Aktien-Check Tui-Aktie fehlt die Ertragsfantasie

Trotz aller Dementis treiben Übernahmespekulationen die Aktie von Tui weiter nach oben. Analysten halten eine Übernahme nicht gänzlich für abwegig. Mit ihren Bewertungen aber bleiben die Experten auf dem Teppich und warnen Spekulanten vor den Risiken.

Die Aktie des Touristikkonzerns Tui  hat in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt. Rund 28 Prozent waren es auf Monatssicht. Übernahmespekulationen in der ersten Septemberwoche und zuletzt Meldungen über ein angebliches Management-Buyout im großen Stil haben die Aktie weiter nach oben getrieben. Die Dementis folgten prompt, konnten den Anstieg des Titels aber nicht bremsen.

Wer hinter den Übernahmegerüchten stehe und welche Ziele damit verfolgt würden, sei unklar, schreibt Analyst Per-Ola Hellgren von der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz. Fest stehe, dass die Spekulationen einen deutlichen Einfluss auf den Aktienkurs ausübten, weil die Voraussetzungen für eine Übernahme seiner Einschätzung nach an sich auch gegeben seien.

Was wird aus dem Tui-Paket der WestLB?

Man vermute deshalb, dass die Gerüchteküche weiterhin für Kursfantasien sorgen werde: Nach wie vor ist zu hören, die WestLB wolle ihre Beteiligung an Tui in Höhe von 31 Prozent verkaufen. Da Presseangaben zufolge das Finanzinstitut diese Beteiligung zu einem Buchwert von 20 bis 21 Euro je Aktie angesetzt habe, dürfte ein Übernahmeangebot aber kaum akzeptiert werden, wenn der Preis weit unter diesem Niveau liege, meint der Experte.

Ein deutlich über dem aktuellen Kursniveau liegendes Angebot dürfte in eine Mehrheitsbeteiligung münden, da wahrscheinlich viele Aktionäre in Anbetracht eines solchen Angebotes ihre Aktien verkaufen würden.

LRP sieht Tui unverändert als "Marketperformer"

Der Analyst hält eine künftige Übernahme von Tui durchaus für möglich. Ob eine Akquisition getätigt werde oder nicht, bleibe vorerst eine reine Spekulation. Auch wenn tatsächlich ein Angebot in Vorbereitung sein sollte, stelle der erfolgreiche Abschluss einer Übernahme ein zusätzliches Risiko für Spekulanten dar.

So rät der Experte den Investoren, unter Berücksichtigung der hohen, branchenspezifischen Risiken (wie etwa eines neuen Terroranschlages und/oder einer neuen Ausbreitung der Krankheit SARS) den fairen Wert der Aktie im Auge zu behalten. Das Kursziel Ende 2004 taxiert der Experte nach wie vor auf 20 Euro. Die Aktie bewertet er unverändert mit "Marketperformer".

Berliner Bankgesellschaft rät zum Halten

Die Experten der Berliner Bankgesellschaft erwarten zumindest keine kurzfristige Abgabe der WestLB-Anteile. Gleichwohl dürften anhaltende Gerüchte über mögliche Investoren die Kursentwicklung weiter bestimmen, schreiben die Analysten. Für sie ist die Aktie weiter eine Halteposition.

Die SEB-Bank stuft die Aktie von Tui mit "Reduzieren" ein. Sie konstatieren zwar, dass die potenzielle Investorengruppe um die Geschwister Herz und den Wirtschaftsprüfer Otto Gellert durchaus über ausreichend Cash verfügen, um Tui zu übernehmen. Sie halten es auch nicht für völlig ausgeschlossen, dass die WestLB, - langjähriger Eigner und Begleiter aller Geschäftsaktivitäten bei Preussag/TUI - ihren 31-Prozent-Anteil verkaufen könnten. Gleichwohl sind die Analysten eher geneigt, den Dementis des Konzerns Glauben zu schenken.

SEB: Aktie fehlt die Ertragsfantasie

Jenseits der Übernahmespekulationen fehle der Aktie gegenwärtig die Ertragsfantasie, auch wenn die Buchungen im zweiten Halbjahr leicht aufwärts gerichtet seien. 2003 werde eines der schwierigsten Jahre für Tui. Der Jahresgewinn dürfte unter dem des Vorjahres liegen, sind die Analysten der SEB Bank überzeugt.

Analyst Rolf Geck von der WGZ-Bank rät den Investoren, die Aktie zu "akkumulieren", äußert sich zu den jüngsten Gerüchten allerdings nicht. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung setze Tui seinen Portfolio-Bereinigungsprozess fort und trenne sich - wie bereits angekündigt - von seinen britischen Metallhandelsaktivitäten.

Der Verkauf der Handelstochter AMC an das Management sei beschlossen worden, resümiert der Analyst. Neben der Veräußerung der Energieaktivitäten zu Jahresbeginn stelle dieser Verkauf den zweiten großen Schritt zur Desinvestition im laufenden Geschäftsjahr dar.

Touristik-Umsatzanteil bei rund 75 Prozent

Die Übertragung der AMC an das Management solle nach Unternehmensangaben bis zum Jahresende vollzogen werden. Der Experte rechnet deshalb mit einer Dekonsolidierung von AMC spätestens zum Jahresende.

Der Kaufpreis von rund 200 Millionen Euro dürfte dem weiteren Schuldenabbau dienen. Der Verkauf rundet nach Ansicht des Experten den Konzernumbau der Tui nahezu ab. Ohne AMC, die im vergangenen Jahr rund 2,4 Milliarden Euro Umsatz generiert habe, werde sich der Umsatzanteil der Touristik auf rund 75 Prozent belaufen, schätzt der Experte der WGZ-Bank.

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