Boo.com Comeback für Miss Boo - hoffentlich für länger

Heute wagt der Online-Kleiderhändler Boo.com den Neustart - fünf Monate nach der spektakulären Pleite, die Anlegern weltweit Geld kostete und zahllose Gründer-Träume zerstörte. Immerhin: Die Pleite schaffte einen Marktwert.

New York - Die Pleite des Online-Kleiderhändlers Boo.com liess einen Ruck durch die Branche gehen. Internet-Startups rechnen ihre Zeit nach "Vor-Boo" und "Nach-Boo" - mit gewaltigen Unterschieden.

"Vor-Boo" - "Nach-Boo"

"Vor-Boo" war die Gründerwelt noch in Ordnung. Venture-Capitalists waren bestrebt, ihr Kapital zu streuen. Viele investierten lieber in eine halbgare Idee, als die Chance sausen zu lassen. Wie die erste war auch die zweite Finanzierungsrunde für viele Gründerunternehmen kein Problem.

"Nach-Boo" blieben die Taschen der Geldgeber zu. Im Gegenteil: Zahlreiche Venture-Capitalists (VC) entpuppten sich als weniger risikofreudig, als sie es zuvor von ihren Partnern bei den Start-Ups verlangten. Statt Wachstum bei einer angemessenen "Burn-Rate" - VC-Kapital wird in Marketing, Werbung, Personal und Technik "verbraten" - wollen sie nun schwarze Zahlen, auch auf Kosten des Wachstums.

Noch mehr nutzten die Gelegenheit, um Start-Ups herunter zu handeln. Viele Gründer kostete die Boo-Pleite einen erheblichen Anteilswert, als unterschriftsreife Finanzierungsverträge einfach neu verhandelt wurden. Und viele andere bekamen gar nichts mehr.

"Nach-Boo" war auch an der Börse nicht viel zu holen. Der Kurssturz der Technologie- und Internet-Werte ist durch die Boo-Pleite noch verstärkt und verlängert worden.

Erfahrung statt Glamour

Vor diesem Hintergrund ist dem "neuen Boo.com", wie sich das Unternehmen auf seiner Webseite selbst bezeichnet, nur Glück zu wünschen.

Die Firma gehört inzwischen dem Betreiber von "Fashionmall", einer US-Kleiderseite. Auch die Boo-Chefin Kate Buggeln unterscheidet sich deutlich von den beiden jungen, glamourösen schwedischen Gründern, die in 18 Monaten 130 Millionen Dollar investierten und dann pleite waren.

Die 39jährige Buggeln kommt aus der Warenhaus-Branche. Sie lernte als Trainee bei Blooimgdales, dem etwas anspruchsvolleren New Yorker Kleiderkaufhaus. Nach sechs Jahren startete sie ihre eigene Firma - "Call Kate and Company" belieferte gutverdienende Paare in den Vorstädten.

Ihr Fachwissen sicherte sich die Beraterfirma Coopers and Lybrand. Vier Jahre lang beriet und begleitete Kate Buggeln Kunden aus dem Handel bei der Neuausrichtung ihres Geschäfts, um dann selbst einen Führungsposten bei einer grösseren Handels-Kette zu übernehmen.

Bugglen schrumpfte diese Kette radikal: Von zehn Unternehmensteilen blieb nur noch die Drogerie-Kette CVS.

Pleite schaffte Markt-Wert

Nach einer Zwischenstation bei der Lake West Group stiess Kate Buggeln zu Fashionmall.com, der heutigen Boo-Mutter. Und dort erkannte sie das wichtigste Potenzial der untergegangenen Firma: Dank der spektakulären Pleite verfügt die Marke über einen erheblichen Wert - sie ist so bekannt wie kaum eine andere.

Der persönliche Modeberater

Das neue Boo.com soll nicht mehr nur hippe Kleider verkaufen. Geplant ist ein Mode-Portal, das 18- bis 30-jährige weltweit bei Stil und angesagten Klamotten beraten soll - am besten jeden Tag neu, bevor die Zielgruppe in den Kleiderschrank schaut. Kompetenz verspricht sich Boo.com von 40 Stil-Scouts, die weltweit auf Ideenfang gehen.

Bill Gates im Visier

Wenn das wieder schief geht, scheint es für Bugglen kein Problem: Auf der eigenen Webseite veröffentlich Boo.com eine Zeitschiene mit nicht ganz ernst gemeinten Unternehmenszielen. Im Jahr 2010 beispielsweise ist Bill Gates, bislang nicht als Mode-Guru bekannt, dran - er wird von Boo.com angestellt.