25 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe Alibaba-Chef sucht den Befreiungsschlag

Bei Alibaba wuchsen die Umsätze zuletzt so langsam wie seit Jahren nicht mehr, zugleich hält Peking den Konzern weiter am Gängelband. Konzernchef Daniel Zhang will die geschundene Aktie mit einem milliardenschweren Befreiungsschlag aufrichten. Das ging schon einmal schief.
Alibaba-Chef Daniel Zhang: "Der Aktienkurs von Alibaba spiegelt den Wert des Unternehmens angesichts unserer robusten finanziellen Gesundheit und unserer Expansionspläne nicht angemessen wider", ist der Manager überzeugt

Alibaba-Chef Daniel Zhang: "Der Aktienkurs von Alibaba spiegelt den Wert des Unternehmens angesichts unserer robusten finanziellen Gesundheit und unserer Expansionspläne nicht angemessen wider", ist der Manager überzeugt

Foto: via www.imago-images.de / imago images/VCG

Bis zur Jahreswende schien an der Wall Street die Welt der Technologiewerte noch in Ordnung: Der Nasdaq 100  hatte einen fulminanten Lauf, bis die sich abzeichnende Zinswende in den USA den Absturz der Techs einleitete: Mehr als 3000 Punkte verlor der Index bis Mitte März, fiel damit auf den tiefsten Stand seit rund einem Jahr. Manche Titel erwischte es ungleich härter.

Chinesische Unternehmen sind mit Hinterlegungsscheinen, sogenannten American Depositary Receipts (ADR), an der Wall Street gelistet. Die Papiere des Technologieriesen Alibaba notierten Mitte März bei rund 77 Dollar und damit mehr als zwei Drittel niedriger als noch vor gut zwölf Monaten. Den Vertrauensverlust begründen Börsianer vor allem mit Strafmaßnahmen und dem massiven Eingriff Pekings in das Geschäftsmodell dieses aber auch anderer Technologiekonzerne in China. Das Alibaba-Management um CEO Daniel Zhang (50) steuerte gegen, kaufte bis zum 18. März für 9,2 Milliarden Dollar eigene Aktien zurück. Der gewünschte Effekt blieb aus. Am Dienstag nun legte Zhang nach und stockte das Rückkaufprogramm auf enorme 25 Milliarden Dollar auf, wie Alibaba ankündigte .

Unternehmen nutzen Aktienrückkäufe, um Geld an die Aktionäre zurückzugeben. Diese Programme können die Kurse stützen, indem sie Vertrauen in die Aussichten und die finanzielle Gesundheit des Unternehmens signalisieren und gleichzeitig den Gewinn pro Aktie steigern. Auch Alibaba kommentierte das stark ausgeweitete Programm erwartungsgemäß als "Zeichen des Vertrauens in das weitere Wachstum des Unternehmens". Ob dies bei Investoren verfängt, bleibt abzuwarten.

Kritiker argumentieren, es wäre besser, das Geld wieder in das Unternehmen zu investieren, etwa in Ausrüstung, Forschung und höhere Löhne. Laut Goldman Sachs haben die im S&P 500 notierten Unternehmen in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres Rückkaufpläne in Höhe von 238 Milliarden Dollar vorgestellt. Schätzungen der Bank zufolge könnte die Summe um 12 Prozent auf rund eine Billion Dollar im Gesamtjahr steigen, berichtet das "Wall Street Journal" .

Alibaba hat mit der jüngsten Ankündigung seit Beginn des Abschwungs im Technologiesektor so viel Geld für Aktienrückkäufe ausgegeben wie kein anderes chinesisches Unternehmen, stellen der Finanzdatenlieferant Bloomberg  und das "Wall Street Journal" fest. Alibaba kann sich das angesichts eines Barmittelbestands von 75 Milliarden Dollar sicher leisten. Geholfen haben die investierten Milliarden bislang allerdings wenig: Auch wenn die Alibaba-Aktie am Dienstag um 9 Prozent zulegte, hat der Amazon-Konkurrent seit dem Höchststand im Februar vergangenen Jahres rund 450 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren.

Mögen die enormen Kursverluste teils auch dem sich verlangsamenden Geschäft durch steigenden Wettbewerb geschuldet sein – im letzten Quartal wuchsen Alibabas Umsätze lediglich um 10 Prozent und damit so langsam wie seit dem Börsengang 2014 nicht mehr –, so sind die Auswirkungen der Regulierung doch nicht zu unterschätzen. Mittlerweile scheint auch der chinesischen Führung bewusst zu werden, wie viel Vertrauen sie mit der Gängelung privater Tech-Giganten wie Alibaba oder Tencent zerstört hat: Vergangene Woche versprach Peking, den Technologieunternehmen unter die Arme zu greifen, nannte aber keine Details.

Zuvor hatte die Regierung den milliardenschweren Börsengang der Alibaba-Finanztochter Ant Financial untersagt und Alibaba eine 2,8 Milliarden Dollar hohe Strafe wegen angeblicher Ausnutzung seiner marktbeherrschenden Stellung aufgebrummt. Angefangen hatte die Repression Ende des Jahres 2020, als der milliardenschwere Alibaba-Gründer Jack Ma (57) öffentlich das chinesische Regulierungssystem kritisiert hatte. Auch andere Technologie- und Internetunternehmen wie den Fahrdienstvermittler Didi, Tiktok oder Tencent bekamen aus Sorge um den Umgang mit Kundendaten oder die soziale Stabilität im Lande die scharfen Regulierungsmaßnahmen zu spüren.