Krypto-Handelsplattform Africrypt-Gründer verschwinden mit Bitcoin in Milliardenwert

Bereits im April hatten die Gründer der südafrikanischen Krypto-Handelsplattform Africrypt behauptet, Opfer eines Hackerangriffs geworden zu sein. Nun sind die beiden Brüder selbst verschwunden – und mit ihnen rund 70.000 Bitcoin, um die Anleger jetzt zittern müssen.
Bitcoin: Die Kryptowährung lockt viele leichtgläubige Anleger an - und Kriminelle

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Foto: PHILIPPE LOPEZ/ AFP

10 Prozent Rendite pro Tag: Mit diesem märchenhaften Zinsversprechen lockte die in Kapstadt ansässige Krypto-Handelsplattform Africrypt Kunden. Ähnlich wie bei der auch in Europa aktiven Handelsplattform Binance beruhte das Versprechen der wundersamen Geldvermehrung vor allem darauf, dass Anleger ihr Geld in immer neue Kryptowährungen eintauschen und hohe Zinsen in Form der neuen Token kassieren sollten (siehe auch Staking: Die Krypto-Pyramide ). Doch noch bevor die meisten Africrypt-Anleger auf die Idee kamen, ihr Geld in reale Währung zurückzutauschen und in Sicherheit zu bringen, wurde ihnen der Zugriff verwehrt: Inmitten des Krypto-Hypes im April meldeten die Africrypt-Betreiber, Opfer eines Hackerangriffs geworden zu sein, so dass die Handelsbörse "vorübergehend" schließen müsse.

Die Aufforderung der Africrypt-Betreiber, doch bitte keine rechtlichen Schritte einzuleiten, da dies die rasche Wiedereröffnung der Handelsplattform gefährden könne, machte einige Investoren misstrauisch. Sie beauftragten die Kanzlei Hanekom in Kapstadt, um die Hintergründe des Hacks zu untersuchen. Deren Untersuchungsergebnisse sind für Anleger niederschmetternd, wie die Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg jetzt berichtet : Den Anwälten von Hanekom zufolge hatten die meisten Africrypt-Mitarbeiter schon sieben Tage vor dem Hack keinen Zugang mehr zu den Backend-Daten der Plattform. Und von den beiden Africrypt-Gründern, dem 20jährigen Raees C. und seinem 17jährigen Bruder Ameer, fehlt jede Spur.

Ebenso verschwunden: Knapp 70.000 Bitcoin im Wert von aktuell rund 2 Milliarden Dollar. Sollten sie nicht wieder auftauchen, wäre es der größte Verlust, den Krypto-Investoren bislang in Dollar aufgrund krimineller Machenschaften (Krypto-Scam) erleiden mussten.

Und die Ergebnisse der Untersuchung sind alles andere als ermutigend. Die beiden Gründer werden inzwischen außerhalb Südafrikas vermutet. Die Nachforschungen der Anwälte von Hanekom sowie der internationalen Antikorruptionseinheit Hawks ergaben außerdem, dass Bitcoin aus den Wallets der Afrikrypt-Investoren entwendet und mehrfach über so genannte "Mixer" transferiert wurden: Unter Kriminellen ist dies eine beliebte Methode, um die Herkunft von Bitcoin zu verschleiern und ähnlich wie bei realer Geldwäsche so oft hin- und herzuschieben, bis der Eigentümer nicht mehr eindeutig zurückverfolgt werden kann.

Finanzaufsicht Südafrikas sieht sich machtlos gegenüber Krpto-Klau

Südafrika ist für Krypto-Anleger ein gefährliches Pflaster: Bereits im Vorjahr war die südafrikanische Handelsplattform Mirror Trading kollabiert. 23.000 Bitcoin verschwanden spurlos. Nun nimmt sich Bloomberg zufolge die südafrikanische Finanzaufsicht des Falles an. Doch es bleibt fraglich, wie weit die staatlichen Ermittler kommen, denn Kryptowährungen zählen auch in Südafrika nicht zu den regulierten und damit beaufsichtigten Finanzprodukten . Und dass die beiden jungen Afrikrypt-Gründer sich mitsamt den verschwundenen Bitcoin plötzlich wieder zurückmelden, sehen selbst die Ermittler um Rechtsanwalt Darren Hanekom als unwahrscheinlich an.

Zuletzt notierte der Bitcoin auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 30.200 US-Dollar. Der Erholungsversuch der vergangenen Tage ist damit verpufft. Seit dem Rekordhoch Mitte April hat sich der Kurs von Bitcoin binnen 8 Wochen mehr als halbiert - vor allem wegen der verschärften Regulierung in China. Auch die meisten anderen Kryptowährungen wie Ether büßten deutlich an Wert ein. Auch innerhalb der Kryptoszene wächst die Skepsis  angesichts der weiterhin hohen Bewertungen.

la/mmo
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