Aktien-Check Oracle verdirbt SAP das Geschäft

SAP-Lenker Henning Kagermann macht den Rivalen Oracle für den Preisverfall in der Softwarebranche verantwortlich. Analysten befürchten, dass die Walldorfer dauerhaft unter schwachen Lizenzeinnahmen leiden werden.

Hamburg/Frankfurt am Main - Die Aktie von Europas größtem Softwarekonzern SAP  gerät angesichts des starken Konkurrenzkampfs wieder unter Druck. Am Mittwochnachmittag notierte das Papier mit rund 1,5 Prozent im Minus auf 104,66 Euro und knüpfte damit an die Vortagesverluste an. Händler machten für die schwache Kursentwicklung negative Äußerungen von Vorstandschef Henning Kagermann verantwortlich.

Kagermann zufolge übe die Übernahmeschlacht zwischen Oracle  und Peoplesoft  weiterhin einen Druck auf die Preise aus. Die Anzahl der SAP-Kunden steige dagegen, sagte der Vorstandssprecher am Montag auf einer Konferenz in Basel. "Es ist nicht nur ein verwirrendes, sondern manchmal auch ein verzweifeltes Pricing", ergänzte er. Insgesamt resultierten 40 Prozent der verlorenen Verträge von SAP aus Preiskämpfen durch die Discount-Politik von Oracle, dem hinter SAP zweitgrößten Anbieter betriebswirtschaftlicher Software. Mehr Verträge seien bei SAP durch Preisdruck noch nie verloren gegangen. Hingegen gewinne der Walldorfer Konzern derzeit Kunden hinzu, die wegen Peoplesoft verunsichert seien.

Ein Frankfurter Aktienhändler sagte, es sei "erschreckend, dass die Preise so stark unter Druck gekommen sind. Es besteht einfach die Gefahr dass die paar neu gewonnenen Kunden auf Grund des Preisverfalls die verlorenen Verträge nicht ausgleichen können."

Lizenzeinnahen könnten langfristig leiden

Auch unter Analysten wächst nun die Befürchtung, dass sich die geplante Oracle-Peoplesoft-Übernahme langfristig negativ auf SAP auswirken könnte. So rechnet Simon Scholes von der Bankgesellschaft Berlin damit, dass die Lizenzeinnahmen im laufenden Quartal schwach ausfallen werden, nachdem die Gewinne aus dem Lizenz-Geschäft bereits im vorherigen Jahresviertel schwach gewesen seien. Die Aktie bestätigte er dennoch mit dem Rating "Halten" und einem Kursziel von 120 Euro.

Deutlich skeptischer äußerte sich Thomas Hofmann, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz. Seiner Ansicht nach sei zu befürchten, dass die Preise auch auf längere Sicht auf einem niedrigen Niveau verharren. Die Unternehmenssoftware-Branche zeige mehr und mehr die Anzeichen eines gesättigten Marktes: Übernahmeversuche, Preiskämpfe und stagnierende Umsätze.

Die historischen Wachstumsraten im mittleren zweistelligen Bereich wird das Unternehmen nach Einschätzung von Hofmann wohl nur noch in Ausnahmesituationen aufweisen können. Damit sei aber auch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 30 nicht mehr zu rechtfertigen. Angesichts der aktuellen Bewertung werde die Aktie als "Underperformer" eingestuft, das Kursziel wurde mit 110 Euro angegeben.

Analyst: "Aggressives Pricing"

Analyst David Reynolds von J.P. Morgan erwartet, dass der anhaltende Preisdruck SAP im traditionell wichtigen vierten Quartal treffen könnte. "So lange das Übernahmeangebot von Oracle für Peoplesoft im Raum steht, kann das aggressive Pricing weitergehen."

Etwas optimistischer sind dagegen die Analysten der WestLB gestimmt. Sie empfehlen die Aktie weiterhin als "Outperformer" und sehen ein Kursziel von 130 Euro. Die positive Einschätzung werde gestützt durch die verbesserten Geschäftsaussichten in den USA und Europa. Nach Angaben eines IT-Freelancer-Portals habe die Nachfrage nach IT-Projekten in den vergangenen Wochen wieder angezogen. Der durch Oracle und Peoplesoft hervorgerufene Preiskampf stelle deshalb keinen Grund zur Besorgnis dar und sei nur ein kurzfristiges Phänomen, hieß es.

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