"Der Tag mit mm premium" Der Tag der verschwundenen Wirecard-Milliarden

Zurückgetreten, aber nicht aus der Schusslinie: Wirecards Ex-Chef Markus Braun

Zurückgetreten, aber nicht aus der Schusslinie: Wirecards Ex-Chef Markus Braun

Foto: Lino Mirgeler / dpa

die neue Woche beginnt so, wie die alte endete: mit Schocknachrichten und einem weiteren Börsenabsturz von Wirecard. 1,9 Milliarden Euro fehlen in der Bilanz des hochgradig angeschlagenen Dax-Konzerns - in der Nacht zum heutigen Montag mussten die Aschheimer nun verkünden, was Beobachter schon seit einiger Zeit vermuteten: Das Geld existiert mit "überwiegender Wahrscheinlichkeit" gar nicht.

Für viele Beteiligte ist das ein Debakel: für die Buchprüfer von EY natürlich; für Ex-Chef Markus Braun, der in den vergangenen Monaten etwa 1,5 Milliarden Euro Vermögen verloren hat ; für seinen Nachfolger James Freis, der vor einer Herkulesaufgabe steht; auch für die Finanzaufsicht Bafin, die viel zu spät eingriff (was ihr Chef Felix Hufeld heute immerhin selbstkritisch zugab).

Wie geht es nun weiter für den Dax-Konzern? Das hängt maßgeblich an den Gläubigern: Weil bis zum 19. Juni keine testierte Bilanz vorlag, sind die Kreditverträge des Unternehmens gebrochen, verschiedene Banken könnten jetzt den Stecker ziehen. Und auch rechtlich dürfte dem Unternehmen neuer Ärger ins Haus stehen: Maximilian Weiss, bei der Kanzlei Tilp Spezialist für Kapitalanlegerrecht, sieht Ansprüche auf Schadensersatz - und erklärt im Interview, wie Wirecard-Anleger möglicherweise ihr Geld zurückbekommen können .

Was heute sonst noch wichtig war:

Stolz auf ihr 150-Millionen-Projekt: Star-Virologe Christian Drosten, Charité-Chef Heyo Kroemer und Forschungsministerin Anja Karliczek (von links)

Stolz auf ihr 150-Millionen-Projekt: Star-Virologe Christian Drosten, Charité-Chef Heyo Kroemer und Forschungsministerin Anja Karliczek (von links)

Foto: Michael Kappeler/dpa-pool/dpa
  • Die Berliner Charité und ihr Starvirologe Christian Drosten nehmen eine Schlüsselrolle in Deutschlands Kampf gegen das Coronavirus ein. Ihre Regierungsnähe hat der Klinik eine neue Machtposition in der Pandemieforschung eingebracht - unter Medizinern regt sich Widerstand. Konkret geht es um ein 150-Millionen-Euro-Projekt aus Bundesmitteln.

  • Galeria Karstadt Kaufhof bekommt bald einen neuen Chef: Finanzvorstand Miguel Müllenbach soll Stephan Fanderl als Vorsitzenden der Geschäftsführung ablösen, hat meine Kollegin Margret Hucko erfahren.

  • Hat Müllenbach damit - neben Wirecard-Chef Freis - Deutschlands härtesten Job? Oder ist es doch Fleischfabrikant (und Schalke-04-Boss) Clemens Tönnies? Nachdem sein Schlachtbetrieb zu einem Zentrum der Corona-Pandemie geworden ist, fordert Arbeitsminister Hubertus Heil: Tönnies soll für entstandene Schäden haften.

  • Der russische Finanzinvestor SCP, neuerdings Eigner von Real, hat einen Käufer für das Digitalgeschäft der Handelskette gefunden: Es ist die Schwarz-Gruppe, Mutter von Lidl und Kaufland, die real.de nun unter letzterem Namen weiterführen will.

  • Erstmals seit 2002 hat die Deutsche Fußball-Liga weniger Geld für die TV-Rechte an der Bundesliga eingestrichen. Insgesamt 4,4 Milliarden Euro fließen nach der heutigen Versteigerung der Übertragungsrechte an die 36 Profi-Clubs. Neu live am Ball: der Privatsender Sat.1.

  • Der Fondsanbieter Brockhaus Capital Management (BCM) strebt an die Börse. Gründer und Chef Marco Brockhaus baut das Unternehmen zu einer Technologieholding um - einige prominente Investoren sind bereits an Bord .

Meine Empfehlung für den Abend:

Gefährliche China-Connection: Eric Yuan, Gründer und Chef von Zoom

Gefährliche China-Connection: Eric Yuan, Gründer und Chef von Zoom

Foto: Victor J. Blue/Bloomberg via Getty Images
  • Der Videochat-Anbieter Zoom ist das Tech-Unternehmen der Stunde. Nutzerzahlen und Börsenwert sind explodiert, Zoom ist mittlerweile so viel wert wie Ikonen der deutschen Old Economy. Gefährlich werden könnte dem Senkrechtstarter allerdings seine Nähe zu China . Die Kollegen vom "Economist" analysieren Geschäftsmodell und Risiken - sehr lesenswert!

Und wo wir weiterhin um Ihre Mithilfe bitten:

  • Jeden Abend schreiben wir Ihnen diesen kleinen Newsletter, tagsüber versorgen wir Sie über unsere Webseite und in den sozialen Medien mit Nachrichten. Wir würden gern wissen, was wir dabei besser machen können, was Ihnen fehlt und welche Erwartungen Sie an uns als manager magazin haben. Sagen Sie uns bitte, was Sie denken - in dieser Umfrage. 

Herzlich, Ihr Lukas Schürmann

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