Aktien-Check MAN - Börsenstar für einen Tag

Volkswagen hat angeblich Interesse an der Nutzfahrzeugsparte von MAN. Während einige Analysten den möglichen Deal begrüßen, sehen andere darin keinen Sinn. Spekulanten treiben die Aktie des LKW-Herstellers kräftig in die Höhe.

Die sonst eher im Schatten der Dax-Schwergewichte stehenden Aktien von MAN  haben am Montag von Medienberichten profitiert, Volkswagen  sei sich bereits mit dem MAN-Großaktionär Allianz über einen Kauf der Nutzfahrzeugsparte einig. Die betroffenen Firmen wollten die Darstellung zunächst nicht kommentieren. Die Aktien von MAN legten am Montagmorgen in der Spitze um knapp neun Prozent zu, reduzierten ihre Gewinne bis Mittag aber auf rund vier Prozent bei 16,38 Euro. Die Titel von Volkswagen waren zunächst schwach gestartet, drehten zuletzt aber leicht in die Pluszone.

Analysten einiger Bankhäuser haben auf Grund der jüngsten Nachrichten ihre Einstufung für die Aktie von MAN kurzfristig anhoben. Andere dagegen zeigten sich sehr skeptisch. Sie beurteilten eine mögliche Übernahme der Nutzfahrzeugsparte als wenig sinnvoll für Volkswagen. Wenn der Autobauer wirklich daran interessiert sei, sich in diesem Segment zu verstärken, solle der Konzern besser seine Anteile an dem LKW-Hersteller Scania (Volvo) erhöhen.

WGZ-Bank: MAN-Titel deutlich unterbewertet

Die Experten der WGZ-Bank erhöhten das Kursziel für die MAN-Aktie von 18 auf 23 Euro. Zugleich bestätigte Analyst Rolf Geck am Montag den Titel mit "Kaufen". Im Gegensatz zu anderen Analysten ist er der Auffassung, dass Volkswagen strategisch gesehen durch eine Übernahme der MAN-Lastwagensparte seine Marktposition im Bereich schwerer LKWs stärke. Die anhaltenden Übernahmespekulationen seien ein Argument für die "historisch deutlich unterbewertete" MAN-Aktie.

Die HypoVereinsbank hob ihr Rating für den Wert auf "Outperformer" ("Underperformer") an. Das Kursziel sehen die Analysten der Bank bei 19,40 Euro. Kurzfristig würden die Erwartungen einer strategischen Übernahme die Befürchtungen über eine schwache Nachfrage sowie über mögliche Restrukturierungsmaßnahmen überlagern, erklärten die Analysten am Montag.

Metzler: Das wäre gut für MAN

Sollten sich die Kaufabsichten von Volkswagen bestätigten, sei dies eine gute Nachricht für MAN, urteilte das Münchener Bankhaus MerckFinck. Analyst Robert Heberger stufte den Titel auf "Outperformer" ("Marketperformer") hoch. Er habe der "Konglomerat-Strategie" von MAN stets skeptisch gegenüber gestanden. Zudem müsse man Zweifel haben, ob MAN angesichts des schwierigen Umfelds im LKW-Geschäft ohne Partner werde überleben können. Sollten die Nachrichten offiziell bestätigt werden, habe die Aktie Potenzial bis zu 20 Euro, erklärte der Analyst am Montag weiter.

Meinungen um mögliche Finanzierung gehen auseinander

"VW kann eine Übernahme des Nutzfahrzeugbereichs von MAN ohne größere finanzielle Probleme stemmen", sagte Heino Ruland von Steubing am Montag. Vermutlich sei weder eine Kapitalerhöhung noch eine Anleihen-Finanzierung notwendig. Er fügte allerdings hinzu, eine Übernahme des 45-Prozent-Pakets von Volvo an Scania im kommenden Jahr wäre die "bessere Alternative für VW". Scania sei im gleichen Geschäftsfeld der schweren LKW tätig, Volkswagen besitze bereits 18 Prozent des Kapitals und 34 Prozent der Stimmrechte. Scania setze etwa fünf Milliarden Euro im Jahr um, der MAN-Nutzfahrzeugbereich rund 6,5 Milliarden Euro.

