"Der Tag mit mm premium" Der Tag mit dem deutschen Enron

Der gefallene Star: Markus Braun stand 18 Jahre an der Spitze von Wirecard

Der gefallene Star: Markus Braun stand 18 Jahre an der Spitze von Wirecard

Foto: Thomas Dashuber

Markus Braun dürfte eine unruhige Nacht durchlebt haben: Am Montagabend hat sich der ehemalige Chef von Wirecard der Münchener Polizei gestellt, die Eilmeldung der Inhaftierung lief heute morgen über den Ticker. Die zweite Braun-Eilmeldung folgte am Nachmittag: Der Haftbefehl wurde außer Kraft gesetzt, die Auflagen haben es in sich. Braun zahlt fünf Millionen Euro Kaution und muss sich einmal pro Woche bei der Polizei melden.

Brauns Weg vom gefeierten Börsenstar in die Münchener Zelle steht sinnbildlich für den Absturz seines Unternehmens. 18 Jahre lang stand er an der Spitze von Wirecard, machte aus dem kleinen Mittelständler einen Dax-Konzern und sich selbst zum Milliardär. Nun muss er mit milliardenschweren Klagen rechnen.

Nicht nur Braun selbst steht damit bis auf die Knochen blamiert da. Auch Wirtschaftsprüfer und Behörden haben bei der Entfaltung des Desasters grundsätzliche Defizite offenbart. Wirecard stellt so das Fundament des deutschen Kapitalmarkts infrage. Unsere Finanzexpertin Katharina Slodczyk analysiert: Wirecard - ein deutsches Enron.

Die Wirtschaftsthemen des Tages:

Die Tech-News des Tages:

  • Apple kehrt Intel den Rücken und verbaut in seinen Computern künftig Prozessoren aus eigener Herstellung. Damit laufen Macs und Macbooks bald auf der selben technischen Plattform wie iPhones und iPads. Die ersten Macs mit der neuen Chip-Architektur sollen Ende des Jahres auf den Markt kommen.

  • Die chinesische Video-App Tiktok war schon vor der Corona-Krise weltweit ein Riesenerfolg, zuletzt sind die Nutzerzahlen noch einmal regelrecht explodiert. Branchenprimus Facebook will sich auf die klassische Facebook-Weise zur Wehr setzen - mit einem Klon. Diese "Reels" genannte Anwendung soll in den kommenden Tagen in Deutschland verfügbar sein. Das Geheimnis des Tiktok-Booms erklärt meine Kollegin Christina Kyriasoglou übrigens hier .

Meine Empfehlungen für den Abend:

Patron, Unternehmer, Selfmademilliardär: Heinz Hermann Thiele

Patron, Unternehmer, Selfmademilliardär: Heinz Hermann Thiele

Foto: Dieter Mayr für manager magazin
  • Selbst Wohlgesinnte beschreiben ihn als "extrem misstrauisch": Der Selfmademilliardär Heinz Hermann Thiele stammt aus armen Verhältnissen, gehört aber längst zu den reichsten Deutschen. In der Corona-Krise hat er in großem Stil Aktien der Lufthansa gekauft - und könnte jetzt die geplante Beteiligung des Bundes blockieren. Deshalb schauen auf der Hauptversammlung am Donnerstag alle auf ihn. Wie er tickt, was ihn antreibt - wir porträtieren den Unerbittlichen.

  • Elektroautos gelten deutschen Politikern als Allheilmittel gegen steigende CO2-Emissionen. Eine neue Studie weckt Zweifel, ob die Rechnung im Verbund mit der Energiewende aufgeht: Wie Elektroautos Deutschlands CO2-Ziele torpedieren .

Und noch ein Tipp für Donnerstagabend:

  • Haben Sie sich schon mal gefragt, wie es sich anfühlt, systemrelevant zu sein? Dussmann-Chef Wolf-Dieter Adlhoch weiß es, sein Unternehmen ist Spezialist für Reinigung, Hygiene und Desinfektion. Am 25. Juni gewährt er bei den Kolleginnen der manager lounge einen Blick hinter die Kulissen seines Geschäfts, berichtet von Pandemie-Einsätzen und den grundsätzlichen Herausforderungen dieser Zeiten. Sie sind herzlich eingeladen! 

Herzlich, Ihr Lukas Schürmann

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