Debakel um AGI Allianz-Vorständin Hunt nach Hedgefonds-Affäre vor dem Aus

Große US-Pensionsfonds machen den Vermögensverwalter Allianz Global Investors für Verluste von mehr als sechs Milliarden Dollar verantwortlich. Wie manager magazin bereits berichtete, dürfte die Hedgefonds-Affäre Allianz-Vorständin Jacqueline Hunt den Job kosten.
Jacqueline Hunt: Abgang aus dem Allianz-Vorstand droht

Jacqueline Hunt: Abgang aus dem Allianz-Vorstand droht

Foto: Thomas Einberger / imago images / argum

Beim Münchner Versicherungsriesen Allianz steht Vorstandsmitglied Jacqueline Hunt im Zuge der voraussichtlich milliardenteuren Affäre um Verluste von Allianz-Hedgefonds vor dem vorzeitigen Aus. Die Allianz erwäge, "die Nachfolgeplanungen für ihren Vorstand vorzuziehen", teilte der Konzern am Montag mit. Dabei gehe es auch um die Asset-Management-Sparte, "die aufgrund der Structured-Alpha-Thematik in den USA derzeit vor besonderen Herausforderungen steht". Der Vertrag der 53-jährigen läuft im kommenden Jahr ohnehin aus.

Das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtete am Montag, Hunt verhandle schon über einen vorzeitigen Abgang. manager magazin hatte bereits Ende August berichtet, dass der Druck auf Hunt wegen der Hedgefonds-Affäre wachse  und ein Umbau im Vorstand bevorstehe. Allianz-Chef Bäte hatte die Vorwürfe über Monate nach außen totgeschwiegen und nach innen kleingeredet. Dass die Zahl der Kläger und die Schadensersatzsumme stetig stiegen, dass die US-Börsenaufsicht SEC seit einem Jahr ermittelte und das Department of Justice (DOJ) bereits im Mai erste Anfragen nach München geschickt hatte: egal. Auch die Finanzaufsicht Bafin hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen.

Hunt wird zumindest ein Teil der Verantwortung für das Debakel gegeben, das die Vermögensverwaltungs-Tochter Allianz Global Investors (AllianzGI) mit den Hedgefonds erlitten hat. Etwa 25 institutionelle Investoren in den USA - darunter Pensionsfonds für Staatsbedienstete - haben die Allianz auf sechs Milliarden Dollar verklagt, weil sie im Frühjahr 2020 mit den riskanten, aber angeblich krisensicheren Papieren einen Großteil ihres Einsatzes verloren hatten. Sie werfen der Allianz vor, angesichts der zeitweiligen Panik an den Märkten von ihrer Investmentstrategie abgewichen zu sein.

Noch keine Rückstellungen gebildet

Die Allianz hat bisher keine Rückstellungen gebildet, aber bereits vor erheblichen Ergebnisbelastungen gewarnt. Sie prüft nach eigenen Angaben auch selbst die "Risiko- und Compliance-Prozesse in Bezug auf die Structured Alpha-Fonds, die zum Geschäftsbereich Asset Management gehören".

Hunt ist seit 2016 im Allianz-Vorstand für die beiden Asset-Management-Töchter Pimco und AllianzGI zuständig. Pimco genießt im Konzern aber relativ große Autonomie, solange die Kalifornier zuverlässig ihre Gewinne in München abliefern. Die kleinere, in Frankfurt ansässige AllianzGI ist in Deutschland eigentlich vor allem für Publikumsfonds bekannt, Hedgefonds wie die in den USA vertriebene "Structured Alpha"-Familie sind für sie eher ein Randgeschäft.

Dem "Wall Street Journal" zufolge wollte Hunt schon gehen, bevor das US-Justizministerium im Mai auf die "Structured Alpha"-Fonds aufmerksam geworden sei. Über die Zeit hätten sich Divergenzen über die Unternehmenskultur angehäuft, zitierte die Zeitung eine mit den Gesprächen vertraute Person. Der Zeitpunkt ihres Abschieds sei aber noch unklar. Hunt hatte ihren Vertrag bereits 2019 nur noch um drei statt der üblichen fünf Jahre verlängern lassen. Dem Blatt zufolge steht ein Nachfolger schon bereit, der aber noch von der Finanzaufsicht BaFin bestätigt werden muss. Die Allianz erklärte, der Aufsichtsrat werde sich auf seiner nächsten regulären Sitzung am 30. September mit den Nachfolgeplänen befassen.

2022 läuft nicht nur Hunts Vertrag aus, sondern auch der ihres Vorstandskollegen Sergio Balbinot, der unter anderem für Süd- und Westeuropa zuständig ist. Er ist nach Vorstandschef Oliver Bäte das dienstälteste Mitglied im Vorstand und hat die Altersgrenze von 62 Jahren bereits überschritten.

la/reuters
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