Aktien-Check Messlatte liegt zu hoch

Der Handy-Riese Nokia hat den Technologiemärkten die gute Stimmung gründlich verdorben. Zwar sprudeln die Gewinne nach wie vor ordentlich, die Umsatzprognosen liegen jedoch unter den Erwartungen. Zudem bleibt ein hohes Währungsrisiko.

Hamburg/Frankfurt am Main - Das finnische Börsenschwergewicht Nokia  hat mit seinem am Dienstag veröffentlichten Quartals-Zwischenbericht trotz solider Gewinne die Märkte enttäuscht. Vor allem die Umsatzprognose des weltgrößten Handyherstellers konnte die Erwartungen nicht treffen. Nokia machte den starken Euro für die schwache Erlössituation verantwortlich.

Die Aktie reagierte auf die Nachricht mit einem deutlichen Kursrückgang. Das Papier verlor um über vier Prozent. Am Mittwoch knüpfte die Aktie an die Talfahrt an und gab im Handelsverlauf um weitere 3,7 Prozent auf 13,85 Euro nach. Im Sog des Marktschwergewichts verloren auch die anderen Technologiewerte deutlich.

Die hohe Erwartungshaltung des Marktes erklärte ein Händler mit dem "sehr guten Ruf" des Unternehmens. "Wenn dann etwas nicht so gut ist, reagiert die Aktie gleich negativ."

Gewinnspanne in der Handysparte leicht verbessert

Nokia rechnet für das dritte Quartal mit einem zum Vorjahr unveränderten oder etwas niedrigeren Umsatz der Handy-Sparte. Der Konzerngewinn werde aber voraussichtlich am oberen Ende oder sogar über der bisherigen Prognosespanne von 0,15 bis 0,17 Euro je Aktie liegen. Die Gewinnspanne in der Handysparte, die fast 80 Prozent zum Nokia-Umsatz beisteuert, hat sich nach Angaben von Finanzvorstand Olli-Pekka Kallasvuo sogar leicht verbessert.

Trotz der optimistischen Gewinnprognose hat die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auf den Zwischenbericht mit einer Abstufung reagiert. Die Analysten senkten das Rating für die Aktie von "Kaufen" auf "Halten" und erklärten ihre Entscheidung mit dem fehlenden Umsatzwachstum und den jüngsten Kurszuwächsen der Aktie.

Obwohl sich die Währungssituation mit dem leicht festeren Dollar für Nokia wieder etwas entspannt habe, hätte der Handyhersteller seine Umsatzprognose nicht angehoben, monierten die Analysten. Da tröste auch die wie erwartet erhöhte Ertragsprognose nicht.

Konkurrenzdruck aus Asien wächst

Negativ werteten die Experten der LBBW zudem die Branchensituation. Nokia werde künftig einem härteren Wettbewerbsdruck von Seiten der asiatischen Handyhersteller ausgesetzt sein, so dass eine Ausweitung der Handy-Margen zunehmend schwerer werde.

Die Analysten hoben hingegen die Marktposition Nokias als weltweit führenden Handyhersteller positiv hervor. Auch der hohe Cash-Flow des Unternehmens sei positiv.

Motorola und Samsung greifen an

Motorola und Samsung greifen an

Nach Ansicht von Merrill Lynch ist die Aktie auf dem derzeitigen Kursniveau fair bewertet. Die Analysten machten drei Gründe dafür aus, dass die Umsatzprognose nicht besser ausgefallen sei. Erstens sei Nokia möglicherweise mit Blick auf die Entwicklung des Euro im Vergleich zum Dollar vorsichtig. Das Quartal sei erst in drei Wochen zu Ende und der Euro könnte in dieser Zeit erheblich zulegen.

Zweitens machten die Analysten den durchschnittlichen Handy-Verkaufspreis als einen möglichen Grund für Nokias verhaltene Umsatzprognose aus. Drittens sei es nicht ausgeschlossen, dass das Unternehmen im dritten Quartal Marktanteile im Handy-Geschäft verloren hat, da die Wettbewerber mit neuen Modellen auf den Markt kamen. Allein im zweiten Halbjahr würden Motorola und Samsung 51 neue Modelle anbieten.

Goldman Sachs hebt Prognosen an

Etwas positiver schätzt hingegen die US-Investmentbank Goldman Sachs die Zukunft des Konzerns ein. Die Analysten haben ihre Prognosen erhöht und die Aktie als "Outperformer" bestätigt. Nokia werde auch künftig Marktanteile hinzugewinnen.

Für das laufende Geschäftsjahr schätzen die Branchenexperten den Gewinn je Aktie (EPS) auf 0,72 Euro, für 2004 werden 0,85 Euro prognostiziert. Das Unternehmen habe gezeigt, dass die Margen auch im vierten Quartal 2003 und im kommenden Jahr hoch bleiben werden, erklärten die Analysten ihren Optimismus.

Dennoch bleibe ein Währungsrisiko, hieß es. Solange sich der Dollar zum Euro nicht deutlich erholen werde, bleibe die Gefahr groß, dass Nokia für weitere zwei oder drei Quartale Bilanzen mit glanzlosen Wachstumsraten präsentieren werde.

Höhere Margen bei fallenden Preisen erwartet

Auch die Analysten von Morgan Stanley haben ihre Prognosen nach oben angepasst und setzten das erwartete EPS für das laufende Jahr von 0,70 auf 0,72 Euro hoch. Für 2004 wird nun ein Gewinn je Aktie von 0,69 Euro (0,68 Euro) erwartet. Die Aktie wurde mit dem Rating "Übergewichten" bestätigt.

Die Morgan-Stanley-Experten äußerten sich optimistisch, dass Nokia seine Verkaufszahlen und Margen steigern wird, obwohl die durchschnittlichen Verkaufspreise voraussichtlich rückläufig seien. Für das dritte Quartal wird ein Durchschnittspreis von 125 Euro erwartet.

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