Aktien-Check Zögerliche RWE enttäuscht

Mit einem umfangreichen Restrukturierungsprogramm will der Energieversorger künftig Millionen einsparen. Analysten bewerten die Pläne jedoch skeptisch. Die Maßnahmen seien nicht weitreichend genug.

Hamburg/Frankfurt am Main - Schon zu seinem Amtsantritt hat der neue RWE-Chef Harry Roels vor fünf Monaten einen Konzernumbau angekündigt. Die Erwartungen waren entsprechend hoch, schließlich müssen die Essener die milliardenschweren Übernahmen der vergangenen Jahre integrieren und zudem ihren Schuldenberg in Höhe von rund 25 Milliarden Euro abbauen.

Das am Donnerstag vorgestellte Maßnahmenpaket geht nach Ansicht von Analysten zwar in die richtige Richtung, allerdings nicht weit genug. So plant der Konzern unter anderem:

  • die Anzahl der Führungsgesellschaften von derzeit 13 auf sieben zu reduzieren
  • das Desinvestitionsprogramm fortzuführen, so stehen die Beteiligungen an Hochtief  und Heidelberger Druck  zum Verkauf
  • im Zuge der Umstrukturierungen sollen 1000 Arbeitsplätze wegfallen, vor allem im Managementbereich
Das Sparpotenzial wurde von RWE bis 2006 auf 300 Millionen Euro jährlich veranschlag. Einige Investmenthäuser hatten sich jedoch mehr versprochen. So hatte Merrill Lynch zwischen 500 und 600 Millionen Euro erwartet. Auch nach Einschätzung der Deutschen Bank hätten viele Anleger einen höheren Betrag erwartet.

Positive Effekte schon eingepreist

Für Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz bleibt die Aktie vorerst ein "Underperformer". Die positiven Auswirkungen der Organisationsstraffung seien bereits weitgehend im Kurs enthalten, da bereits im Vorfeld darüber berichtet wurde. Von dem erwarteten leichten Konjunkturaufschwung gegen Ende des laufenden Jahres sollten die Versorger zudem nur unterproportional profitieren.

Die Analysten der WGZ-Bank haben die Aktie sogar von "Kaufen" auf "Akkumulieren" zurückgestuft. Die vorgestellten Maßnahmen stellten in der Summe keine Überraschungen dar. Angesichts der von RWE erwarteten Einmalbelastung von 250 Millionen Euro im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres haben die Analysten ihre Gewinnprognosen reduziert.

Goldman Sachs: Ziele nicht ambitioniert genug

Goldman Sachs monierte die Sparziele des Konzerns als "nicht ambitioniert", da sie auch lediglich ein Prozent der Gesamt-Kostenbasis ausmachen würden.

Bei der HypoVereinsbank bezeichneten die Analysten die angekündigten Restrukturierungen als logischen Schritt im Zuge der Konsolidierung nach zahlreichen Akquisitionen und der Ausweitung der Konzerngesellschaften in den vergangenen Jahren. Trotzdem seien der Integration der Bereiche organisatorische Grenzen gesetzt.

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