"Der Tag mit mm premium" Der Tag mit Chinas Machtfestspielen

"Herausforderungen wie nie zuvor": Chinas Premier Li bei der Eröffnung des Volkskongresses - übrigens ohne Mundschutz.

"Herausforderungen wie nie zuvor": Chinas Premier Li bei der Eröffnung des Volkskongresses - übrigens ohne Mundschutz.

Foto: Leo Ramirez / AFP

mit zwei Monaten Corona-bedingter Verspätung hat Chinas größtes politisches Ereignis begonnen. Die diesjährige Tagung des Nationalen Volkskongresses startete mit einem Paukenschlag: In seiner Eröffnungsrede kündigte Regierungschef Li Keqiang an, Chinas Einfluss in der autonom regierten Sonderverwaltungsregion Hongkong stärken zu wollen. Ein bislang wegen Widerstands in der Hongkonger Bevölkerung nie angewendeter Verfassungsartikel gegen "Verrat, Spaltung, Aufwiegelung (und) Subversion" soll nun umgesetzt werden.

Viele Kritiker befürchten das "Ende Hongkongs". Zu ihnen zählt auch US-Präsident Donald Trump, der China davor warnte, neue Sicherheitsgesetze für Hongkong einzuführen. Die Rivalität zwischen China und den USA dürfte weiter wachsen.

Auch für die Wirtschaft hatte Li nur bedingt gute Nachrichten im Gepäck. Auf ein Wachstumsziel für die Wirtschaft, wie es seit 2002 in jedem Jahr verkündet wurde, will sich die Führung dieses Mal lieber überhaupt nicht festlegen. Zu unsicher sind die Zeiten.

Was heute wichtig war - die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Im deutschen Immobilienmarkt bahnt sich eine Großfusion an. Michael Zimmer, Aufsichtsratschef der Düsseldorfer LEG Immobilien, plant den Kauf des Hamburger Konkurrenten TAG Immobilien. Nach Informationen aus der Branche präferiert Zimmer derzeit ein Angebot in eigenen Aktien an die TAG-Aktionäre. Mit dem Zusammenschluss würde Zimmer formal seinen Rückstand zu den Branchengrößen Vonovia und Deutsche Wohnen verkürzen und einen Dax-Kandidaten schmieden.
  • Betreiber von Steinkohlekraftwerken haben Pläne der Bundesregierung zum Kohleausstieg kritisiert und fordern mehr Hilfen für eine klimafreundlichere Umrüstung. In einem Brief an Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier fordert die "Allianz Junger Steinkohlekraftwerke" separate Regelungen für Kraftwerke, die erst 2013 oder später in Betrieb genommen wurden. Die neue Kohle-Lobby.
  • Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hält die deutsche Stahlindustrie für "systemrelevant". Er erklärte heute, das Land führe keine Gespräche über eine Beteiligung an Thyssenkrupp (wie es etwa die IG Metall fordert), wohl aber spreche man mit allen Beteiligten über die Zukunft des Konzerns.
  • "Ja, Renault könnte verschwinden" - Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire sieht den Autohersteller in einer schweren Krise. Der Konzern hat ein staatliches Darlehen von fünf Milliarden Euro beantragt, die Regierung stellt im Gegenzug deutliche Forderungen. Unter anderem soll die Firmenleitung garantieren, "dass Frankreich künftig das weltgrößte Zentrum der Produktion von Elektroautos für Renault wird."

Was uns sonst noch wichtig war:

  • Es sind ganz neue Fragen, mit denen sich Marcus Schenck kurz vor Abschluss eines Deals in Zeiten der Corona-Pandemie beschäftigen muss: Wie sieht die Welt in zwei Wochen aus? Wie in vier? Wie werden sich die Finanzierungsmärkte bis dahin verändern? Mitten in der Corona-Krise bringt der Perella-Investmentbanker den Verkauf des Energieversorgers MVV über die Ziellinie. Ein Blick ins M&A-Geschäft aus dem Homeoffice. 

Die neue Podcast-Folge:

Meine Empfehlungen für das Wochenende:

Totgesagte leben länger: MCM, der einstige Liebling der Münchener Schickeria, ist quasi wiedergeboren.

Totgesagte leben länger: MCM, der einstige Liebling der Münchener Schickeria, ist quasi wiedergeboren.

  • Das Ende des Luxuslabels MCM schien bereits besiegelt. Inhaber Michael Cromer hinterzog Steuern, flüchtete in die Schweiz und das um Lorbeerzweige drapierte Akronym verkam zur Lachnummer. Heute residiert der Taschenhersteller in Münchens Maximilianstraße zwischen Cartier und Dior. Die Wiederauferstehung hat die Marke einer eigensinnigen Südkoreanerin zu verdanken. Mein Kollege Martin Mehringer erzählt die Geschichte eines eigentlich unmöglichen Comebacks: Out of München. 
  • In guter Freitagsmanier darf ich Ihnen an dieser Stelle noch zwei Lesestücke aus dem "Economist" für Sie präsentieren. Erstens: Um die Erderwärmung zu begrenzen, muss der Großteil der Energiegewinnung sehr bald auf erneuerbare Quellen, Kernkraftwerke oder emissionsfreie Anlagen für fossile Brennstoffe umgestellt werden. Diese Analyse zeigt, was die Regierungen jetzt noch gegen den Klimawandel tun können (oder besser: tun müssen). 
  • Zweitens: In den vergangenen 30 Jahren ging die Zahl der extrem armen Menschen stetig zurück - die Corona-Pandemie hat allen Fortschritt diesbezüglich auf einen Schlag zunichte gemacht. David Beasely, Chef des World Food Programme der UN prognostiziert bereits "Hungersnöte von biblischem Ausmaß". In der Vergangenheit haben Krisen manchmal die Solidarität der reichen Welt mit den Armen gefördert - doch die scheint derweil noch mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Wie Covid-19 die globale Armut zurückbringt. 

Herzlich, Ihre Corinna Scheying

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