Allianz Das große Reinemachen

Drei, zwei oder doch nur 1,5 Milliarden Euro Überschuss? Der Finanzkonzern hat es selbst in der Hand, sein Jahresergebnis für 2003 praktisch beliebig zu verändern. Entscheidend ist, dass die Arbeit auf den vielen Baustellen der Allianz vorangeht.

Hamburg - Nicht nur die deutlichen Abschläge an den Aktienmärkten sorgen beim Finanzkonzern Allianz  für Turbulenzen. Wenn der Konzern am Donnerstag (18. März) seine Bilanz für das Jahr 2003 vorlegt, wird das gleichzeitig auch ein Rückblick auf ein bewegtes Geschäftsjahr sein. "Viele Sonderfaktoren prägen das Bild - die Bilanz wird daher erklärungsbedürftig sein", schreibt Jochen Schmitt, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz, in einer Studie.

Das Ergebnis für das abgelaufene Geschäftsjahr könne praktisch beliebig verändert werden, je nachdem, welche Zusatzbelastungen einberechnet werden, so Schmitt. Dazu zählt der Analyst mögliche Abschreibungen auf den Eurohypo-Anteil, Sonderabschreibungen auf das Lebensversicherungsgeschäft in Korea, steuerliche Belastungen sowie Restrukturierungskosten und eine mögliche höhere Risikovorsorge für die Dresdner Bank.

Der Verkauf des Beiersdorf-Anteils legt den Grundstein dafür, dass der Finanzkonzern für das abgelaufene Jahr einen Jahresüberschuss ausweisen kann. Durch den Verkauf dürfte die Allianz einen Buchgewinn von 2,8 Milliarden Euro erzielt haben, der sich komplett im vierten Quartal 2003 niederschlagen wird, schätzt Schmitt.

Dresdner, Eurohypo, Korea: Zahlreiche Belastugen

Dagegen stehen jedoch zahlreiche Belastungen: Schmitt rechnet mit rund 400 Millionen Euro Restrukturierungskosten in 2003, um das Sorgenkind Dresdner Bank wieder in Schwung zu bringen. Sollte sich die Allianz entschließen, Problemkredite bei der Dresdner Bank durch eine höhere Risikovorsorge so schnell wie möglich abzubauen, könnte dies zu weiteren millionenschweren Belastungen in der Jahresbilanz führen.

Auch Abschreibungen auf den Eurohypo-Anteil, der noch mit rund zwei Milliarden Euro in den Büchern der Allianz steht, sind möglich, aber nicht zwingend notwendig. Außerdem steht es im Ermessen der Allianz, höhere Sonderabschreibungen auf das Lebensversicherungsgeschäft in Südkorea vorzunehmen: Allianz-Vorstand Helmuth Perlet hatte eine mögliche Sonderabschreibung auf Grund der schlechten Ertragslage bereits im Herbst 2003 nicht ausgeschlossen.

Aufräumen und hoffen: Es kann nur besser werden

Schmitt rechnet damit, dass die Allianz dem Beispiel der Münchener Rück  folgt und möglichst viele Belastungen in das Jahr 2003 packt, um für das laufende Geschäftsjahr reinen Tisch zu machen. Daher sei es zweitrangig, wie hoch der Überschuss für das abgelaufene Geschäftsjahr ausgefallen ist: Entscheidend sei eine Verbesserung des operativen und nachhaltigen Geschäfts. Eine Vorverlagerung von Belastungen in das Jahr 2003 könnte den Weg für künftige Ergebnisverbesserungen frei machen und von der Börse auch honoriert werden.

Der Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz stuft die Aktie der Allianz mit "Outperformer" ein: Trotz der Schwierigkeiten bei der Neuaufstellung der Dresdner Bank glaube er, dass der Kurs von Vorstandschef Michael Diekmann für eine Trendwende sorgen werde.

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