Donnerstag, 27. Juni 2019

Beiersdorf 130 Euro für alle Aktionäre? BaFin prüft

Nach dem Verkauf der Beiersdorf-Anteile an Tchibo ist schlagartig Kursfantasie in die Aktie gekommen: Die BaFin prüft, ob der neue Großaktionär ein Angebot von 130 Euro an die freien Aktionäre abgeben muss.

Hamburg/Frankfurt - Nach der Übernahme des Hamburger Konsortiums unter Führung von Tchibo und der Stadt Hamburg eines 40-Prozent-Pakets an Beiersdorf keimt bei den freien Aktionären neue Hoffnung auf.

 Jetzt geht's noch einmal um die Dose: BaFin prüft den Fall Beiersdorf
Jetzt geht's noch einmal um die Dose: BaFin prüft den Fall Beiersdorf
"Wir prüfen, ob eine Verpflichtung seitens des Konsortiums zu einem Pflichtangebot für die freien Aktionäre besteht", sagte Sabine Reimer von der Wertpapieraufsicht der BaFin gegenüber manager-magazin.de.

Kurz nach Bekanntwerden der Prüfung hatte der Beiersdorf-Kurs einen Schub von 97 auf 103 Euro vollzogen, sackte anschließend aber wieder ab. Sollte es zu einem Pflicht-Angebot kommen, hätten die Aktionäre das Recht auf einen Preis von 130 Euro je Aktie, denn diesen Betrag zahlte das Tchibo-Konsortium an die Allianz pro Aktie.

Acting in concert?

Die Tchibo-Holding, der bereits vor dem Deal 30,3 Prozent an Beiersdorf gehörten, ist nach Gesetzeslage nicht zu einem Angebot an die freien Aktionäre verpflichtet. "Es geht darum, ob die weiteren Mitglieder des Konsortiums gemeinschaftlich gehandelt haben", sagte Reimer weiter. Könne nachgewiesen werden, dass es ein sogenanntes "Acting-in-concert" vorgelegen habe, wäre "in letzter Konsequenz" (Reimer) ein Pflichtangebot die Folge.

Da der Beiersdorf-Konzern selbst (7,4 Prozent), die Pensionskasse des Konzerns (3,0 Prozent) und die Stadt Hamburg über die Vermögensverwaltung HVG (Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsverwaltung, 10 Prozent) zu den neuen Eignern von Beiersdorf gehören, müssten diese im Fall des Falles für die 26,1 Prozent der Beiersdorf-Aktien, die den Free-Float bilden, zahlen.

Aufgrund des noch jungen deutschen Übernahmegesetzes gibt es jedoch keinen Vergleichsfall, auf den die BaFin aufsetzen könnte. BaFin-Sprecherin Reimer betonte, dass sich "nur äußerst vage" beurteilen ließe, ob es zu einem Pflichtangebot komme.

Konzertierte Aktion wäre vermeidbar gewesen

Die Wertpapier-Expertin bestätigte jedoch, dass es zu der jetzt laufenden Untersuchung nicht gekommen wäre, wenn Tchibo und die weiteren Konsortiumsmitglieder ihre Anteile zu unterschiedlichen Zeitpunkten erworben hätten. "Hätte Tchibo einen Tag vor den anderen Käufern gehandelt, gäbe es die Frage nach einem Pflichtangebot für die freien Aktionäre heute nicht", so Reimer.

Investoren, die auf eine Übernahmeprämie von 130 Euro je Aktie spekuliert hatten, verabschiedeten sich aus dem Beiersdorf-Engagement, als die Konsortiums-Lösung eintrat. Der Kurs der Aktie von Beiersdorf Börsen-Chart zeigen ist daher kräftig eingebrochen. Nun wird die alte Fantasie - wenn auch auf Sparflamme - neu entfacht.

Die Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz stufen die Aktie jedoch weiterhin als "Underperformer" ein: Der Kurs von 118 Euro habe bereits eine Übernahmeprämie enthalten. Selbst wenn Beiersdorf den geplanten Aktienrückkauf von rund acht Prozent der Aktien mit einer attraktiven Prämie versehen würde, böte dies keine Vorteile für die freien Aktionäre, da vermutlich nur jede zehnte Aktie zu einem hohen Preis zurückgenommen würde.

Abschreibungsbedarf für die Beiersdorf-Pensionskasse

Eine Spekulation darauf lohne nicht. Im Gegenteil, das Aktienrückkaufprogramm diene letztlich zur Finanzierung der Übernahme und würde damit zu Lasten der freien Aktionäre gehen. Zusätzlich dürfte der Pensionskasse von Beiersdorf durch die Transaktion ein Abschreibungsbedarf von etwa 75 Millionen Euro entstanden sein. Auch die Analysten von JP Morgan rechnen damit, dass der Beiersdorf-Kurs zunächst unter der Marke von 100 Euro bleiben wird.

Der einzige Kurstreiber sei die Spekulation gewesen, dass sich Tchibo und der amerikanische Konsumgüterkonzern Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen einen Bieterwettstreit liefern würden. Nur wer darauf gesetzt habe, dass P&G allen Aktionären ein Übernahmeangebot zwischen 130 und 150 Euro machen würde, sei auch noch bei 110 Euro eingestiegen. Da Tchibo nicht für die Minderheitsaktionäre biete und sich nun durchgesetzt habe, sei die Fantasie gewichen.

Erfolgreiches operatives Geschäft mit Tchibo - doch Abschlag gegenüber L'Oreal

Die Experten von Helaba Trust bewerten die Aktie von Beiersdorf nach der Transaktion als neutrales Investment und sehen eine faire Bewertung bei 90 Euro. Für den Hamburger Konzern ergeben sich durch den Allianz-Verkauf keine unmittelbaren Konsequenzen für das operative Geschäft. Die Mehrheitsübernahme durch das Tchibo-Konsortium sichere jedoch den Fortgang des erfolgreichen eigenständigen Geschäftsbetriebs. Mit dem Entweichen der Übernahmespekulationen sollte sich bei Beiersdorf nun wieder ein Bewertungsabschlag zum Marktführer L'Oreal einstellen.

Allianz erzielt fast drei Milliarden Euro Buchgewinn

Die Allianz Börsen-Chart zeigen zählt nach Meinung von Analysten zu den Gewinnern des Deals: Der Finanzkonzern hat durch den Verkauf der Beiersdorf-Beteiligung einen hohen Buchgewinn von geschätzt rund drei Milliarden Euro erzielt.

Der ursprüngliche Preis des Beiersdorf-Aktienpaketes dürfte für die Allianz seinerzeit etwa bei einer Milliarde Euro gelegen haben. Der Erlös durch den Verkauf an Tchibo und die Stadt Hamburg liege nun bei 4,4 Milliarden. Der erfolgreiche Verkauf füge sich in das Bild, dass sich die Lage bei der Allianz stetig verbessere.

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