Geldanlage und Psychologie "Wer Ruhe bewahrt, wird eher reich"

Warum eigentlich weiter monatlich in Aktien investieren, wenn im Wochentakt neue Risiken auftauchen? Viele Aktiensparer, die per Sparplan Vermögen aufbauen, denken derzeit über eine Pause nach. Fünf Gründe, warum es sich gerade jetzt lohnt, stur zu bleiben.
Statue "Fearless Girl" vor der New Yorker Börse: Sich nicht von Angst und Gier leiten zu lassen, gehört zu den wichtigsten Faktoren des Anlageerfolgs. Sparplan-Anleger haben gute Gründe, auch in unruhigen Börsenzeiten ihre Strategie durchzuhalten

Statue "Fearless Girl" vor der New Yorker Börse: Sich nicht von Angst und Gier leiten zu lassen, gehört zu den wichtigsten Faktoren des Anlageerfolgs. Sparplan-Anleger haben gute Gründe, auch in unruhigen Börsenzeiten ihre Strategie durchzuhalten

Foto: Johannes Eisele / AFP

Je stärker der Stress, desto größer der Wunsch nach einer Auszeit. Der Dax hat im ersten Halbjahr rund 20 Prozent an Wert verloren, der US-Tech-Index Nasdaq 100 rund 30 Prozent. Inflation, drohende Rezession, steigende Zinsen, Brandherde in der Ukraine und jetzt auch noch in Taiwan: Neue Risiken für den Aktienmarkt tauchen beinahe im Wochentakt auf.

Für das Gros der Aktiensparer, die monatlich eine feste Summe in einen Fonds- oder ETF-Sparplan investieren, stellt sich die Frage: Warum investiere ich eigentlich immer weiter in Aktien, die derzeit immer weiter an Wert verlieren? Warum gönne ich mir nicht eine Pause, bringe das Geld in Sicherheit und warte ab, bis das Gröbste überstanden ist? Statt dem Depotwert beim Schmelzen zuzusehen, könnte ich dann wieder ruhiger schlafen.

Den Depotwert schmelzen sehen – und weiter einzahlen

Zumal auch der Ausblick bis 2023 nicht erfreulich ist. Ein weiterer Anstieg der Inflation sei wahrscheinlich, und die Konjunkturaussichten für die Euro-Zone trüben sich wegen massiv gestiegener Energiepreise weiter ein, schreibt die Investmentgesellschaft Bantleon. In China drohe außerdem eine Krise am Immobilienmarkt – ganz zu schweigen von den Spannungen zwischen China und den USA wegen Taiwan. Man könnte seinen Sparplan einfach per Mausklick unterbrechen und erst dann wieder aufnehmen, wenn sich die Weltenlage rund um China, USA und Russland etwas entspannt hat.

Der eigenen Strategie treu bleiben

"Einen langjährigen Aktiensparplan jetzt zu unterbrechen ist keine gute Idee", sagt Martin Weber, Ökonom an der Universität Mannheim und Spezialist für verhaltensorientierte Finanztheorie. Der Sparer habe sich für eine Strategie mit einem festen Ziel entschieden – und dieser Strategie dürfe man in rauen Zeiten nicht untreu werden.

"Auch wenn es schwerfällt: Diese Phasen gehören dazu. Sie auszuhalten ist ein wichtiger Faktor für den Anlageerfolg", sagt Weber. Der Behavioral-Finance-Experte nennt fünf Gründe, warum Anleger gerade jetzt stur bleiben sollten.

Cost Average: Aktien auch dann kaufen, wenn sie billiger sind

An der Börse verhält es sich anders als im Supermarkt. Je teurer Aktien werden, desto mehr Menschen wollen sie kaufen. Und werden sie wie aktuell mal günstiger, schrecken die niedrigeren Preise Privatanleger eher ab.

Ein Anleger, der Aktien über einen langjährigen Sparplan kauft, wählt dagegen eine andere Strategie: Er oder sie muss sich nicht jeden Tag mit den Tagesschwankungen an der Börse beschäftigen. Der Sparplan basiert auf der Überzeugung, dass langfristig – also über einen Zeitraum von 10, 15 oder 20 Jahren – Aktien eine bessere Rendite erzielen als andere Geldanlagen.

"Ziehen Sie den Chart eines Index einfach auf den Zehnjahreszeitraum. Dann ist die aktuelle Kursdelle nicht mehr so dramatisch."

Martin Weber

Wer an das langfristige Wachstum der Weltwirtschaft glaubt, kann auch mal entspannt ein Kurs-Tal durchschreiten: Der Sparer bekommt während dieser Phase sogar mehr Aktien für seine festgelegte monatliche Einzahlung. Am Ende des Sparplanzeitraums erzielt er einen Durchschnittseinkaufspreis für seine Aktien, der garantiert niedriger ist als der Preis, den er während der Börsenhochphasen gezahlt hat.

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