Aktientipps Vertrauensverlust belastet das MLP-Geschäft

Die WGZ-Bank empfiehlt Anlegern, die MLP-Aktie zu verkaufen. Merrill Lynch kürzt die Prognosen für Allianz deutlich. Goldman Sachs sieht langfristig noch Potenzial in der Wella-Aktie.

Die WGZ-Bank hat die MLP-Aktie  (656 990) nach Vorlager der Halbjahreszahlen mit "Verkaufen" bestätigt. Der Finanzdienstleister hat heute die Zahlen für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres vorgelegt. Vor Steuern lag der Gewinn mit 53,1 Millionen Euro leicht unter Vorjahresniveau (53,8 Millionen Euro) und zeigte beim Ergebnis je Aktie (EPS), bedingt durch die abgeschlossene Kapitalerhöhung, einen deutlichen Rückgang von rund 19 Prozent im ersten Halbjahr und 32 Prozent im zweiten Quartal. Das Neugeschäft entwickelte sich wie erwartet nur noch langsam und lag in den ersten sechs Monaten rund 15 Prozent (früher 30 Prozent) über dem Vorjahr.

Damit hätten sich die öffentlichen Diskussionen um die MLP-Bilanzierungsmethoden bereits im zweiten Quartal belastend ausgewirkt. Noch bleibe abzuwarten, wie sich das traditionell wichtige zweite Halbjahr entwickele, hieß es in der Studie vom Donnerstag. Für das Gesamtjahr werde nun noch ein Vorsteuergewinn von rund 100 Millionen Euro anvisiert, was beim Gewinn je Aktie einen Einbruch von fast 50 Prozent bedeuten würde.

Mittelfristig will MLP auf den alten Wachstumspfad zurückkehren. Die Analysten sehen jedoch auch weiterhin ein schwieriges Umfeld für das operative Geschäft. Bevor Anleger der Aktie wieder vertrauen würden, müsste MLP die Spekulationen um Bilanzmanipulationen verstummen lassen und überzeugende Ergebnisse liefern.

Allianz: Kursziel 120 Euro / "Neutral" (Merrill Lynch)

Die Investmentbank Merrill Lynch hat die Gewinnprognose für den Versicherungskonzern Allianz  (840 400) nach der Halbjahresbilanz gesenkt. Statt 8,20 Euro Gewinn je Aktie in 2002 prognostizieren sie nur noch 4,30 Euro. Die Schätzungen für die beiden kommenden Jahre blieben unverändert, denn sie waren schon vor zwei Wochen nach unten korrigiert worden. Aber 2002, das sei ein "verlorenes Jahr" für die Allianz. So begründeten die Analysten in einer am Donnerstag in London veröffentlichten Studie ihre Einschätzung.

Die Experten bestätigten jedoch die Allianz mit "Neutral". Zwar habe sich das Versicherungsgeschäft respektabel entwickelt, aber das Bankgeschäft sei schlechter gelaufen als erwartet. Hier sei mit einer Verlustverdopplung im zweiten Halbjahr zu rechnen. Außerdem sei im Versicherungsgeschäft von Privatkunden ein Gewinnrückgang zu erwarten.

Positiv hob Merrill Lynch hervor, dass sich das Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft besser geschlagen habe, als die Investmentbank erwartet hatte.

Das Kursziel wurde von 155 auf 120 Euro (aktuell 129 Euro) zurückgenommen. Die armselige Entwicklung der Aktie nähre Befürchtungen, dass hier noch kein Boden erreicht sei, so dass man den Titel derzeit noch nicht kaufen müsse.

Wella: Langfristig attraktiv / "Outperformer" (Goldman Sachs)

Die Analysten von Goldman Sachs haben die Wella-Aktie  (776 563) trotz "schwacher Quartalszahlen" mit dem Rating "Outperformer" bestätigt, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Kurzfristig könne der Aktienkurs unter Druck geraten, aufgrund der relativ günstigen Bewertung bleibe das Papier langfristig gesehen jedoch "attraktiv".

Nachdem die Wertpapierexperten kürzlich erst ihre Prognosen gesenkt haben, reduzierten sie ihre Erwartungen nach Vorlage der Zwischenbilanz erneut. Für das laufende Geschäftsjahr haben die Analysten den prognostizierten Gewinn je Aktie (EPS) um 13 Prozent auf 1,72 Euro gesenkt. Für das kommende Jahr wird nur noch mit einem EPS von 2,20 Euro (minus neun Prozent) gerechnet. Goldman Sachs begründete die Entscheidung mit einem schlechtem Marktumfeld und einer wenig effektiven Produktpalette. Zudem zeichneten sich die jüngsten Akquisitionen durch eine nur geringe Profitabilität aus.