Donnerstag, 14. November 2019

Höhere Kosten für Geldwäscher Der 500-Euro-Schein dürfte im Schwarzhandel bald teurer werden

500-Euro-Scheine: Wegen ihrer Beliebtheit für die Geldwäsche und zur Terrorfinanzierung will die EZB sie künftig nicht mehr herausgeben

Um die Aktivitäten von Geldwäschern und Terroristen zu erschweren, so die offizielle Begründung, hat die Europäische Zentralbank (EZB) vorige Woche das Ende des 500-Euro-Scheins beschlossen. Ab Ende 2018, so die Zentralbank, soll die Produktion der Scheine eingestellt werden. Als Zahlungsmittel behalten sie jedoch auch darüber hinaus weiter ihre Gültigkeit.

Letzteres könnte bemerkenswerte Folgen haben: Jene Kriminellen, die die besonders großen Euro-Noten verwenden, um größere Summen Geldes über längere Distanzen - auch über Landesgrenzen hinweg - zu transportieren, müssen darauf künftig also nicht verzichten. Die eingeübte Praxis wird vermutlich nur etwas kostspieliger als bisher. Denn der Wert der Scheine dürfte wegen der schwindenden Verfügbarkeit steigen.

Schon in der Vergangenheit haben Experten beobachtet, dass im kriminellen Umfeld mitunter mehr als 500 Euro für 500-Euro-Scheine gezahlt wurde. Die europäische Polizeibehörde Europol mit Sitz in Den Haag beispielsweise schrieb bereits im Juli 2015 in einem ausführlichen Bericht, diese Scheine seien für den Bargeldtransport zum Zwecke der Geldwäsche so wichtig, dass solche Preisaufschläge zustande kämen.

Gemäß dem Gesetz von Angebot und Nachfrage dürfte sich dieses Phänomen nun noch verschärfen. Denn die Verfügbarkeit der Scheine wird spätestens ab 2018 zusehends abnehmen: Banken liefern 500-Euro-Scheine dann bei der Zentralbank ein, alte Noten werden früher oder später physisch unbrauchbar, und nicht zuletzt dürften auch Sammler einen Teil des verbleibenden Bestandes aus dem laufenden Zahlungsverkehr ziehen.

Bis zu 20 Prozent Preisaufschlag für 100-Dollar-Scheine

Für die Akteure der Unterwelt sind das schlechte Nachrichten: Sie müssen künftig wohl noch tiefer in die Tasche greifen als bisher schon, um bei ihren Geschäften wie gewohnt 500-Euro-Scheine zum Einsatz zu bringen.

Dabei handelt es sich keineswegs um ein neues Phänomen. Dass große Banknoten über ihrem eigentlichen Wert gehandelt werden, wird vielmehr auch anderswo bereits beobachtet. Der 100-Dollar-Schein der Vereinigten Staaten beispielsweise wechselt in Schwellenländern signifikant über seinem Nominalwert den Besitzer, berichtet das "Wall Street Journal". In Argentinien, Äthiopien, Indonesien sowie Indien etwa werden für 100-Dollar-Noten demnach Aufschläge zwischen 2 und 20 Prozent gezahlt, so die Zeitung.

Der 500-Euro-Schein jedoch nimmt unter den Banknoten weltweit eine Sonderstellung ein und gilt als besonders beliebt in kriminellen Kreisen zur Terrorfinanzierung sowie zur Geldwäsche. In kaum einer anderen harten Währung gibt es einzelne Banknoten mit so hohem Nominalwert. In den USA etwa endet die Skala bei der 100-Dollar-Note (knapp 88 Euro). Lediglich die Schweiz verfügt mit dem 1000-Franken-Schein (etwa 900 Euro) über eine noch größere Banknote als den 500er in der Euro-Zone.

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