Aktien-Check Holsten knallt nicht mehr

Nach der gescheiterten Partnersuche lässt die Aktie des Bierbrauers weiter Luft ab. Ein neuer Großaktionär ist nicht in Sicht. Und 300 Millionen Euro Schulden sowie deutlich fallende Umsätze stimmen die Analysten nicht gerade optimistisch.

Hamburg - Holsten knallt am dollsten, heißt es nicht nur im hohen Norden. Mochten die rund 2500 Mitarbeiter des Bierbrauers nach der jetzt für gescheitert erklärten Suche nach einem neuen Großaktionär auch aufatmen, überschäumende Freude wollte nicht aufkommen. Nüchtern betrachtet gibt es auch keinen Grund dazu.

Trotz des heißen Sommers ist der Bierabsatz in den ersten drei Quartalen um rund zehn Prozent gefallen. Der Gewinn verringerte sich gar um mehr als die Hälfte auf etwa 2,6 Millionen Euro. Zugleich steigt die Konkurrenz durch Billigmarken und auch das Dosenpfand drückt auf das Geschäft.

Angesichts des mittlerweile rund 300 Millionen Euro hohen Schuldenbergs machen Gerüchte die Runde, der Getränkekonzern (Marken u.a: Licher, Holsten, König Pilsener) müsse sich nun möglicherweise von seinem Mineralwassergeschäft oder auch von regionalen Biermarken trennen. Das allerdings dürfte dann nicht ohne Folgen für die Belegschaft bleiben.

Katerstimmung kommt erst recht beim Blick auf die Aktie auf . In den vergangenen drei Monaten hat der im SDax  notierte Titel rund die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Nach dem Kurssturz vom Donnerstag (minus 21 Prozent) ging es am Freitag weiter abwärts. Bis 16 Uhr gab die Aktie 2,60 Prozent auf 26,20 Euro ab.

Die Analysten von Independent Research, die dem Brauer in der Vergangenheit durch positive Empfehlungen bislang die Stange gehalten haben, stuften den Titel am Freitag von "Kaufen" auf "Halten" ab. Sie gehen davon aus, dass sich die Übernahmephantasie, die den Titel seit Sommer dieses Jahres kräftig angeschoben hatte, nach dem jüngsten Kurssturz nun gelegt haben dürfte. Die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,5 (2005) halten sie dabei immer noch für sehr ambitioniert.

Gleichwohl seien sie zuversichtlich, dass sich die bereits vollzogenen Restrukturierungsmaßnahmen künftig ertragssteigernd auswirken werden. Zudem schließen die Experten von Independent Research nicht aus, dass das Management die Suche nach Investoren im kommenden Jahr wieder aufnehmen wird. Aus eigener Kraft könne das Unternehmen die vom Vorstand angestrebten Marktanteilsziele in Deutschland jedenfalls nicht erreichen. Die Konsolidierung im Deutschen Biermarkt werde weiter gehen, glauben die Experten.

Die Analysten der Investmentbank Credit Suisse First Boston beließen den Titel am Freitag auf "Neutral", senkten aber das Kursziel drastisch auf 24 von 38 Euro. Die Experten begründeten ihre Entscheidung vor allem mit der fehlgeschlagenen Suche nach einem neuen Großinvestor. Die Übernahmefantasien hätten jetzt ein jähes Ende gefunden, was die Aktie vermutlich weiter belasten werde.

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