Premiere World Wechsel auf dem Chefsessel

Medienmogul Leo Kirch kannte keine Gnade. Weil Geschäftsführer Markus Tellenbach das Ziel von 2,9 Millionen Abonnenten verpasst, muss er den verlustreichen Pay-TV-Kanal verlassen. Sein Nachfolger steht schon bereit.

München/Hamburg - Wie Spiegel online erfuhr, wird Tellenbach ab Januar durch den 36-jährigen Manfred Puffer ersetzt. Puffer übernimmt auch Tellenbachs Posten als Geschäftsführer der KirchPay TV. Der neue Mann ist derzeit Finanzchef der Kirch-Holding.

Puffer kam im April aus dem Investmentbanking der HypoVereinsbank zur Kirch-Gruppe. Zuvor arbeitete der Manager unter anderem bei Goldman Sachs in London. Puffer soll den Börsengang der KirchPay TV vorantreiben.

Tellenbachs Ablösung wurde erwartet

Sein Vorgänger war seit Anfang 1999 für die PayTV-Gruppe verantwortlich. Die Kirch-Gruppe hatte noch vor gut einem Monat Spekulationen über Tellenbachs Ablösung als «Unsinn» bezeichnet. Zuvor war der 40-jährige Schweizer unter anderem Geschäftsführer des Fernsehsenders VOX.

In den vergangenen Wochen musste Tellenbach erklären, warum das Ziel von 2,9 Millionen Abonnenten bis zum Jahresende nicht erreicht werde. Zudem wurde immer wieder sein Führungsstil kritisiert. Tellenbach werde künftig außerhalb der Kirch-Gruppe Aufgaben wahrnehmen, hieß es.

Kirch investierte Milliarden in das Pay TV

Die Kirch-Gruppe hat in den letzten Jahren Milliarden in ihr Bezahlfernsehen gesteckt. Die Zahl der Abonnenten wächst aber langsamer als geplant. Derzeit hat die PayTV-Plattform 2,2 Millionen Kunden, rund 1,7 Millionen davon nutzen das für den Konzern finanziell lukrativere digitale Angebot.

Damit liegt man nach Einschätzung aus dem Umfeld des Senders im unteren Bereich des Zielkorridors, auch die ausgebauten Übertragungen der Fußball-Bundesliga brachten keinen entscheidenden Schub.

Zum Jahresende rechnet die Kirch-Gruppe nach der Revision des ursprünglichen Ziels nun mit zwei Millionen digitalen Kunden. Eine Zielgröße einschließlich der analogen Abonnenten wird nicht mehr genannt. Die Erwartungen seien auf das Weihnachtsgeschäft gerichtet, sagte ein KirchPayTV-Sprecher.

Geldspritzen für das Bezahlfernsehen

Das Pay-TV-Geschäft der Kirch-Gruppe hatte in den vergangenen Monaten mehrere Geldspritzen bekommen. Ende September stieg die US-Fondsgesellschaft Lehmann Brothers Merchant Banking ein und zahlte für eine Beteiligung von 2,4 Prozent an der KirchPayTV GmbH rund 400 Millionen Mark.

Kurz zuvor hatte die Kirch-Gruppe den Einstieg des saudischen Prinzen Al Walid und des US-Medienfonds Capital Research mit einer Investitionssumme von insgesamt fast 800 Millionen Mark bekannt gegeben.

Die KirchHolding hält derzeit knapp 70 Prozent an der PayTV-Holding, der angloamerikanische Medienunternehmer Rupert Murdoch ist daran laut früheren Angaben mit rund 22 Prozent beteiligt. Ein Börsengang der KirchPayTV sei weiterhin bis spätestens 2003 geplant, sagte der Sprecher.

Die KirchPayTV ist die Holding der Kirch-Gruppe für das Abonnentenfernsehen. Sie hält 95 Prozent an Premiere World.