Boom der Aktienrückkäufe So wollen Konzerne künftig die Börsen stützen

Apple, Toyota, Zalando und viele mehr - in seltenem Ausmaß kündigen Konzerne derzeit Aktienrückkäufe an. Die Geschäfte lassen es wieder zu - zur Freude der Aktionäre.
Zalando-Vorstände beim Börsengang 2014: Der Online-Händler beglückt seine Aktionäre mit dem Rückkauf eigener Aktien

Zalando-Vorstände beim Börsengang 2014: Der Online-Händler beglückt seine Aktionäre mit dem Rückkauf eigener Aktien

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Apple erhöhte sein Aktienrückkaufprogramm kürzlich um 90 Milliarden Dollar, bei der Google-Mutter Alphabet beträgt das Plus 50 Milliarden Dollar und die US-Großbank JP Morgan Chase gab jüngst bekannt, in nächster Zeit eigene Papiere im Volumen von 30 Milliarden Dollar erwerben zu wollen. Das sind nur drei Unternehmen von vielen, die ihre nach der Krise wieder erfreuliche Geschäftslage nutzen wollen, um ihren Aktionären in nächster Zeit Gutes zu tun.

Viele Konzerne legen in diesen Tagen starke Geschäftsergebnisse aus den vergangenen Monaten vor. Daraus geht deutlich hervor: Der schlimmste Teil der Corona-Krise ist vielerorts vorüber, die Firmen machen wieder gute Geschäfte und blicken zudem optimistisch in die Zukunft. Darüber können sich auch die Aktionäre freuen, denn in seit Langem nicht dagewesenem Ausmaß kündigen Unternehmen vor diesem Hintergrund derzeit Aktienrückkäufe an.

Beispiel Zalando: Der Online-Modehändler hob vor wenigen Tagen seine Jahresprognose für 2021 an. Gründe seien das außergewöhnlich starke Wachstum im ersten Quartal 2021, das auch im zweiten Quartal anhalten werde, und ein stabiler Ausblick bis Jahresende, so das Unternehmen.

Der Zalando-Vorstand erwartet für 2021 ein Umsatzwachstum von möglicherweise mehr als 30 Prozent - und hat vor dem Hintergrund ein Aktienrückkaufprogramm beschlossen: Die Gesellschaft werde eigene Aktien zu einem Gesamtkaufpreis von bis zu 200 Millionen Euro erwerben, teilte Zalando mit.

US-Firmen planen Aktienrückkäufe wie seit 20 Jahren nicht mehr

Solche Aktienrückkäufe stellen für Unternehmen eine attraktive Alternative zur Dividendenausschüttung dar, denn sie können flexibler gehandhabt werden: Geht es der Firma gut, können mehr eigene Papiere aufgenommen werden, läuft es nicht so gut, werden die Rückkäufe eingeschränkt.

Aus Sicht der Investoren haben Aktienrückkäufe ebenfalls Vorteile: Zum einen sinkt die Zahl der am Markt befindlichen Papiere eines Unternehmens, was unter der Annahme einer unveränderten Nachfrage generell gut für den Aktienkurs ist. Zum anderen verteilt sich auch der Gewinn des Unternehmens fortan nur noch auf diese geringe Zahl an Anteilsscheinen - der Gewinn je Aktie geht also tendenziell nach oben.

Aktienrückkäufe gelten daher als beliebtes Mittel zur Kurskosmetik - und gemessen an den Ankündigungen, die Konzerne in den vergangenen Wochen und Monaten gemacht haben, ist davon in nächster Zeit einiges zu erwarten. Nach Angaben der US-Bank Goldman Sachs etwa haben allein US-Unternehmen in den ersten vier Monaten dieses Jahres Rückkäufe im Umfang von insgesamt 484 Milliarden Dollar angekündigt. Das sei der höchste Wert seit mindestens zwei Jahrzehnten, zitiert die "Financial Times " die Analyse von Goldman Sachs. Die Rückkäufe, so Goldman, könnten im laufenden Jahr das Volumen des Vorjahres um 35 Prozent übersteigen.

In Europa ist die Begeisterung für Aktienrückkäufe in den Vorstandsetagen zwar nicht ganz so stark ausgeprägt wie in den USA. Sie ist aber durchaus vorhanden. Die französische Bank Société Générale etwa prognostiziert, dass das Rückkaufvolumen auch diesseits des Atlantiks gegenüber dem Niveau vor der Pandemie um rund 25 Prozent steigen kann, so die "FT".

Ein Beispiel: Vorige Woche legte der deutsche Immobilienkonzern Patrizia seine Quartalsergebnisse vor. Die Zahlen seien im Grunde eher unspektakulär gewesen, urteilten Analysten nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Positiv überrascht habe jedoch das geplante Aktienrückkaufprogramm: Für bis zu 50 Millionen Euro will Patrizia in nächster Zeit eigene Papiere vom Markt nehmen - den Kurs der Patrizia-Aktie schickte diese Aussicht spontan um zeitweise mehr als 8 Prozent in die Höhe.

Toyota steckt 1,9 Milliarden Euro in eigene Aktien

"Die Dinge laufen besser, und die Unternehmen haben einen etwas besseren Cash-Flow", erläutert Howard Silverblatt, Analyst bei S&P Dow Jones Indices, in der "FT". "Vorher hatte man 1000 mögliche Szenarios, jetzt sind es vielleicht nur noch 100. Da ist es etwas leichter."

So sieht es offenbar auch das Management des Autoriesen Toyota. Die Japaner ließen vor einigen Tagen wissen, wie gut sie durch die Chipkrise kommen, die seit Monaten der gesamten Autoindustrie zu schaffen macht. Während andere Hersteller - zum Beispiel Volkswagen - wegen des Mangels an elektronischen Bauteilen ein Ende der Erholung befürchten, stellt der weltgrößte Autokonzern für dieses Jahr einen Anstieg des Betriebsgewinns um 14 Prozent auf umgerechnet rund 19 Milliarden Euro sowie ein Absatzplus von 6,5 Prozent in Aussicht. Damit würde der Konzern an das Niveau der Vor-Corona-Zeit anknüpfen.

Als wäre das noch nicht genug des Guten für die Aktionäre, kündigte Toyota zudem ein Aktienrückkaufprogramm an: Anteilscheine im Wert von umgerechnet etwa 1,9 Milliarden Euro will das Unternehmen aus dem Markt nehmen.

Den Aktienkurs von Toyota trieb die Ankündigung am selben Tag um 2 Prozent nach oben. Investoren haben damit womöglich einen Vorgeschmack auf die kommenden Monate: Sollten die Konzerne rund um den Globus ihre Rückkaufankündigungen in die Tat umsetzen, dürfte das die Börsen in nächster Zeit zusätzlich stützen.

cr
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