Aktiencheck Allianz bleibt für viele Experten ein Kauf

Die endgültigen Zahlen der Allianz zum ersten Quartal kommen bei den Analysten gut an. Viele haben ihre Kaufempfehlung erneuert. Kritiker warnen aber davor, die guten Daten des einstigen Sorgenkindes Dresdner Bank überzubewerten.

Hamburg/Frankfurt - Die Allianz  hat am Freitag die endgültigen Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Mit einem Nachsteuergewinn von 675 Millionen Euro fiel das Ergebnis rund 25 Millionen Euro besser aus als Anfang Mai zur Hauptversammlung angekündigt. Dennoch rutschte der Titel am Freitag zeitweilig um bis zu 3 Prozent ab. Nach einem nervösen Handel gab die Aktie am Freitag bis 16.45 Uhr rund 1,70 Prozent auf 81,75 Euro nach.

Analysten bewerteten die Zahlen überwiegend positiv. Die Experten der HypoVereinsbank , der SEB sowie von Merck Finck erneuerten ihre Kaufempfehlung für die Aktie. Positiv hoben die Analysten die deutlich gefallene Schaden-Kosten-Quote im Segement Versicherungen hervor, lobten aber auch die Rückkehr der Dresdner Bank in die Gewinnzone.

Letzteres führte Analyst Konrad Becker (Merck Finck) auf niedrigere Kosten und geringere Rückstellungen für Not leidende Kredite zurück. Der Umsatz sei wegen der Reduzierung von risikogewichteten Aktiva niedrig, obgleich die Zinsmargen gestiegen seien. Die Rückkehr zur Profitabilität sei aus Sicht des Experten nicht das Ergebnis eines verbesserten Handelsergebnisses. Daher betrachte er die Erholung als vergleichsweise nachhaltig, hieß es am Freitag.

"Sie scheinen an Momentum zu gewinnen, was die Ertragskraft angeht", kommentierte HVB-Analyst Lucio di Geronimo die Allianz-Zahlen. Im zweiten Quartal werde das Ergebnis durch Dividendenzahlungen aus Beteiligungen weiter gestützt. Die Allianz habe mit ihren Zahlen auf Ebene des operativen Ergebnisses und des Nettogewinns über den Erwartungen abgeschnitten. Dies gelte sowohl für die absolute Höhe als auch für die Zusammensetzung der Ergebnisse.

Auch die Analysten von SEB erneuerten ihre Kaufempfehlung für die Allianz-Aktie. Ebenso wie die Experten der HVB hoben sie positiv die im ersten Quartal gesunkene Combined Ratio (Schaden-Aufwand-Quote) hervor. Im 1. Quartal habe sie den Wert von 95,8 Prozent erreicht (Vorjahr 97,7 Prozent). Eine Quote von 97 auf Jahressicht wollten die Analysten der beiden Bankhäuser deshalb nicht ausschließen.

Die Ankündigung, dass die Dresdner Bank in diesem Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis vor Restrukturierungskosten erreichen wolle, bewerteten die Experten als "bescheiden" formuliertes Ziel. Müsse man doch berücksichtigen, dass die europäische Konjunktur erst am Anfang des Zyklus stehe. Da die Gewinntrends bei der Allianz nach Einschätzung der SEB "klar aufwärts gerichtet sind", bestätigen sie ihre bisherigen Gewinnschätzungen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der geschätzten Gewinne in 2005 sehen sie bei 8,6. Das Kursziel setzten sie auf 116 Euro fest.

Merrll Lynch zeigt sich skeptisch

LRP sieht weiter Risiken bei der Dresdner Bank

Die Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) beließen die Aktie der Allianz am Freitag auf "Outperformer", deuteten aber eine Anhebung ihrer Ergebnisschätzungen an. "Die Qualität der Ergebnisse erachten wir als gut", schrieben die Experten. Die Abweichung zur ihrer Ergebnisschätzung (474 Millionen Euro) führten die Analysten insbesondere auf die von ihnen nicht so erwartete positive Entwicklung in den Segmenten Leben/Kranken sowie Bankengeschäft zurück.

Die LRP hatte zum Beispiel für das Bankensegment mit einem Nachsteuerverlust von rund 73 Millionen Euro gerechnet. De facto erzielte das Segment aber ein Plus von 70 Millionen Euro. Die Analysten warnten jedoch davor, dieses Ergebnis auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Ferner sei zu beachten, dass noch Restrukturierungskosten von bis zu 170 Millionen Euro in den Folgequartalen anfallen dürften. "Insgesamt sehen wir die Dresdner Bank auf dem richtigen Wege, den Turnaround zu schaffen, aber Risiken bleiben noch immer bestehen", schrieben die Experten.

Die Analysten von Merrill Lynch  bewerteten die Quartalszahlen der Allianz skeptischer. Das verbesserte Ergebnis scheine überwiegend auf höher als erwartet ausgefallenen Investmentgewinnen zu basieren, schrieb Analyst Brian Shea am Freitag. Das überraschend gute Ergebnis der Dresdner Bank dürfte seiner Einschätzung nach nicht nachhaltig sein, sondern sei durch eine niedrigere Risikovorsorge begründet. Seine Einstufung mit "Neutral" behielt er bei.

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