"Der Tag mit mm premium" Der Tag mit der Anleitung zur Kündigung

"Nein, das ist keine Kündigung. Aber Sie haben richtig verstanden, wir wollen das Arbeitsverhältnis mit Ihnen beenden." Erbarmungslose Sätze wie diesen studieren Führungskräfte bei Daimler derzeit ein. Bis zu 10.000 Jobs will der Konzern streichen, weltweit soll jede zehnte Managementstelle wegfallen. Ab Juni sollen flächendeckend die Trennungsgespräche beginnen. Und in diesen Tagen lassen Konzernchef Ola Källenius und Personalvorstand Wilfried Porth die Führungskräfte dafür schulen, mit Seminaren und umfangreichen, ganz konkreten Formulierungshilfen.

Interne Papiere, die mein Kollege Michael Freitag durchgesehen hat, zeigen detailliert, wie die Gespräche ablaufen sollen. Wie Abteilungsleiter reagieren, was sie sagen und wie sie die Kollegen notfalls unter Druck setzen können, falls sie Einwände haben und die Lage eskaliert. Die Sprechzettel liefern einen seltenen Blick hinter die Kulissen der Wirtschaft: Die professionelle Anleitung eines Konzerns, wie er seine Mitarbeiter loswerden kann. 

Neues von Airlines und Flugzeugbauern:

Die Lufthansa will Hilfe, aber nicht so viel Mitsprache des Staates.

Die Lufthansa will Hilfe, aber nicht so viel Mitsprache des Staates.

Foto: Boris Roessler/dpa

  • Wie weit wird sich der Staat bei der Deutschen Lufthansa einmischen? Vor dem für Mittwoch geplanten Spitzengespräch über die Staatshilfen, sondiert die LH, wie sie weiter möglichst unabhängig agieren kann. Der Konzern hat dafür Insidern zufolge bereits das sogenannte Airbus-Modell auf dem Verhandlungstisch drapiert. Bei Airbus halten drei Staaten zwar rund ein Viertel der Anteile, nehmen aber keinen direkten Einfluss auf das Unternehmen und seine Geschäftspolitik. Für den Fall scheiternder Verhandlungen wird Lufthansa-intern bereits über ein Schutzschirmverfahren als letzte Notlösung gesprochen.
  • Gewiss nicht in jedem Aspekt eignet sich das "Modell Airbus" als Vorbild. "Airbus verbrennt Geld in einem nie dagewesenen Tempo" - der stete Optimismus von Chef Guillaume Faury schwindet offenbar. Mit Endzeitrhetorik wendete er sich an seine Mitarbeiter und warnte sie vor noch "viel weitreichenderen Maßnahmen" als der Kurzarbeit. In Branchenkreisen hieß es, Airbus könne im Sommer einen Sanierungsplan vorstellen, ähnlich dem in der Finanzkrise 2008/09, als 10.000 Mitarbeiter gehen mussten. Gnadenlos enttarnt die gegenwärtige Krise die Schwächen im Geschäftsmodell des Flugzeugbauers. Mein Kollege Michael Machatschke hat den Sinkflug analysiert: Airbus - vom Sturm verweht. 
  • Der angeschlagene Ferienflieger Condor bekommt neue Staatshilfen. Die EU-Kommission hat wegen der Coronavirus-Pandemie die Genehmigung für ein Kreditprogramm der Bundesregierung und des Landes Hessen in Höhe von insgesamt 550 Millionen Euro genehmigt.
  • Schlecht geht es der ohnehin angeschlagenen Billig-Airline Norwegian Air: Die warnte jetzt vor ihrem Aus, sollte der Rettungsplan von Gläubigern und Aktionären nicht abgesegnet werden.
  • Boeings Milliardendeal ist geplatzt, und das bedeutet: Streit. Am Wochenende hat der US-Konzern die Verhandlungen über die 4,2 Milliarden Dollar schwere Übernahme der Verkehrsflugzeug-Sparte der brasilianischen Embraer nach zwei Jahren ergebnislos abgebrochen. Nun will Embraer wegen unrechtmäßiger Beendigung der Kaufvereinbarung Schadenersatz.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Bayer blüht - aber das Monsanto-Problem wird bis zur morgigen Hauptversammlung nicht gelöst sein.

Bayer blüht - aber das Monsanto-Problem wird bis zur morgigen Hauptversammlung nicht gelöst sein.

Foto: [M] Sohl / Getty Images / iStockphoto

  • Der Chemiekonzern Bayer hat im ersten Quartal der Corona-Krise getrotzt und den Umsatz im Jahresvergleich deutlich gesteigert. Derweil lässt eine Einigung im US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter der Tochter Monsanto zwar auf sich warten, aber sie wird kommen. Nur die Pharmasparte droht den Anschluss zu verlieren. Vor der morgigen Hauptversammlung bleibt die Frage: Wie stark ist Bayer wirklich? Unsere Antwort können Sie in der großen Analyse "Der vergiftete Monsanto-Erfolg"  lesen.
  • Adidas leidet bekanntlich massiv unter der Corona-Krise, wie sich heute auch aus den Geschäftszahlen ablesen lässt: Im ersten Quartal musste das Unternehmen einen Gewinneinbruch von 97 Prozent hinnehmen. Für das zweiten Quartal rechnet das Management sogar mit Verlusten.
  • Ein überraschend gutes erstes Quartal hat die Deutsche Bank hingelegt. Analysten hatten einen deutlichen Verlust von 250 Millionen Euro erwartet - stattdessen kann der Konzern einen Gewinn von 66 Millionen Euro in seine Bücher schreiben. Der Corona-Crash hatte zwar auch den Aktienkurs der Deutschen Bank mit sich gerissen - die Krise birgt, etwa durch die steigende Kreditnachfrage, für die Bank jedoch auch Chancen.
  • Dank Corona brummen bei ProSiebenSat.1 die Einschaltquoten - das Kerngeschäft mit Werbeerlösen hingegen ist abgestürzt. Der neue CEO Rainer Beaujean macht also weiter, was er am besten kann: Sparen und Liquidität sichern. Deshalb soll nun auch die Digitalsparte NuCom schnellstmöglich abgestoßen werden. Doch da darf Partner General Atlantic mitreden - und der ist auf Schnäppchen aus. 
  • +++ Sozialminister Heil plant längere Lohnausfallzahlungen für Eltern +++ CSU-Chef Söder hält die langsame Öffnung der Gastronomie ab Ende Mai für denkbar +++ Mund-Nasen-Masken könnten in Nahverkehr, ICE und IC Pflicht werden +++ Alle aktuellen Entwicklungen der Corona-Krise lesen Sie im bewährten Ticker.

Unsere Leseempfehlungen für den Abend:

Chef der Taskforce "Corona": VW-Personalvorstand Gunnar Kilian.

Chef der Taskforce "Corona": VW-Personalvorstand Gunnar Kilian.

Foto: Marcel Maffei für manager magazin

Der größte Autobauer der Welt, wacht wieder auf: Heute laufen die Bänder bei Volkswagen in Wolfsburg wieder an. Hinter dem Konzern liegen Wahnsinnsmonate. Mittendrin: Personalvorstand Gunnar Kilian als Leiter des Krisenstabs, der zur Schlüsselfigur der Krise wurde. Nicht nur für VW. Mein Kollege Michael Freitag gibt in einer großen VW-Corona-Chronik Einblicke: So arbeitet die Corona-Taskforce von Volkswagen. 

Herzlich, Ihre Corinna Scheying

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