Aktien-Check Conti auf dem richtigen Weg

Die EU-Kommission hat gegen den Phoenix-Deal Bedenken angemeldet. Dennoch gehen Analysten davon aus, dass Continental den Konkurrenten ohne größere Auflagen übernehmen darf. Conti sei damit auf dem richtigen Weg. Auch die Werksschließung in den USA mache Sinn. Mit Blick auf die Aktie gehen die Meinungen aber auseinander.

Hamburg/Frankfurt am Main - Analysten haben am Mittwoch die jüngsten Nachrichten um Continental  überwiegend positiv bewertet. Zur Erinnerung: Conti konnte in der Nacht zu Dienstag die angestrebte Zustimmung von mehr als 75 Prozent der Phoenix-Aktionäre für die Übernahme bekannt geben. Die EU-Kommission allerdings stellte bereits am selben Tag die Übernahme in Frage und leitete wegen schwerer Wettbewerbsbedenken eine vertiefte Prüfung ein, die bis zu vier Monate dauern kann.

Am Dienstagabend teilte Conti mit, dass das Unternehmen seine Reifenproduktion im US-Werk Mayfield zum Jahresende auf unbestimmte Zeit einstellen werde. Die Schließung werde Conti maximal 140 Millionen Euro kosten, präzisierte das Unternehmen am Mittwoch. Damit werde das Ergebnis in diesem Jahr mit 120 Millionen Euro belastet, wie es weiter hieß.

Wackelt jetzt das angestrebte Rekordergebnis?

Ob die Nummer Vier im weltweiten Reifengeschäft in Folge der Restrukturierungskosten in 2004 erneut ein Rekordergebnis erzielen wird, darüber gingen die Meinungen der Experten allerdings auseinander. Analysten halten sowohl ein Unterschreiten des Vorjahresrekords als auch eine weitere leichte Steigerung für möglich.

Während die Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mindestens einen operativen Gewinn in Höhe des Vorjahres erwarten, zeigte sich Robert Pottmann vom Bankhaus MM Warburg skeptischer. Er gehe von einem operativen Ergebnis von 838 Millionen Euro aus, das damit 17 Millionen niedriger als im Vorjahr wäre. Rolf Woller von der HypoVereinsbank  sagte: "Die angekündigten Restrukturierungskosten liegen leicht unter unseren Erwartungen. Wir sind deshalb weiterhin zuversichtlich, dass Conti in diesem Jahr das operative Ergebnis des Vorjahres übertreffen wird."

Analyst Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim sagte, er erwarte keine großen Auswirkungen auf seine Continental-Gewinnschätzungen durch die Fabrikschließung in Mayfield. Er habe die Schließung des "Verlustbringers" bereits mit 155 Millionen Euro angesetzt. Das Ergebnis je Aktie (EPS) im Jahr 2004 sehe er daher weiter bei 2,68 Euro. Aufgrund der damit verbundenen Auflösung latenter Steuerrückstellungen sei noch eine leichte Erhöhung möglich. Allerdings wies der Experte darauf hin, dass der Konsens über seinen konservativen Schätzungen liege.

Das von Conti angestrebte Rekordergebnis für 2004 sehe er nicht in Gefahr. Juchemich erwarte ein operativ starkes zweites Quartal mit einem Gewinnplus von rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies werde das angepeilte Rekord-Jahresergebnis sichern. Vor diesem Hintergrund stuft der Analyst von Sal. Oppenheim Conti weiter auf "Kaufen" ein und sieht das Kursziel bei 40,80 Euro.

"Übernahme wird sich positiv auswirken"

Malte Schaumann von SES Research bestätigte am Mittwoch seine "Outperformer"-Einstufung für den Titel. Mit Blick auf die Phoenix-Übernahme erwarte der Analyst keine wesentlichen kartellrechtlichen Vorgaben, die den Deal noch verhindern könnten.

Mit Continental und Phoenix würden sich im Markt für Fördergurte die globalen Positionen drei und vier zusammenschließen. Zudem würden sie sich regional exzellent insofern ergänzen, dass in bedeutenden Märkten Überschneidungen nur in relativ geringem Ausmaß bestünden. Der Markt der Luftfedern weise insgesamt nur ein relativ geringes Marktvolumen auf, so dass man auch hier nicht mit ernsthaften Konsequenzen rechne. Die Experten sähen daher insgesamt keine Gründe, die ein Gelingen der Übernahme verhindern könnten.

Die am Mittwoch bekannt gegebene Werksschließung in den USA sei für den Analysten von SES Research angesichts der geringen Profitabilität im nordamerikanischen Markt und der Ankündigung der verstärkten Produktion in Südamerika nicht überraschend. Damit folge Continental auch im amerikanischen Raum der analogen Strategie, die das Unternehmen in Europa erfolgreich umgesetzt habe. Die verstärkte Produktion im Ausland habe dem europäischen Reifensegment wieder zu einem hohen Margenniveau verholfen, hieß es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie.

LRP: Aktie bereits sehr gut gelaufen

Nathan Kohlhoff von der Bankgesellschaft Berlin bewertete die Continental-Aktie am Mittwoch mit "Halten". Das Kursziel setzte der Experte auf 36 Euro fest. Die Verlängerung des Kartellverfahrens seitens der EU-Kommission stelle aus Sicht des Analysten eine neue Hürde bei der geplanten Akquisition und Integration von Phoenix in den Bereich Contitech dar, zumal das Verfahren bis zu vier Monate dauern könne. Die Werksschließung in den USA habe die Analysten nicht überrascht. Sie habe sich bereits in der Vergangenheit abgezeichnet.

Die Phoenix-Übernahme werde sich trotz der EU-Bedenken langfristig positiv auswirken, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Gleichwohl stuften die Analysten die Aktie von Continental unverändert mit "Underperformer" im Vergleich zum Gesamtmarkt (Dax) ein. Sie begründeten ihre Einschätzung mit der aus ihrer Sicht guten Performance der Aktie und dem vergleichsweise anspruchsvollen Bewertungsniveau.

Helaba Trust sieht Conti operativ in guter Form

Die Analysten von Helaba Trust bestätigten die Aktie des Hannoveraner Autozulieferers mit "Neutral". Größere Einwände der EU-Kommission, die doch noch zu einem Scheitern führen könnten, seien nicht zu erwarten, hieß es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie. "Auch wenn in diesem Jahr eventuell Restrukturierungsaufwendungen anfallen, denken wir insgesamt, dass die Übernahme Sinn macht", schrieben die Experten.

Die Kosten für die Restrukturierung in den USA dürften niedriger ausfallen als bisher von den Analysten geschätzt. Operativ sei derzeit wenig an Continental auszusetzen. Der Ausblick sei unverändert positiv. Hauptrisiko sei nach Einschätzung der Experten von Helaba Trust eine nachlassende Reifennachfrage.

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