Aareal Bank Grob verkalkuliert

Eine Buchprüfung der BaFin kommt den Immobilienfinanzierer Aareal teuer zu stehen. Statt eines Gewinns von 100 Millionen Euro wird nun ein Verlust von 100 Millionen Euro für das Gesamtjahr erwartet. Analysten schütteln angesichts des Zahlen-Wirrwarrs die Köpfe.
Von Harald Grimm

Hamburg/Wiesbaden - Mit ihrer Überprüfung der Risikovorsorge hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleitungsaufsicht (BaFin) die Aareal Bank in Turbulenzen gestürzt. Das Ergebnis fällt vernichtend aus: Die Risikovorsorge muss drastisch um zusätzliche 276,6 Millionen Euro erhöht werden, unter dem Strich wird die Bank am Jahresende keinen Gewinn mehr sondern ein dickes Minus schreiben.

In einer ersten Reaktion hat der Aufsichtsrat des MDax-Unternehmens Karl-Heinz Glauner von seinen Aufgaben als Vorstandsvorsitzenden entbunden. Außerdem sei eine Kapitalerhöhung geplant, hieß es in einer Ad-hoc-Meldung am späten Montagabend.

Wer die Nachfolge von Glauner antreten soll, ist bislang noch nicht geklärt. Den freien Platz im Vorstand soll auf jeden Fall ein Banker von außen besetzen, sagte Aufsichtsratschef Hans W. Reich, der hauptberuflich der KfW-Bankengruppe vorsteht. Ob der Neue auch Vorstandsvorsitzender werde, sei noch offen. Derzeit führen die drei verbliebenen Vorstände Ralph Hill, Hermann J. Merkens und Christof Schörning die Geschäfte.

Aufgrund der unerwartet hohen Vorsorge für faule Kredite wird für das laufende Jahr jetzt ein Nachsteuerverlust von 100 Millionen Euro prognostiziert. Noch Mitte August hatte die Bank bei der Vorstellung des Halbjahresergebnisses einen Jahresüberschuss von knapp 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Aktienhändler werteten die Mitteilung als "Hiobsbotschaft" und "halbe Katastrophe". Die Aktie  verlor deutlich und rutschte bis Dienstagmittag um rund 30 Prozent ins Minus Richtung 20-Euro-Linie.

"Das Vertrauen ist angeknackst"

Analysten monierten vor allem die Kommunikationspolitik des Unternehmens und die unerwartet hohe Differenz zwischen der alten und der neuen Risikovorsorge. "Das Vertrauen ist angeknackst", sagte Merck-Finck-Branchenspezialist Konrad Becker im Gespräch mit manager-magazin.de. Die Aareal habe nun das vierte Mal in Folge Probleme mit der Risikovorsorge.

Begonnen hat die Leidensgeschichte Anfang dieses Jahres: Im Februar hatte das Institut mitgeteilt, die BaFin würde im Zuge einer Sonderprüfung die Bücher untersuchen. Im April mussten die Wiesbadener dann einräumen, dass die Risikovorsorge nahezu verdoppelt werden musste und dadurch das Gewinnziel für 2003 verfehlt wurde.

Nachdem Glauner im Juni auf der Hauptversammlung das Jahresziel von 100 Millionen Euro Konzernüberschuss bestätigt hatte, bekräftigte er dieses erst Mitte August. Zugleich wurde aber erneut eine Erhöhung der Risikovorsorge um zusätzliche 40 Millionen Euro bekannt gegeben. Insgesamt erwartete die Aareal damit einen Vorsorgebedarf für wackelige Kredite von 160 Millionen Euro für das Gesamtjahr. Eine weitere Sonderaufstockung sollte es nach Unternehmensangaben nicht geben.

"Ich weiß nicht, wie man sich so verkalkulieren kann"

"Ich weiß nicht, wie man sich so verkalkulieren kann"

Die jetzt bekannt gewordene Aufstockung wird die Risikovorsorge 2004 vor Steuern und einschließlich bereits budgetierter Einzelwertberichtigungen auf 385 Millionen anheben. Das ist "ein frappierender Unterschied. Ich weiß nicht, wie man sich in der Risikovorsorge so verkalkulieren kann", sagte Analyst Becker. "Die BaFin und die Aareal Bank müssen vollkommen andere Berechnungswege und -methoden haben, was das Risiko des Kreditengagements angeht."

Als unverständlich bezeichnete Becker zudem die Aussagen der Aareal Bank zur Vorstellung des Halbjahresergebnisses am 12. August. Das Management habe damals den Eindruck erweckt, dass die BaFin-Prüfung bereits abgeschlossen sei. Zudem schien die Aareal davon überzeugt, mit einer Risikovorsorge von 160 Millionen Euro auszukommen. Dabei waren die Finanzaufseher zu diesem Zeitpunkt noch mit der Untersuchung beschäftigt.

Ist die Aktie zu einem Rebound fähig?

Der Merck Finck-Analyst traut der Aktie trotz des erlittenen Vertrauensverlustes und der angekündigten Kapitalerhöhung dennoch eine Kurserholung zu. Zwar werde er sein Rating "Sell" vorerst nicht ändern. Wenn der gegenwärtige Kursverfall sein Ende erreicht habe, sei aber eine Neubewertung möglich.

Für das Unternehmen spricht nach Ansicht Beckers, dass mit dem Abschluss der BaFin-Prüfung die aktuellen Risiken im Kreditportfolio ausreichend abgedeckt seien. Nun könne das Altportfolio verkauft werden und die Bank sich auf ihr rentables Neuportfolio konzentrieren: "Wenn die Problemkinder schnell abgestoßen werden, wird man erst die Ertragskraft der strategischen Neuausrichtung, die seit drei Jahren eingeleitet ist, erkennen. Das war in den vergangenen zwei Jahren aufgrund der notwendigen Risikovorsorge des Altportfolios leider nicht der Fall. Längerfristig ist die Perspektive der Aareal besser geworden."

Auch Beckers Kollege von HSBC Trinkaus & Burkhardt, Peter Barkow, hat die erneute Anhebung der Risikovorsorge kritisiert. Das Unternehmen habe dadurch einen Glaubwürdigkeitsverlust erlitten, zudem gebe es noch Unsicherheiten bezüglich des neuen Vorstandsvorsitzenden. Ähnlich äußerten sich auch die Wertpapierspezialisten von M.M. Warburg und Sal. Oppenheim.

Altlasten der Bau- und Bodenbank

Aus der ehemaligen Depfa-Gruppe waren Mitte 2002 der in Dublin ansässige Staatsfinanzierer Depfa Plc  und die Immobilienbank Aareal als selbstständige Institute hervorgegangen. Bei den umstrittenen Altlasten handelt es sich um Kredite der ehemaligen Deutschen Bau- und Bodenbank. Die Bewertung dieser Kredite war zwischen der Aareal Bank und dem Prüfungsverband deutscher Banken umstritten. Daraufhin sollte die BaFin schlichten.