings von keiner der beiden ermittelnden Staatsanwaltschaften in Köln und Koblenz erwogen.

Daum-Intimfeind Hoeneß wartet auf Entschuldigungen

Nicht nur Christoph Daum kämpft um seinen Ruf, sondern auch Uli Hoeneß. Der Bayern-Chefdenker und Daums Intimfeind will seinen Job an den Nagel hängen, wenn sein Bemühen um Rehabilitierung nach den Turbulenzen der "Daum-Affäre" nicht gelingen sollte.

In der Tageszeitung "Die Welt" meinte Hoeneß: «Dass ich aufhöre, das ist doch ganz klar. Das ist doch die Konsequenz. Entweder ich gewinne oder nicht." Hoeneß wartet darauf, dass sich "auf meinem Schreibtisch die Entschuldigungen stapeln".

Seine Äußerungen in der Bundestrainer-Frage über Daum bereut Hoeneß indes nicht: "Was ich da getan habe, würde ich morgen wieder machen."

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