Börsenhype "ziemlich verrückt" Allianz-Chef Oliver Bäte äußert "große Sorge" vor Finanzblase

Dem Kapitalmarktriesen Allianz wird der Boom der Börsen unheimlich. Wenn "irgeneine Celebrity irgendein Bitcoin" kaufe und die Preise explodieren, sei mit Rückschlägen zu rechnen, sagt Konzernchef Oliver Bäte.
Mahnt zur Vorsicht: Allianz-Chef Oliver Bäte

Mahnt zur Vorsicht: Allianz-Chef Oliver Bäte

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CHRISTOF STACHE/ AFP

Europas größter Versicherungskonzern Allianz warnt vor einer gefährlichen Spekulationsblase an den Finanzmärkten. "Wir machen uns große Sorgen um das Thema Finanzmarktstabilität", sagte Vorstandschef Oliver Bäte (55) am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz in München. Die Situation insbesondere an den Aktienmärkten ähnele der Situation vor dem Crash 2008/09 und dem Crash des Jahres 2000. "Da kauft irgendeine Celebrity irgendein Bitcoin und dann explodieren die Preise für diese Assets", sagte Bäte. "Das ist schon ziemlich verrückt, da müssen wir wirklich aufpassen."

Die Allianz hat nach den Worten ihres Chefs den Anteil von Aktien an ihren Kapitalanlagen reduziert, um sicher zu gehen, dass mögliche Volatilität die Allianz nicht stark beeinträchtige. "Ich kann keinen Crash vorhersagen, sonst hätte ich wahrscheinlich einen anderen Job, (...) sonst hätte ich wahrscheinlich was anderes vor", sagte Bäte. Warnungen vor einer Spekulationsblase hat es in den vergangenen Monaten immer wieder gegeben.

Die Allianz ist mit überraschend leichten Blessuren durch das Corona-Jahr 2020 gekommen. Der operative Gewinn sank um 9 Prozent auf 10,75 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern mitteilte. Für das laufende Jahr nimmt sich Bäte eine Steigerung auf 11 bis 13 Milliarden Euro vor. Die Aktionäre können sich für 2020 trotz des Gewinnrückgangs auf eine stabile Dividende freuen.

Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten gut an. Zum Handelsstart legte die Allianz-Aktie knapp 1 Prozent zu. UBS-Analyst Colm Kelly lobte das Zahlenwerk der Münchener. "Überraschend positiv" lautete auch das Urteil von Jefferies-Analyst Philip Kett zum Abschneiden des Versicherers im vierten Quartal.

Der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn ging im vergangenen Jahr zwar um 14 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro zurück, übertraf damit aber ebenso wie das operative Ergebnis die Erwartungen von Branchenexperten. Dass die Dividende mit 9,60 Euro genauso hoch ausfallen dürfte wie für 2019, hatte Allianz-Finanzchef Giulio Terzariol bereits im Herbst angedeutet.

Corona-Schaden von 1,3 Milliarden Euro für die Allianz

Am Ende summierten sich die Belastungen durch die Pandemie bei der Allianz auf rund 1,3 Milliarden Euro. Der Löwenanteil der Schäden fiel bei Versicherungen gegen Betriebsunterbrechung und den Ausfall von Großveranstaltungen sowie in der Kreditversicherung an. Hinzu kamen Belastungen durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten. Zudem musste die Allianz einen Umsatzrückgang um gut 1 Prozent auf 140,5 Milliarden Euro verkraften.

Die coronabedingten Belastungen schlugen sich vor allem in der Schaden- und Unfallversicherung des Konzerns nieder. Dort brach der operative Gewinn um mehr als 13 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro ein. Die dazugehörende Industrieversicherungssparte AGCS musste sogar einen operativen Verlust von 482 Millionen Euro hinnehmen. Beim Kreditversicherer Euler Hermes sackte der operative Gewinn um mehr als drei Viertel auf 107 Millionen Euro zusammen.

Insgesamt verdiente die Allianz im Schaden- und Unfallgeschäft damit praktisch genauso viel wie in der Lebens- und Krankenversicherung, deren operativer Gewinn um gut 7 Prozent auf ebenfalls 4,4 Milliarden Euro sank. Der Konzern erklärte den Rückgang mit dem Verkauf der Allianz Popular in Spanien sowie einer Erhöhung der Schadenreserven in den USA.

Besser lief es bei den Fondstöchtern Pimco und Allianz Global Investors (AGI). Die Sparte konnte ihren operativen Gewinn sogar um mehr als 5 Prozent auf knapp 2,9 Milliarden Euro steigern. So hatten Anleger im vergangenen Jahr netto 32,8 Milliarden Euro frisches Geld in die Fonds von Pimco und AGI geschoben. Zum Jahresende verwaltete die Allianz in der Sparte eigenes und fremdes Vermögen im Umfang von fast 2,4 Billionen Euro und damit so viel wie nie zuvor. Davon entfielen 1,7 Billionen auf die Kunden.

ak/dpa-afx