Aktien-Check Daumen runter für Infineon

Die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch haben ihre Prognose für den Gewinn je Aktie für Infineon drastisch gesenkt. Sie stuften den Titel auf "Verkaufen". Zugleich drücken Gerüchte um eine bevorstehende Kapitalerhöhung den Kurs.

Frankfurt - Nach negativen Analystenkommentaren haben die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon  am Dienstag deutlich nachgegeben. Das Papier fiel in der Spitze mehr als vier Prozent und markierte am späten Vormittag mit 10,85 Euro seinen tiefsten Stand.

Händler verwiesen auf einen Kommentar von Merrill Lynch. Die Analysten hatten die Prognose beim Gewinn je Aktie (EPS) für das Jahr 2004 von 0,56 auf 0,21 Euro gesenkt. Zudem bestätigten sie den Titel mit "Verkaufen". Die Gewinne im Speicherchip- und Nicht-Speicherchipgeschäft dürften schwächer ausfallen, hieß es. Ein Frankfurter Marktbeobachter sagte: "Die Einstufung auf Sell und die gesenkten Prognosen drücken den Titel ins Minus."

Bereits am Vortag hatten die Analysten der HypoVereinsbank erklärt, sie würden wegen der fallenden Preise für Speicherchips (DRAM) in den vergangenen Wochen keinen Grund für eine positivere Einstellung zu Infineon sehen. Trotz des frühen chinesischen Neujahres gebe es bislang keine positiven Auswirkungen auf die Motherboard-Nachfrage oder die DRAM-Preise, sagten die Analysten. Die Experten der Bank bestätigten ihre Einstufung "Neutral".

Ein anderer Händler verwies zudem auf die negativen Vorgaben von der US-Technologiebörse. Der Nasdaq Composite  war am Montag um 1,58 Prozent auf 1918 Punkte gefallen. Der Philadelphia-Halbleiterindex schloss ebenfalls im Minus.

Spekulationen um bevorstehende Kapitalerhöhung

Und noch eine andere Nachricht hat nach Einschätzung von Marktbeobachtern die Aktie am Dienstag gedrückt. Infineon hatte am Dienstag angekündigt, nach der Übernahme der Mikroelektronik-Sparte von Ericsson das genehmigte Kapital I 2002 lediglich wieder aufzufüllen.

Dementsprechend solle im Januar auf der Hauptversammlung ein genehmigtes Kapital von 27,5 Millionen Aktien abgesegnet werden, teilte ein Unternehmenssprecher am Dienstag mit. Damit belaufe sich das Volumen bei dem derzeitigen Kurs auf rund 300 Millionen Euro.

Die Märkte allerdings interpretierten die Nachricht dahingehend, dass dieser Schritt möglicherweise auf eine milliardenschwere Kapitalerhöhung hinweise könne. Kapitalerhöhungen führen in der Regel zu Kursverlusten, da Anleger eine Verwässerung des Gewinns je Aktie durch die zusätzlichen Titel befürchten.

"Dies ist negativ für Infineon, weil das Unternehmen bereits rund zwei Milliarden Euro in bar hat", sagte ein Fondsmanager am Dienstag nach Agenturberichten. Ein derartiger Schritt könne auch auf eine bevorstehende größere Akquisition hinweisen, sagte der Fondsmanager. Ein mögliches Ziel könnte seiner Ansicht nach die Halbleitersparte von Motorola  sein, fügte er hinzu.

Weitgehend ignoriert wurde dagegen nach Angaben von Händlern die Nachricht, wonach Infineon seine Grundstück- und Gebäudeverwaltung an drei Generalunternehmen ausgliedern werde.

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