Nach Hedgefonds-Debakel Allianz baut Vorstand um, Jacqueline Hunt scheidet aus

Allianz-Vorständin Jacqueline Hunt gibt ihren Posten nach der Affäre um milliardenschwere Verluste von Hedgefonds vorzeitig ab. Ihr Nachfolger wird Andreas Wimmer. Zudem rückt Sirma Boshnakova, derzeit CEO von Allianz Partners, im Januar in den Vorstand des Konzerns auf.
Ex-Vorständin Jacqueline Hunt: Künftig nur noch "strategische Beraterin"

Ex-Vorständin Jacqueline Hunt: Künftig nur noch "strategische Beraterin"

Foto: Thomas Einberger / imago images / argum

Nach der Hedgefonds-Affäre bei Allianz Global Investors (AGI) wird Jacqueline Hunt (53) ihren Vorstandsposten bei dem Versicherungsriesen aufgeben, teilte der Konzern am Donnerstagabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrats unter Führung von Michael Diekmann (66) mit. Der Vertrag Hunts wäre im kommenden Jahr ohnehin ausgelaufen. Bereits vor gut einer Woche hatte der Konzern erklärt, "die Nachfolgeplanungen für den Vorstand vorzuziehen". Hunt, die seit 2016 für das Asset Management zuständig war, wolle sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Die gebürtige Südafrikanerin mit britischem und neuseeländischem Pass fungiere künftig als "strategische Beraterin" von Allianz-Chef Oliver Bäte, hieß es.

Um die Asset-Management-Sparte mit den Vermögensverwaltern Pimco und Allianz Global Investors kümmert sich künftig der bisherige Chef von Allianz Leben, Andreas Wimmer (47). Wimmer soll bis Jahresende Chef von Allianz Leben bleiben und die neuen Aufgaben zusätzlich übernehmen. Seine Nachfolgerin bei Allianz Leben wird ab Januar 2022 Katja de la Vina (42).

Hintergrund für den Wechsel im Asset Management: Etwa 25 institutionelle Investoren in den USA - darunter Pensionsfonds für Staatsbedienstete - haben die Allianz auf sechs Milliarden Dollar verklagt, weil sie im Frühjahr 2020 mit den riskanten, aber angeblich krisensicheren Papieren einen Großteil ihres Einsatzes verloren hatten. Sie werfen der Allianz vor, angesichts der zeitweiligen Panik an den Märkten von ihrer Investmentstrategie abgewichen zu sein. Der Fall beschäftigt nicht nur die US-Börsenaufsicht SEC, sondern mittlerweile auch die Finanzaufsicht Bafin. Die Allianz hat bisher keine Rückstellungen gebildet, aber bereits vor erheblichen Ergebnisbelastungen gewarnt. manager magazin hatte bereits Ende August berichtet, dass der Druck auf Hunt wegen der Hedgefonds-Affäre wachse und ein Umbau im Vorstand bevorstehe. Allianz-Chef Bäte hatte die Vorwürfe über Monate nach außen totgeschwiegen und nach innen kleingeredet.

Sirma Boshnakova folgt im Vorstand auf Sergio Balbinot

Auch Sergio Balbinot (63) scheidet aus dem Vorstand der Allianz aus, wenn auch erst Ende 2022. Der Manager verantwortet das Versicherungsgeschäft in den Ländern West- und Südeuropas sowie für Asien/Pazifik. Balbinot hat mit seinem 63. Geburtstag Anfang September ohnehin die konzerninterne Altersgrenze von 62 Jahren überschritten. Die Aufgaben von Balbinot übernimmt mittelfristig Sirma Boshnakova (49), derzeit CEO von Allianz Partners.

Boshnakova rückt im Januar 2022 in den Vorstand auf, soll eng mit Balbinot zusammenarbeiten und im Laufe des Jahres Portfolioverantwortung von ihm übernehmen. Damit will die Allianz einen nahtlosen Übergang gewährleisten, teilte der Konzern mit. Balbinot könne sich so angesichts des Wachstumspotenzials der Region Asien-Pazifik noch stärker auf die strategischen Prioritäten in dieser Region konzentrieren. Die 49-jährige gebürtige Bulgarin hat bereits eng mit Balbinot im Süd- und Westeuropa-Geschäft zusammengearbeitet.

Konzernchef Bäte bewertete den Vorstandsumbau als wichtigen nächsten Entwicklungsschritt. "Andreas (Wimmer) und Sirma (Boshnakova) werden bedeutende, innovative Impulse zu unserer kommenden Drei-Jahres-Strategie und unserem weiteren Wachstum leisten", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Bäte will im Dezember seine Pläne für die nächsten Jahre vorstellen.

Der Aufsichtsrat der Allianz hat zudem die Absicht, die Verträge der Vorstandsmitglieder Renate Wagner (47) und Klaus-Peter Röhler (56) in seiner kommenden Sitzung im Februar 2022 formell zu verlängern. Allerdings werden sie im kommenden Jahr einen Teil ihrer Aufgaben verlieren. Röhler ist zugleich Chef der Allianz Deutschland und Wagner dort für Personalfragen verantwortlich. Die Landesgesellschaft wird als Zwischenebene abgeschafft, wie der Konzern im Frühjahr angekündigt hatte. Von der Allianz Deutschland AG, in der die Allianz vor 15 Jahren das Geschäft auf dem Heimatmarkt gebündelt hatte, bleibt nur eine Finanzholding ohne eigene Mitarbeiter. Im Frühjahr waren rund 16.000 Mitarbeiter bei ihr angestellt. Sie sollten in diesem Jahr auf jeweilige Konzernsparten verteilt werden. Röhlers und Wagners Position sind damit hinfällig.

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