Aktien-Check Prognose-Knick nach Ergebnis-Kick?

Die Börse setzt auf gute Jahreszahlen von ThyssenKrupp. Analysten trauen der Aktie trotz ihrer guten Performance noch weiteres Aufwärtspotenzial zu. Der Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2003/04 sehen die Experten aber mit gemischten Gefühlen entgegen.

Hamburg - Die Aktie von ThyssenKrupp  hat nach Einschätzung von Marktbeobachtern am Montag von mehrereren Nachrichten profitiert. Der Wert kletterte bis 15 Uhr um 1,9 Prozent auf 15,74 Euro. Der Stahlkonzern wird am kommenden Donnerstag (4. Dezember) die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2002/2003 (per 30. September) vorlegen.

Die Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) hat die Aktie am Montag in einer Ersteinschätzung mit "Outperformer" bewertet. Gleichzeitig signalisierten die USA nach Medienberichten, dass sie die Strafzölle auf Stahlprodukte möglicherweise aufheben werden. Beide Nachrichten hätten den Kurs der Aktie postitiv beeinflusst, sagten Händler in Frankfurt.

Nach einem Bericht der "Washington Post" will US-Präsident George W. Bush die vor 20 Monaten verhängten Strafzölle für Stahlprodukte offensichtlich aufheben. Wie das Blatt in seiner Online-Ausgabe vom Montag unter Berufung auf Angaben aus Regierung und Industrie berichtete, soll damit ein möglicher Handelskrieg vermieden werden.

Ein Zeitpunkt für eine solche Ankündigung von Bush stehe noch nicht fest. Es sei gut möglich, dass Bush dies aber noch in dieser Woche tun werde, hieß es weiter. ThyssenKrupp selbst hatte in der Vergangenheit allerdings erklärt, dass die Strafzölle den Konzern nur gering belasteten.

CSFB: Thyssen-Aktie hat noch Potenzial

Die Analysten von CSFB indes begründeten ihre Einstufung für den größten deutschen Stahlkocher mit der Einschätzung, dass der Titel ein größeres Aufwärtspotenzial (36,1 Prozent) als etwa der Konkurrent Arcelor (12,9 Prozent) habe. Zudem mache die Umstrukturierung von ThyssenKrupp gute Fortschritte, hieß es in einer Studie am Montag. Der Titel dürfte nach Meinung der Experten auch von dem "positiven Stahlzyklus" profitieren. Das Kursziel setzten die Analysten auf 21,10 Euro fest.

Experten von Goldman Sachs  hatten unlängst erklärt, sie rechneten mit einer zunehmenden Nachfrage nach Stahlprodukten aus den USA, da die dortigen Stahlproduzenten an die Grenzen ihrer Kapazität stoßen. Dies werde den Stahlpreis nach oben treiben. ThyssenKrupp habe bereits angekündigt, zum Jahreswechsel die Preise für Qualitätsflachstahl erneut anzuheben.

Gemäß der Einstufung "Outperformer" gehen die Analysten der CSFB davon aus, dass sich die Aktie in den kommenden zwölf Monate um mindestens zehn bis 15 Prozent besser entwickeln wird als der Sektor.

LRP: Aktie bereits stark nach oben gelaufen

Die Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz hingegen haben die Aktie von ThyssenKrupp von "Outperformer" auf "Marketperformer" abgestuft. Die Aktie habe seit Beginn des Jahres bereits um rund 45 Prozent zugelegt, erklärten die Experten ebenfalls am Montag.

Bei einem Kursziel von 18 Euro bis Ende 2004 sehen die Analysten zwar noch ein Steigerungspotenzial von 16 Prozent. Da der Dax  im gleichen Zeitraum allerdings um zehn Prozent zulegen sollte, reiche die erwartete Outperformance von sechs Prozentpunkten nicht mehr für ein Outperformer-Rating aus, hieß es in der Analyse weiter.

Licht und Schatten

Helaba Trust sieht Licht und Schatten

Die Analysten der Helaba Trust als auch von Sal. Oppenheim stuften den Titel weiter mit "Neutral" ein. Fabian Kania von Helaba Trust rechnet damit, dass die negative Erlösentwicklung des dritten Quartals sich auch im vierten Quartal fortgesetzt haben werde. Unter dem Strich dürfte der Konzernumsatz im Gesamtjahr deshalb um etwa drei Prozent niedriger als im Vorjahr ausfallen und bei 35,6 Milliarden Euro liegen.

Der Vorsteuergewinn im vierten Quartal werde gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf rund 141 Millionen Euro eingebrochen sein. Im Gesamtjahr dürfte der Konzern ein Vorsteuerergebnis von etwa 753 Millionen Euro erwirtschaftet haben, hieß es in der Studie von Helaba Trust am Montag weiter.

Infolge einer geringeren Steuerquote dürfte der um Sondereffekte bereinigte Jahresüberschuss wiederum auf 413 (Vorjahr: 247) Millionen Euro gestiegen sein. Das Ergebnis je Aktie sieht der Experte bei 0,82 (0,48) Euro. Überdies rechnet er aufgrund der Ertragssteigerung mit einer Anhebung der Dividende auf 0,50 (0,40) Euro je Aktie.

Der Ausblick könnte enttäuschen

Diese Prognosen lesen sich soweit recht optmistisch. Allerdings rechnet neben Helaba Trust auch Sal. Oppenheim damit, dass der Konzern sein Ergebnisziel für das laufende Geschäftsjahr 2003/04 von 1,5 Milliarden Euro (vor Steuern) deutlich nach unten korrigieren wird.

Eine realistische Vorgabe zusammen mit der Fortführung der in den letzten Monaten verstärkt zu beobachtenden Entflechtung des Konzerns könnte dem Wert aber weiteres Kurspotential eröffnen, schrieben die Analysten von Helaba Trust am Montag.

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