Aktien-Check Henkel schäumt wieder

Der Persil- und Pritt-Hersteller Henkel will den US-Konkurrenten Dial übernehmen. Dieser Schritt sei notwendig, um international nicht in die Mittelmäßigkeit abzufallen, sagen Analysten. Ein Schnäppchen sei der Kaufpreis von 2,9 Milliarden Dollar aber nicht.

Hamburg/Düsseldorf - Henkel  wird den US-Wettbewerber Dial Corp.  kaufen. Damit kann der Konsumgüterkonzern endlich wieder eine große Übernahme vermelden. Mit der 2,9 Milliarden Dollar schweren Transaktion will die durch Marken wie Pritt und Persil bekannte Henkel-Gruppe ihre Position auf dem US-Markt nachhaltig stärken.

Analysten beurteilten am Montag die Ankündigung grundsätzlich positiv. Der Kaufpreis sei aber nicht gerade günstig, merkten manche Experten kritisch an. An der Frankfurter Börse gab die Aktie von Henkel in einem festen Marktumfeld gegen Mittag rund zwei Prozent auf 60,55 Euro nach.

Der Verkaufspreis sei kein Schnäppchen, sondern liege am oberen Ende der branchenüblichen Preise, schrieb Analystin Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz am Montag. Er betrage nahezu das 2,5-fache des Jahresumsatzes von Dial.

Gleichwohl beseitige der Düsseldorfer Konzern damit einen Schwachpunkt in seinem Portfolio. Dial betreibe im wesentlichen die vier Geschäftsbereiche Haushaltsreiniger, Wäschepflege, Raumklima und Lebensmittel (Dosenfleisch). Die wichtigsten Märkte seien die USA, Kanada, Puerto Rico, Asien und Lateinamerika. Deshalb stelle Dial eine ideale Ergänzung für die umsatzstärkste Waschmittel- und Reinigungsmittelsparte von Henkel dar. Die Expertin der LRP setzte den Titel erneut auf "Outperformer" mit einem Kursziel von 75 Euro zum Ende des Jahres 2004.

Finanzielle Probleme dürfte Henkel durch die Akquisition nicht bekommen, da das Unternehmen aus seiner Anleihe zwei Milliarden Euro und aus dem Verkauf der Chemiesparte Cognis 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Die Transaktionskasse von Henkel belaufe sich nach Berechnungen der Analystin derzeit auf etwa sieben Milliarden Euro.

Ein Wermutstropfen bleibe allerdings. Nachdem Henkel vor kurzem die Kosmetikunternehmen Wella  und Beiersdorf  vor der Nase weggeschnappt wurden, bleibe die Kosmetik- und Körperpflege weiterhin eine große Schwachstelle im Portfolio von Henkel. Allerdings sei der Markt in Europa im Bereich Kosmetik leergefegt und deshalb eine Akquisition nahezu aussichtslos.

WGZ-Bank: Henkel musste aktiv werden

Der Preis sei nicht günstig, doch Henkel habe aktiv werden müsssen, urteilte am Montag auch Analyst Bernd Schnarr von der WGZ-Bank. Der Düsseldorfer Konzern erhebe den Anspruch, ein "Global Player" zu sein. Dafür sei der gegenwärtige Marktanteil von 14 Prozent im wichtigen Nordamerika-Geschäft aber zu wenig. Mindestens 25 Prozent Marktanteil müsste Henkel auf diesem Markt schon erreichen, urteilte der Analyst.

Der Experte verdeutlichte seine Einschätzung an einem Beispiel. Im Bereich Kosmetik/Körperpflege liege Henkel in Kontinentaleuropa auf Platz drei, weltweit aber nur auf dem zehnten Platz. Im Bereich Waschmittel halte Henkel in Europa zwar die Spitzenstellung, weltweit stehe das Unternehmen aber nur auf Platz vier. Deshalb sei die Übernahme von Dial aus strategischer Sicht sinnvoll und "zukünftig auch wertsteigernd" für den Konzern. Das Markenartikel- und Nordamerikageschäft werde durch die Übernahme gestärkt.

Schnarr bestätigte die Aktie von Henkel mit "Akkumulieren" und erneuerte die Gewinnprognosen für das laufende und das kommende Jahr. Demnach erwartet die WGZ-Bank in 2003 für Henkel einen Gewinn je Aktie (EPS) von 3,46 Euro. Im kommenden Jahr dürfte Henkel ein EPS von 3,69 Euro erwirtschaften.

DZ-Bank: Es drohte die Mittelmäßigkeit

Zustimmung für den geplanten Deal erntete Henkel am Monatag auch von der DZ Bank. Analyst Heinz Müller bestätigte die Aktie mit "Kaufen" und erneuerte das Kursziel von 70 Euro. Henkel kaufe ein Geschäft, das bei Betrachtung der Ebit-Marge von 17 Prozent profitabler als das eigene sei. Henkel selbst weise eine Marge für den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 7,4 aus. Auch Müller teilte die Ansicht, dass Henkel habe aktiv werden müssen, wenn es im Vergleich zur weltweiten Konkurrenz nicht in die Mittelmäßigkeit abrutschen wolle.

SEB: Kaufpreis-Aufschlag hält sich in Grenzen

Die Analysten von der SEB stuften am Montag die Aktie von Henkel ebenfalls mit "Kaufen" ein. Der Kaufpreis für die Dial Corp. von 2,9 Milliarden oder 28,75 Dollar je Aktie bedeute gegenüber der bisherigen Börsenbewertung ein Aufschlag von 11,1 Prozent auf den Freitagsschlusskurs oder von rund 22,2 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen 60 Börsentage.

Die Transaktion werde - vor Geschäftswertabschreibungen und ohne Einbezug der Synergien - zu sofortigen Ergebnissteigerungen bei den Düsseldorfern führen, hieß es in der Studie am Montag weiter.

Die Dial-Gruppe sei in den USA ähnlich aufgestellt wie Henkel in Deutschland und Europa. Die beiden würden sich bereits aus einem Joint Venture zur Vermarktung von Waschmittel kennen. Dial vertreibe ähnliche Produkte, darunter auch einige in den USA bekannte Markenprodukte. Mit dieser Übernahme stelle Henkel unter Beweis, dass das Haus an kleineren und mittleren Unternehmen, die strategisch gut zum Konzern passen würden, stets interessiert sei.

Die Analysten würden sich mit ihrem kürzlich auf 70 Euro erhöhten Kursziel bestätigt fühlen. Die Aktie sei gegenwärtig mit dem 15,9-fachen auf Basis der geschätzten Gewinne in 2004 bewertet. Damit sei sie im Peer-Group-Vergleich weiterhin etwas günstiger, unterstrichen die Analysten der SEB am Montag ihre Kaufempfehlung.

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