Beide Alternativen würden deshalb die "light trucks" von Volkswagen ergänzen, sagte der Analyst. Ruland hält die Scania-Alternative auch deshalb für den "sinnvolleren Ausbau des LKW-Geschäfts", weil eine Übernahme "viel einfacher" wäre. Volvo müsse sich zurückziehen und suche einen Käufer. Dagegen mute das Herauslösen des Nutzfahrzeuggeschäfts bei MAN kompliziert an, da Investmentbanken und Versicherungen große Anteile hielten und in den Weiterverkauf anderer MAN-Konzernteile verwoben seien, erklärte der Analyst weiter. Scania habe besonders im westeuropäischen Geschäft eine starke Stellung, auch weltweit sei Scania im Nutzfahrzeuggeschäft gut aufgestellt.

Bei der Finanzierung möglicher Übernahmen durch VW sieht Ruland keine größeren Probleme. Die Brutto-Liquidität habe zum Jahreswechsel 6,8 Milliarden Euro betragen, ohne Wertpapiere und Darlehen hätten 2,987 Milliarden Euro in der Kasse gelegen. Der Cash-Flow habe im vergangenen Jahr bei 10,46 Milliarden Euro gelegen.

"Besser die Anteile bei Scania aufstocken"

Beim Thema Finanzierung vertritt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler hingegen einen ganz anderen Standpunkt. Das wäre für VW finanziell nicht zu machen, sagte der Analyst. Volkswagen habe bereits viele ehrgeizige Projekte in der Pipeline, so dass eine solche Investition für den Konzern zu viel wäre.

Der Metzler-Analyst verwies dabei auf die hohen Entwicklungskosten für neue Modelle sowie auf die Ausdehnung des Geschäfts in China. Pieper glaube auch nicht, dass VW an MAN wirklich interessiert sei. Die Gelegenheit zum Kauf der Nutzfahrzeugsparte habe es schon öfter gegeben und zudem zu günstigeren Bedingungen.

Sollte Volkswagen wirklich ins Lkw-Geschäft groß einsteigen wollen, wäre es nach Ansicht Piepers besser, nicht nur MAN zu übernehmen, sondern auch die Anteile bei Scania aufzustocken. "Besser richtig als nur mittelmäßig", urteilte der Analyst. Doch das wäre dann noch teurer. Die Lkw-Sparte von MAN werde etwa 2,5 bis 3,0 Milliarden Euro kosten. Hinzu kämen noch einmal zwei bis drei Milliarden Euro für das Aufstocken der Scania-Anteile. Das wären dann rund sechs Milliarden Euro an Investitionsvolumen, "zuviel für Volkswagen". Pieper stufte VW mit "Verkaufen" ein. Er verweist auf den "nicht besonders positiven Geschäftsverlauf". Auch das zweite und dritte Quartal dürften wohl "eher schwach" ausfallen.

VW sollte sich auf das Kerngeschäft konzentrieren

Eine Übernahme der Nutzfahrzeugsparte von MAN durch VW "ergibt überhaupt keinen Sinn", sagte Analyst Stephen Cheetham von dem US-Bankhaus Sanford C. Bernstein. Sollte Volkswagen den indirekten Allianz-Anteil von 27 Prozent übernehmen, hätte sie zwei Minderheitsanteile, sagte der Analyst. Die Nutzfahrzeugsparte von MAN würde "null Synergien" mit dem Pkw-Kerngeschäft von VW erbringen. Vorstandchef Pischetsrieder sollte sich auf das Kerngeschäft konzentrieren, riet daher Analyst Cheetham.

Auch die Analysten der Bank SEB wollten das Thema am Montag nicht so hoch hängen. Sie würden keine schnelle Einigung erwarten, zu zersplittert und fragmentiert sei gegenwärtig der gesamte Sektor einerseits, aber auch die Kapitalbeteiligungs-Verhältnisse bei MAN. Die Verhandlungen könnten letztendlich auch in eine engere Beteiligung oder Kooperation münden, urteilten die Experten von SEB.

Allianz braucht das Geld nicht

Einerseits sei bekannt, dass der MAN-Konzern bisweilen eher ablehnend einer Aufteilung gegenüber gestanden habe. Die anderen Sparten müssten entsprechend gestärkt werden. Andererseits würden eine gewichtige Rolle auch die MAN-Großaktionäre spielen, allen voran die Allianz, die über die Regina-Holding mit 14 Prozent an MAN beteiligt sei. Eine rasche Liquiditätsbesorgung habe Allianz zumindest gegenwärtig nicht nötig, nachdem die Kapitalerhöhung im zweiten Quartal überraschend stolze 4,4 Milliarden Euro in die Kassen gespült habe.

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