Aktien-Check Tui auf Erholungskurs

Die jüngsten Terroranschläge haben die Tourismusindustrie erneut in Turbulenzen gestürzt. Analysten erwarten vom deutschen Branchenführer dennoch ein gutes Ergebnis.

Frankfurt am Main - Nach den herben Einbrüchen der vergangenen zwei Jahre dürfte Europas größter Touristikkonzern Tui  nach Einschätzung von Analysten im dritten Quartal wieder auf leichten Erholungskurs gegangen sein. Die Bombenanschläge in Istanbul in der vergangenen Woche allerdings zeigten, wie instabil die Rückkehr auf den Wachstumspfad sein könnte, sagen Branchenbeobachter. Tui legt an diesem Donnerstag (27. November) die Quartalsbilanz vor.

Die neun von dpa-AFX befragten Analysten rechnen damit, dass der Umsatz im abgelaufenen Quartal auf im Schnitt 6,57 Milliarden Euro (Vorjahr: 6,829 Milliarden) zurückgegangen sein dürfte. Die Spanne der Prognosen reicht hier von 6,410 bis 6,730 Milliarden Euro.

In der mit Abstand größten Sparte Touristik wird ein minimales Umsatzplus auf 4,692 Milliarden Euro (Vorjahr: 4,581 Milliarden) erwartet; die Bandbreite der Schätzungen geht von 4,615 bis 4,737 Milliarden Euro. Das dritte Quartal ist für die Tui AG das wichtigste Quartal, da das Sommergeschäft der Touristik in dieses Jahresviertel fällt.

Keine Überraschungen erwartet

Beim Konzernergebnis vor Steuern und Goodwill-Abschreibungen (EBTA) rechnen Unternehmensbeobachter mit einem Rückgang auf 489,28 Millionen Euro (Vorjahr: 509 Millionen; Spanne der Schätzungen: 461 bis 502 Millionen). In der Touristik wird das Quartals-EBTA auf 499 Millionen Euro taxiert. Die Prognosen reichen dabei von 490 bis 515 Millionen Euro.

Tui selbst hatte bereits mehrfach angekündigt, das Touristikergebnis dürfte im dritten Quartal dem Vorjahreswert von 519 Millionen Euro nahe kommen. Für das vierte Quartal gebe es sogar Chancen, das Ergebnis des Vorjahres - einen Verlust von 171 Millionen Euro - zu verbessern. Große Überraschungen erwartet daher kaum einer der Unternehmensbeobachter.

In der Logistik, dem künftig zweiten Standbein des hannoverschen Konzerns, rechnen Analysten dank steigender Frachtraten mit einem Anhalten des positiven Trends aus den ersten sechs Monaten und Gewinnzuwächsen. In der Touristiksparte hatte Tui in den ersten sechs Monaten massive Einbrüche verzeichnet und war nur dank Millionen-Buchgewinnen aus dem Verkauf der Energiesparte in den schwarzen Zahlen geblieben. Für das Gesamtjahr stellt Tui bislang ein Touristikergebnis in Aussicht, dass zwar deutlich positiv, wegen der Einbrüche in den ersten Monaten aber unter dem Vorjahr (knapp 332 Millionen Euro) liegen werde. In der Logistik soll das Ergebnis weiter zulegen.

Wichtig sei nun, was das Management zu den jüngsten Buchungseingängen bekannt geben werde, sagte WestLB-Analyst Tue Oestergaard. Diese hatten jüngst wieder nach oben gezeigt: Anfang des Monats meldete Tui ein Plus von konzernweit 5,6 Prozent. Allerdings leidet der Branchenprimus gerade im wichtigen deutschen Markt unter dem Preisverfall.

"Einfluss der Anschläge schwer einzuschätzen"

Angesichts der jüngsten Anschläge in der Türkei seien die Buchungsdaten aber ohnehin nur mit Vorsicht zu genießen, meinte ein Branchenbeobachter. "Der Einfluss der Anschläge auf die gesamte Branche ist zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer einzuschätzen." Tui selbst hatte sich dagegen - ähnlich wie die Konkurrenz - gelassen gezeigt. Die Urlauber wüssten zu "differenzieren", hieß es.

Eine konkrete Prognose für das kommende Jahr erwarten Analysten unterdessen nicht. Tui werde sich wohl nur sehr vorsichtig zu 2004 äußern, sagte Oestergaard. Bislang könne man nur etwas zu den Winterbuchungen sagen. "Und wer weiß, was danach kommt." Tui will den Umsatz im Kerngeschäft Touristik im kommenden Jahr um 5 Prozent steigern. "Wir gehen davon aus, dass, wenn sich die Märkte so weiterentwickeln, das Spartenergebnis deutlich über dem von 2003 liegen muss", hatte Tui-Chef Michael Frenzel gesagt.

Insgesamt versprüht die krisengebeutelte Tourismusbranche in den vergangenen Monaten wieder deutlich mehr Optimismus. Wie HVB-Analyst Christian Obst in einer Kurzstudie schreibt, rechne er sogar damit, dass das Tui-Management am Donnerstag "das Ende der Rezession in der Touristik" erklären werde.

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