Rauswurf aus dem App Store Apple hat Angst um sein Geschäftsmodell

Der Streit zwischen Apple und den "Fortnite"-Machern ist vor Gericht gelandet. Nun hat der iPhone-Konzern in einer Stellungnahme begründet, warum er Epic Games aus seinem App Store schmiss.
Das Überlebensspiel Fortnite, bei dem man gegen Monster kämpft, hat etwa 350 Millionen registrierte Nutzer

Das Überlebensspiel Fortnite, bei dem man gegen Monster kämpft, hat etwa 350 Millionen registrierte Nutzer

Foto: Mike Blake / REUTERS

Der US-Konzern Apple lässt sich von der von den "Fortnite"-Machern eingereichten Klage nicht beirren und bleibt bei seinem Standpunkt. Würde das Verhalten der Spielefirma Epic Games toleriert, "würde das allen Entwicklern zeigen, dass sie die Verpflichtungen ignorieren können, die sie mit ihren Verträgen mit Apple eingingen", erklärte Konzernmanager Phil Schiller (60) in einer Stellungnahme im Gerichtsverfahren mit dem "Fortnite"-Anbieter. Dies könne das gesamte Geschäftsmodell und Ökosystem des App Store erschüttern.

Apple und Epic Games streiten sich seit rund einer Woche um die Abgaben, die App-Macher an die großen Betriebssystem-Entwickler Apple und Google zahlen müssen, wenn sie im App-Store oder Google Play Store präsent sein wollen. Epic wollte sich nicht mehr an die Vorgabe halten, dass virtuelle Artikel in dem Spiel auf iPhones und iPads nur über das System der In-App-Käufe von Apple angeboten werden können, bei dem Apple 30 Prozent vom Kaufpreis einbehält.

Wie aus von Apple veröffentlichten E-Mails hervorgeht, forderte Epic-Chef Tim Sweeney (50) Apple zunächst Ende Juni auf, das zuzulassen. Nachdem der Konzern das ablehnte, brachten die Entwickler in die App zusätzlich die Möglichkeit ein, die Artikel auch direkt bei Epic zu kaufen. Laut Apple wurde dafür eine versteckte Funktionalität in der Anwendung aktiviert, die Epic an den App-Prüfern des Konzerns vorbeigeschmuggelt hatte. Noch am selben Tag warf Apple "Fortnite" unter Verweis auf den Regelverstoß aus dem App Store. Nutzer, die die App bereits auf ihren Geräten haben, können sie allerdings weiterhin nutzen - und die Artikel auch günstiger direkt bei Epic kaufen. Dennoch ging Epic vor Gericht und verklagte Apple mit dem Vorwurf des unfairen Wettbewerbs.

Für Apple geht es um viel Geld

Der iPhone-Konzern warf die "Fortnite"-Firma auch aus seinem Entwicklerprogramm, was in Zukunft die Weiterentwicklung der Grafik-Technologie Unreal Engine von Epic für iPhones und iPads behindern wird. Das könnte weitreichende Folgen für die Branche haben, weil Unreal Engine auch von anderen Apps genutzt wird - die auf Konkurrenzprodukte umsteigen könnten. Epic will den Rauswurf aus dem Entwicklerprogramm mit einer einstweiligen Verfügung verhindern. Apple entgegnete am Freitag, es gebe keine Grundlage für eine einstweilige Verfügung, da Epic sich selbst mit einer Vertragsverletzung in Probleme gebracht habe.

Epic platzierte den alternativen Kaufweg auch in der Android-App von "Fortnite", flog daraufhin aus Googles Download-Plattform Play Store und verklagte den Internetkonzern ebenfalls. Auf Android-Smartphones können Apps allerdings auch aus anderen Quellen geladen werden.

Schon seit einiger Zeit gibt es Kritik an der Höhe der Abgabe - und im Fall von Apple auch daran, dass die Entwickler bei In-App-Käufen keine alternativen Bezahlwege anbieten können. Der Musikdienst Spotify reichte deswegen Beschwerde bei den Wettbewerbshütern der EU-Kommission ein. Apple erklärt diesbezüglich, die Vorschrift, das System der In-App-Käufe nutzen zu müssen, solle Verbraucher schützen.

Für Apple geht es in dem Streit um viel Geld und ein Wachstumsgeschäft. Denn der iPhone-Konzern generiert mit digitalen Dienstleistungen immer mehr Cash. Der App Store zählt dabei mit zu den wichtigsten digitalen und wachstumsstärksten Produkten von Apple. Im vergangenen Jahr hatte der Dienst 46 Milliarden Dollar eingespielt und damit rund 18 Prozent des Konzernumsatzes. Im laufenden Jahr will Apple bis zu 50 Milliarden Dollar Umsatz in diesem Segment generieren.

mg/dpa-afx/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.