ISS Start in ein neues Zeitalter

Die ersten Astronauten sind auf dem Weg zu der Internationalen Raumstation. Damit beginnt das größte und teuerste Forschungsprojekt der Menschheit.

Baikonur - In der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA herrschte nach dem Start des Raumschiffs Sojus TM-31 vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur Euphorie.

"Wir werden für immer Menschen im Weltraum haben, erst im Orbit um die Erde, dann auf dem Mars, auch wieder auf dem Mond und in Stützpunkten auf den Asteroiden", sagte NASA-Chef Daniel Goldin begeistert.

Die Rakete mit dem US-Astronauten William Shepherd und seinen russischen Kollegen Sergej Krikaljow und Juri Gidsenko startete bei dichtem Nebel am Morgen um 8.53 Uhr von dem Raketengelände in der Steppe Kasachstans. Knapp zehn Minuten nach dem Start erreichte die Kapsel die vorgesehene Umlaufbahn.

Die ISS war erst im Sommer des Jahres - mit zweijähriger Verspätung - fertig gestellt worden. Finanzielle Schwierigkeiten hatten die Fertigstellung des russischen Wohn- und Service-Moduls "Swesda" (Stern) verzögert.

Berühmteste Vorgängerin der ISS ist die "Mir"-Station, die seit mehr als zehn Jahren im All ist und demnächst mal wieder verschrottet werden soll.

Hellstes Objekt am Nachthimmel

Die erste ISS-Besatzung wird während ihrer 117 Tage im All in 350 Kilometer Höhe Besuch von einer US-Raumfähre bekommen und zwei russische Progress-Frachter mit zusätzlicher Ausrüstung empfangen.

Die ISS soll Menschen den dauerhaften Aufenthalt im Weltraum ermöglichen. Bei der Fertigstellung wird die ISS sieben Stockwerke hoch sein und 418 Tonnen wiegen. Verläuft alles planmäßig, wäre die ISS das hellste Objekt am Nachthimmel.

Der Bau der ISS wird aber erst in fünf bis sechs Jahren beendet sein. Die Gesamtkosten werden auf mehr als 200 Milliarden Mark geschätzt. Voraussichtlich 2004 startet das europäische Weltraumlabor "Columbus". Auch Deutschland ist an dem größten internationalen Forschungsprojekt im All beteiligt.

In den ersten Jahren wird der Flug der ISS vor allem vom russischen Kontrollzentrum bei Moskau gesteuert werden. Dennoch wird der Funkverkehr fast ausschließlich auf Englisch geführt.

Klospülung und Klimaanlage funktionieren noch nicht

Sobald die "Sojus" am Donnerstag an der Raumstation andockt, werden die Raumfahrer in das ISS-Wohnmodul "Swesda" einziehen. Ihre Aufgabe ist es vor allen Dingen, die Raumstation für sich selbst und ihre Nachfolger bewohnbar zu machen. Erst später sollen sie mit Experimenten an Bord beginnen.

In Luxus wird das Astronauten-Trio nicht schwelgen. Nur zwei der Raumfahrer haben Ruheräume von der Größe einer Abstellkammer, der dritte muss sich anschnallen, wo er gerade Platz findet. Zudem funktionieren weder die Klospülung noch die Klimaanlage. Und ihr Sauerstoff wird gerade für zwei Tage ausreichen.

Auch der Arbeitsalltag wird nicht leicht: zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche - Sonntags wird geruht, per Video mit der Familien gesprochen oder E-Mails verschickt.

"Ich glaube, dass wir die erste Zeit viel mit Reparaturen beschäftigt sind", sagte der amerikanische Kommandeur Sheperd. Die Männer sollen außerdem ein Computernetz installieren, um die Systeme der Station vom Laptop aus steuern zu können.

Ministerin Bulmahn: "Neues Zeitalter in der Raumfahrtforschung"

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, würdigte den erfolgreichen Start als "bedeutenden Schritt für die grenzüberschreitende Kooperation in der internationalen Forschung". Bulmahn sagte: "Mit dem Bezug der ISS beginnt ein neues Zeitalter in der Raumfahrtforschung."

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