"Der Tag mit mm premium" Der Tag mit der Vollbremsung eines Boomkonzerns

Seit September im Dax, seit Corona im Homeoffice: MTU-Chef Reiner Winkler

Seit September im Dax, seit Corona im Homeoffice: MTU-Chef Reiner Winkler

Foto: privat

kein Dax-Konzern hat im vergangenen Jahr so gut performt wie der Flugzeugteilehersteller MTU Aero Engines. Entsprechend blendend war noch am 20. Februar die Stimmung in München, als MTU-Chef Reiner Winkler das Jahr vor der Presse Revue passieren ließ: Journalisten wie Investoren feierten das Unternehmen, Winkler selbst sah den Rekordkurs allenfalls durch Diskussionen um Klimawandel und Flugscham beeinträchtigt.

Nur zwei Monate später wirkt die Euphorie fast so historisch wie die Flüge von Otto Lilienthal und den Gebrüdern Wright. Winkler, der eher eine zupackende mittelständische Aura verströmt als Dax-Flair, hat den gesamten Konzern zur Vollbremsung gezwungen. Die Fabriken: erst einmal dicht. Die Dividende: ausgesetzt. Die Belegschaft: mehrheitlich in Kurzarbeit.

In diesen wohl wildesten Monaten seiner Karriere hat Reiner Winkler immer wieder mit meiner Kollegin Angela Maier telefoniert. Erzählt, wie er den Absturz erlebt hat, was ihn "wachgerüttelt" hat, die Dividende auszusetzen, und warum er für viele in seiner Branche schwarz sieht. Die Geschichte einer radikalen Wende: Die Vollbremsung des Boomkonzerns MTU .

Was heute wichtig war - die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Für Volkswagen geht ein "historischer Gerichtsprozess" zu Ende: Der Autobauer hat sich mit rund 235.000 Kunden auf Entschädigungszahlungen im Dieselskandal geeinigt. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat seine Musterfeststellungsklage daraufhin zurückgezogen. Nun sollen ab kommender Woche etwa 750 Millionen Euro fließen. In Brüssel wittern Verbraucheranwälte derweil schon neue Chancen.
  • Quizfrage: Welchem Autoboss ist heute vor Analysten der Kragen geplatzt - weil die Anti-Corona-Maßnahmen weltweit "Faschismus" seien und den Leuten "ihre gottverdammte Freiheit" genommen werde? Richtig.
  • Auch nach der zum Boomerang gewordenen Bilanz-Sonderprüfung will Wirecard-Chefaufseher Thomas Eichelmann an seinem umstrittenen Vorstandschef Markus Braun festhalten. Eine Ablösung "sehe ich heute nicht", sagte der Chefkontrolleur im Handelsblatt-Interview. Nicht nur Kenner der Fußball-Bundesliga wissen: Oftmals liegt bei solchen Sätzen die Betonung auf dem "heute".
  • Apropos Bundesliga: Im deutschen Profifußball bahnt sich eine Revolution an. Gehälter von Spielern und Beratern könnten künftig gedeckelt werden. Höchste Zeit, findet der renommierte Sportjurist Martin Stopper. Die Ligen müssten Kartelle bilden - sonst gehe der Sport kaputt .
  • Shell kürzt erstmals in achtzig Jahren seine Dividende und die Piloten der Lufthansa wollen freiwillig auf Gehalt verzichten: Alle Corona-Meldungen des Tages haben wir wie üblich in einem Ticker für Sie zusammengefasst. Unternehmensseitig heute im Corona-Fokus: BASF (mau), Uber (mauer) und die Deutsche Börse (überraschend unmau).

Deutschland in der Krise - und der Weg heraus:

  • Im April ist die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland auf ein nie dagewesenes Niveau geklettert, auch die Zahl der Arbeitslosen legte drastisch zu. Für über zehn Millionen Menschen haben deutsche Unternehmen Kurzarbeit angemeldet - im gesamten Krisenjahr 2009 waren es 3,3 Millionen.
  • Sollten die Infiziertenzahlen wieder stärker steigen, droht erneut ein Lockdown. Viele deutsche Unternehmen würden den nicht allzu lange durchstehen, zeigt eine Ifo-Untersuchung: Schon drei Monate harter Anti-Virus-Maßnahmen mehr wären für fast 30 Prozent der Unternehmen existenzbedrohend. Und selbst wenn die Beschränkungen nun allmählich wieder aufgehoben werden: Handelsexperten sehen eine grundlegende Veränderung des Kaufverhaltens .
  • Wie bekommen wir die Wirtschaft also wieder in Gang? Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, fordert in einem Gastbeitrag klare Leitlinien statt kleinteiliger Hilfen - damit Verbraucher und Unternehmen wieder planen können.

Empfehlungen für den Abend und das lange Wochenende:

Der Finanzjongleur sucht in der Krise opportune Deals: Lars Windhorst

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Foto: Markus C. Hurek

  • Der Shutdown von weiten Teilen der Weltwirtschaft trifft das Firmenportfolio von Hertha-BSC-Investor Lars Windhorst an vielen Ecken. Ausgerechnet jetzt will er mithilfe internationaler Finanziers zu Discountpreisen zukaufen. Kann das gelingen? Eine Risikoanalyse meines Kollegen Thomas Werres: Die Geisterspiele des Lars Windhorst .
  • Für alle Fans hörbarer Inhalte: Heute haben wir die zweite Staffel unseres Podcasts "Arbeitspioniere" gestartet. Zu Gast ist Stefan Rief vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation. Sein Thema: Arbeiten wir künftig noch im Büro?
  • MTU-Chef Reiner Winkler ist nicht der einzige deutsche Topmanager, der uns exklusive Einblicke in seinen Krisenmodus gewährt hat. Für das Feiertagswochenende möchten wir Ihnen noch einmal unsere aktuelle Titelgeschichte ans Herz legen: Topmanager fürchten, das Schlimmste kommt noch - ein Inside-Report aus deutschen Chefetagen .

Wir wünschen ein schönes langes Wochenende.

Herzlich, Ihr Lukas Schürmann

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