Aktientipps Merrill Lynch bleibt bei SAP skeptisch

Merrill Lynch blickt bei SAP mit Skepsis auf das vierte Quartal. Nokia überzeugt mit seinen Zahlen die Analysten von Hornblower Fischer. Die Experten von Morgan Stanley Dean Witter stufen Infineon ab.

Die Analysten von Merrill Lynch hat die Aktie von SAP  nach Veröffentlichung der Quartalszahlen mit "Neutral" bestätigt, jedoch weiter Bedenken über die Entwicklung im vierten Quartal geäußert. Für das kommende Geschäftsjahr könnte die Gewinnprognose pro Aktie um 20 Prozent angehoben werden, kündigten die Analysten am Donnerstag in London an. Derzeit würden die Prognosen überarbeitet.

Die Lizenzumsätze hätten sich im dritten Quartal mit 435 Millionen Euro deutlich über den eigenen Erwartungen von 402 Millionen Euro entwickelt. Auch das operative Ergebnis habe mit 336 Millionen Euro über den ML-Schätzungen von 188 Millionen Euro gelegen. Die Einschätzung "Neutral" wurde wegen anhaltender Sorgen um die Lizenzumsätze im vierten Quartal beibehalten.

Die Kosten seien im dritten Quartal stärker als von ihnen prognostiziert gefallen, erklärte Analyst Daud Khan. Das müsse aber nicht so bleiben, da SAP nur relativ wenig Personal (445 auf 28.909 Mitarbeiter) abgebaut habe. Mit der Einschätzung "Neutral" sei ein Gesamtertrag von bis zehn Prozent in zwölf Monaten zu erwarten

Infineon: Märkte gesättigt / "Untergewichten" (Morgan Stanley Dean Witter)

Die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter stufen die Aktie von Infineon  (623100) von "equal-weight" auf "underweight" zurück. Das Kursziel werde aber von 10,50 auf 8,00 Euro (aktuell 7,80 Euro) reduziert.

In der Branche übersteige das Angebot die Nachfrage. Das globale DRAM-Modell deute auf eine Überversorgung in 2002 und 2003 hin. Die Kapazitäten würden im DRAM-Bereich weiter zunehmen. Die Nachfrage nach PCs gehe gleichzeitig stärker zurück als erwartet.

Unter Bewertungsgesichtspunkten erscheine die Aktie jedoch attraktiv. Der Mangel an mittelfristigen Katalysatoren sowie das schwierige operative Umfeld begrenze jedoch die Kursentwicklung. Vor diesem Hintergrund bewerten die Analysten von Morgan Stanley Dean Witter die Aktie von Infineon nunmehr mit dem Votum "Untergewichten".

Nokia: Starke Quartalszahlen / "Outperformer" (Hornblower Fischer)

Die Analysten von Hornblower Fischer bestätigen Nokia  als Outperformer. Die "starken" Quartalszahlen untermauerten die unangefochtene Stellung des Weltmarktführers im Handygeschäft. Zudem werde das Segment schneller wieder anspringen als das Infrastrukturgeschäft, nachdem die Netzbetreiber zunächst die Entwicklung bei UMTS abwarten und weitere Investitionen in den Netzaufbau auf Eis legen, schreiben die Experten in einer Studie am Donnerstag. Hiervon profitierten in erster Linie die Finnen.

Angesichts der guten Zukunftsperspektiven mit erhöhten Margen sei die Aktie auf aktuellem Niveau günstig bewertet. Einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 für 2002 stehe ein durchschnittliches Umsatz- und Ertragswachstum von zehn Prozent in den nächsten Jahren gegenüber. Für Nokia spreche auch, dass sie trotz des sehr schweren Marktumfeldes stabile Erträge zeigen, heißt es weiter.

Bei dieser hervorragenden Marktstellung und Profitabilität, so die Experten, ergebe sich damit ein weiter gutes Chance/Risko-Verhältnis.

Nokia habe für das dritte Quartal mit einem Gewinn je Aktie von 0,18 Euro die Markterwartung um einen Cent übertroffen und lag mit einem Umsatzplus von zwei Prozent auf 7,224 Milliarden Euro am oberen Ende der Prognosen. Dies sei der erste Umsatzanstieg im Jahresvergleich seit dem zweiten Quartal 2001.

Zudem habe der weltgrößte Handyproduzent seine Prognose für das Gesamtjahr bekräftigt: Der Gewinn je Aktie soll 2002 bei 0,79-0,81 Euro (Q4: 0,23-0,25 Euro) und der Umsatz mit 30,1-30,4 Milliarden Euro (Q4: 8,9-9,2 Milliarden Euro) im Rahmen der leicht reduzierten Erwartungen liegen. Die Prognose für ein weltweites Marktvolumen von 400 Millionen abgesetzten Handys in 2002 wurde bekräftigt.

Positive Ergebnisse wichtiger Nokia-Kunden (RF Micro/Powerwave) ließen bereits auf eine Ergebnisüberraschung hoffen. Fundamental unterstreiche das Quartal den starken operativen Trend im Hauptgeschäft mit Handys, schreiben die Experten von Hornblower Fischer weiter.

Die operative Marge bei Mobiltelefonen lag mit 22,2 Prozent erneut über dem Wert des Vorquartals (21,7) und dem Vorjahr (19,0). Gerade die neuen (margenträchtigen) Modelle seien offenbar auf rege Nachfrage gestoßen und assen nun auf das Weihnachtsgeschäft hoffen.

Im kommenden Jahr dürfte das Segment von der Ersatznachfrage nach neuen Handymodellen angetrieben werden, so dass die Analysten nun für 2003 einen weltweiten Absatz von rund 450 Millionen Geräten erwarten.

Unterdessen bleibe das Netzwerkgeschäft die Achillesferse der Mobilfunkanbieter. Dies zeigte gestern Motorola und sei am Freitag von Ericsson zu erwarten. Nokia meldete hier eine operative Marge von nur 5,2 Prozent im dritten Quartal. Damit ließe sich kein Geld verdienen. Dies betreffe vor allem Ericsson mit dem Hauptstandbein im Netzwerkgeschäft.