"Der Tag mit mm premium" Der Tag mit einer spektakulären Wende im Dieselskandal

Davongekommen: Hans Dieter Pötsch (links) und Herbert Diess

Davongekommen: Hans Dieter Pötsch (links) und Herbert Diess

Foto: Kay Nietfeld/dpa

eines der spektakulärsten juristischen Kapitel im Dieselskandal ist beendet: Herbert Diess (61) und Hans Dieter Pötsch (69), die beiden obersten Manager von Volkswagen, entgehen einer möglichen Bestrafung. Gegen eine Zahlung von jeweils 4,5 Millionen Euro müssen sie sich nicht vor Gericht verantworten, hat mein Kollege Michael Freitag recherchiert, das Verfahren gegen den Vorstands- und den Aufsichtsratschef wegen Marktmanipulation wird eingestellt.

Die Anklage galt als einmalig in der deutschen Wirtschaftsgeschichte, weil sie sich gegen die beiden höchsten amtierenden Manager des Konzerns richtete. Im parallel laufenden Betrugsverfahren, in dem es um die eigentliche Manipulation an Motoren geht, sind derweil nur Männer aus den hinteren Reihen und ehemalige Topmanager wie Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn (72) angeklagt. Letzterer muss sich weiterhin auch wegen Marktmanipulation verantworten.

Winterkorn und weiteren droht also nach wie vor Ungemach. Und auch Volkswagen selbst musste zuletzt mehrere juristische Rückschläge einstecken - abgeschlossen ist der Dieselskandal keineswegs.

Was heute wichtig war - die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Auch außerhalb Wolfsburgs sind es unruhige Zeiten für die Autobranche: Laut Branchenverband Acea ist der Absatz in Europa im April um 76 Prozent eingebrochen. In Spanien und Italien wurden so gut wie gar keine Autos mehr verkauft. Viele Zulieferer befürchten entsprechend einen Job-Kahlschlag - die Rufe nach staatlichen Kaufanreizen werden wieder lauter. Immerhin: Bei Opel wird seit gestern wieder produziert.
  • Autobranche: leidet. Schifffahrtsbranche: leidet. Stabilität ist dieser Tage ein rares Gut. Ausnahme: der deutsche Wohnimmobilienmarkt. Hier hat die Corona-Krise bislang weder bei Preisen noch bei Mieten größere Auswirkungen.
  • Schon gestern tagte der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp. Aber weil die Entscheidungen so weitreichend sind und letztlich die Zerschlagung der Industrie-Ikone bedeuten, empfehlen wir unsere detaillierte Einordnung. Der Sanierungsplan von Konzernchefin Martina Merz ist nämlich derart radikal, dass von Thyssenkrupp über kurz oder lang nur der Name bleiben wird. Die Perspektiven? Wenig verheißungsvoll.
  • Siemens-Chef Joe Kaeser wähnt Deutschland als möglichen Verlierer der Krise: China habe einen Vorsprung bei der Bekämpfung des Virus, die USA profitierten von der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt: "Wir sehen schon jetzt, dass China im Infrastrukturbereich, wie zum Beispiel bei Kraftwerken und anderen Großprojekten, die internationalen Leerräume besetzt, die wir ihnen derzeit an einigen Stellen bieten."
  • Ein 500-Milliarden-Fonds soll besonders hart von der Pandemie getroffenen europäischen Staaten beim Wiederaufbau helfen. Unser Meinungsmacher Daniel Stelter sieht das kritisch: Es gebe "intelligentere Wege, europäische Solidarität zu zeigen und gleichzeitig unseren Wohlstand zu erhalten."
  • Mit der Sonderprüfung durch KPMG wollte sich Wirecard eigentlich von den vielen Vorwürfen rund um Bilanz und Governance reinwaschen. Das gelang nicht, im Gegenteil: Der Aktienkurs stürzte weiter ab - und nun wittert auch noch ein gefürchteter Investor Unstimmigkeiten. Hedgefonds-Milliardär Chris Hohn hat das Wirecard-Management verklagt.

Die Personalmeldungen des Tages

Fun Fact zu Hasso Plattner: Seine Stiftung zahlte 2019 111 Millionen Dollar für ein Gemälde von Claude Monet

Fun Fact zu Hasso Plattner: Seine Stiftung zahlte 2019 111 Millionen Dollar für ein Gemälde von Claude Monet

Foto: Soeren Stache/dpa

  • Eigentlich wollte SAP-Mitgründer Hasso Plattner 2022 als Aufsichtsratschef von Europas größtem Softwarehersteller zurücktreten. Im Gespräch mit den Kollegen vom "Handelsblatt" kam nun die Kehrtwende: Er sei jetzt 76, sagte Plattner, "da kommt's auf ein paar Jährchen mehr auch nicht mehr an." Der Milliardär rechnete zudem mit seinem Ex-CEO Bill McDermott ab.
  • Bei Disney war Kevin Mayer lange als Kronprinz gehandelt worden. Als sein Boss Bob Iger im Februar abtrat, übernahm allerdings nicht Streamingchef Mayer, sondern Bob Chapek, der zuvor Disneys Vergnügungsparks geleitet hatte. Chef wird Mayer nun trotzdem - allerdings bei TikTok, der bei Jugendlichen populären Video-App des Pekinger Erfolgsunternehmens Bytedance .

Ein Lesetipp für den Abend - und ein Event-Tipp für die kommende Woche:

Diesen Flecken Erde kann der Newsletter-Schreiber aus eigener Erfahrung empfehlen: Weststrand auf dem Darß

Diesen Flecken Erde kann der Newsletter-Schreiber aus eigener Erfahrung empfehlen: Weststrand auf dem Darß

Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

  • Zwar mehren sich die Anzeichen, dass im Sommer zumindest einige europäische Länder wieder bereist werden können. Trotzdem richtet die Corona-Krise den Fokus weiterhin auf Deutschland als Urlaubsland. Hier kommen zehn der schönsten Strände an Nord- und Ostsee! Frei nach Andi Möller: Sylt oder Sardinien - Hauptsache Nordsee.
  • Freunde und Kollegen sehen wir seltener, den Partner dafür wesentlich häufiger: Die Krise wirkt sich stark auf unsere zwischenmenschliche Beziehungen aus. Während das viele Branchen hart trifft, verzeichnen andere Unternehmen steigende Umsätze - zum Beispiel Amorelie. Die Kolleginnen von der manager lounge holen Lina Marie Gralka, Markenbotschafterin des Erotik-Versandhändlers, am 26. Mai auf die digitale Bühne und befragen sie unter anderem zum Boom in besonderen Zeiten. Wenn Sie dabei sein wollen: Melden Sie sich jetzt direkt kostenfrei an! 

Machen Sie etwas aus Ihrem Abend!

Herzlich, Ihr Lukas Schürmann

Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de. 

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