Aktientipps Allianz - noch nicht alles verloren?

Die Aktie der Allianz bietet nach Ansicht von Merck Finck trotz der traurigen Bilanz eine Einstiegsgelegenheit. Dagegen sehen die Chancen für den Dax-Absteiger Degussa und für die Achterbahn-Aktie von Thiel Logistik trüber aus.

Die Analysten von Merck Finck & Co bewerten die Aktie der Allianz (840 400)  weiterhin mit "Outperformer", obwohl der Finanzkonzern für das zweite Quartal einen Nettoverlust in Höhe von 356 Millionen Euro vorgelegt hat. Auf Grund des schwachen Bankgeschäftes habe der Reingewinn für das erste Halbjahr nur noch 1,6 Milliarden Euro betragen. Wegen der anhaltend schwachen Kapitalmärkte gibt die Allianz auch keinen Ausblick auf das Gesamtjahr.Von ihrem Ziel, in diesem Jahr den Gewinn auf drei Milliarden Euro zu steigern, hatte sich die Allianz bereits mit ihrer Gewinnwarnung vor zwei Wochen verabschiedet.

Nach Ansicht der Analysten von Merck Finck habe das Versicherungsgeschäft jedoch ein starkes Wachstum von 12,1 Prozent gezeigt. Dagegen steht ein enormer Verlust im Bankgeschäft im ersten Halbjahr nach Abschreibungen, Steuern und Anteilen Dritter in Höhe von 1,05 Milliarden Euro. Auf Grund des niedrigen Kursniveaus von derzeit deutlich unter 130 Euro sei die Aktie jedoch günstig bewertet.

Degussa: Abschied aus dem Dax / "Untergewichten" (Lehman Brothers)

Die Analysten von Lehman Brothers stufen die Aktie des Dax-Absteigers Degussa (542 190)  mit "Untergewichten" ein. Die Gewinn-Schätzungen für den Spezialchemie-Konzern für die Jahre 2002 und 2004 wurden nach Vorlage der Quartalszahlen zwar leicht erhöht, die Prognose für 2003 jedoch leicht gesenkt. Degussa hat am Vortag einen vorsichtigen Ausblick auf den Rest des Jahres gegeben.

Die Analysten gehen "mit 70 Prozent Wahrscheinlichkeit" davon aus, dass Degussa bis Jahresende von der Ruhrgas AG übernommen wird. Das Angebot an die Aktionäre lautet auf 38 Euro je Aktie und ist abhängig von der derzeit umstrittenen Ruhrgas-Übernahme durch den Energieversorger Eon. Die Prognosen für den Überschuss des Spezialchemie-Konzerns erhöhten die Analysten für die Jahre 2002 (205 statt bisher 198 Millionen Euro) und 2004 (619 statt 614 Mio Euro). Für das Jahr 2003 senkten sie ihre Erwartung von 510 auf 499 Millionen Euro.

Thiel Logistik: Schlucken und geschluckt werden / "Underperformer" (HypoVereinsbank)

Die Analysten der HypoVereinsbank stufen die Aktie des Nemax-50-Titels Thiel Logistik (931 705)  als "Underperformer" ein. Der Großaktionär Delton AG will die Mehrheit an Thiel übernehmen. Der Einstieg des Großaktionärs sichere finanzielle Stabilität, die operativen Risiken würden jedoch bestehen bleiben, so die Analysten der HVB. Die Delton AG habe bereits 45 Prozent der Aktien der Thiel Logistik erworben und will diesen Anteil auf mehr als 50 Prozent ausbauen. Ein Übernahmeangebot für die gesamte Gruppe sei nicht geplant. Thiel soll am Neuen Markt mit einem Free Float von knapp 50 Prozent gelistet bleiben.

Thiel Logistik will seinerseits die ebenfalls am Neuen Markt gelistete Microlog übernehmen. Nachdem bereits Übernahme und Integration von Birkart mehr Kosten als geplant verursacht habe, komme mit Microlog (Marktkapitalisierung rund 60 Millionen Euro) eine weitere schwierige Integrationsaufgabe hinzu. Ein Übernahmeangebot an die freien Microlog-Aktionäre sei keine Pflicht, aber zu erwarten.

Zum Jahresende werde ein neuer Wirtschaftprüfer für Thiel bestellt. Die Ergebnisse der neuen Beurteilung würden Abschreibungsrisiken bergen. Noch immer herrsche Unklarheit über die Verwendung der Mittel aus der Kapitalerhöhung im März, so die Analysten. Im Conference Call zu den neuen Entwicklungen seien weitere Kapitalmaßnahmen nicht ausgeschlossen worden.