"Der Tag mit mm premium" Der Tag des verlorenen Machtkampfs bei SAP

Gibt ihren Posten nach sechs Monaten wieder ab: SAPs Co-CEO Jennifer Morgan

Gibt ihren Posten nach sechs Monaten wieder ab: SAPs Co-CEO Jennifer Morgan

Foto: Uwe Anspach/dpa

wären wir eine gedruckte Zeitung, wir bräuchten heute wohl zwei Titelseiten. Zu viel Historisches ist in den vergangenen 24 Stunden passiert. Einerseits ist der Ölpreis in der Nacht zum Dienstag so stark abgeschmiert, dass ein Barrel West Texas Intermediate (WTI) zeitweise minus 30 Dollar kostete. Andererseits hat Deutschlands wertvollster Konzern SAP am Morgen den baldigen Abschied seiner Co-Chefin Jennifer Morgan angekündigt, der ersten Frau, die jemals ein Dax-Unternehmen geführt hat. Viel einzuordnen also - was wir gerne tun.

Morgans Abschied zum 1. Mai mag heute viele überrascht haben - er hatte sich allerdings seit Monaten angedeutet, schreibt meine Kollegin Eva Müller, die für mm seit 1999 über SAP berichtet, in einer lesenswerten Einordnung. In Branchenkreisen sei schon länger die Frage zirkuliert, was Morgan eigentlich genau mache. Allem Geunke über Frauen in Spitzenpositionen zum Trotz habe ihr Abgang herzlich wenig mit ihrem Geschlecht zu tun - sie habe schlicht einen Machtkampf um die Alleinherrschaft verloren, auch weil sich ihr Co-CEO Christian Klein zuletzt als alleiniger Macher inszeniert (und sie so isoliert) habe.

Als Macher ließ sich vor nicht einmal zwei Wochen US-Präsident Donald Trump feiern, nachdem die USA gemeinsam mit der Opec und Russland gewaltige Produktionskürzungen für Rohöl beschlossen hatten. Genützt hat es anscheinend wenig, zeigt nun der erneute Preiscrash. Arvid Kaiser erklärt, was es mit dem Gratis-Öl auf sich hat: Kaufe ein Fass Öl, bekomme 30 Dollar dazu.

Was heute wichtig war - die Themen des Tages

  • Der Preisverfall am Ölmarkt hat sich im Laufe des Dienstags fortgesetzt. Nicht nur lagen die Preise für Lieferungen im Mai weiter im negativen Bereich, auch die Preise für spätere Liefertermine sackten ab. Das lastete auch auf den weltweiten Börsen, der Dax ging um fast vier Prozent in die Knie.
  • Wegen des Preisabsturzes lohnt es sich aktuell, Öl aufzubewahren und erst später auf den Markt zu bringen. Einige Spieler am Markt profitieren davon massiv - etwa Tankerkönig John Fredriksen.
  • Die Große Koalition plant ein weiteres Gesetzespaket zur Bewältigung der Corona-Krise. Dabei geht es um eine massive Ausweitung von Tests, um schärfere Meldepflichten sowie um den Schutz von Privatversicherten, die in der Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten - das Vorhaben im Überblick.
  • Die wichtigsten Nachrichten rund um die Corona-Krise finden Sie wie gewohnt in unserem täglichen Corona-Ticker, heute unter anderem: Immer mehr Bundesländer führen Maskenpflichten ein +++ Die WHO warnt vor verfrühten Lockerungen
  • Das sonnige Wetter der vergangenen Tage hat Deutschland einen neuen Solarenergie-Rekord beschert. Nie zuvor wurde so viel Sonnenstrom erzeugt wie am vergangenen Montag. Die Stimmung bei deutschen Solarunternehmen verbessert das allerdings kaum.

Die Corona-Krise und die Börsen

  • Ein Tagesminus von vier Prozent im Dax wäre noch Ende vergangenen Jahres ein dramatischer Einschnitt gewesen - heute ist es maximal eine Randnotiz. In Zeiten großer Unsicherheit an den Märkten können (und sollten) Anleger ihre Portfolios absichern - hier erklären einige der erfolgreichsten Kapitalverwalter , etwa Bond-Legende Daniel Fuss, wie das geht.
  • Einige Aktien profitieren von der Krise - nicht zuletzt Shopify, ein kanadisches E-Commerce-Unternehmen, gegründet vom gebürtigen Koblenzer Tobias Lütke. "Jeder, der im Netz ist, hat Shopify schon mal benutzt", sagte Selfmade-Milliardär Lütke einmal selbstbewusst. "Er weiß es nur nicht." Performance der Aktie seit Anfang April: plus 82 Prozent.

Mit Technologie gegen die Pandemie

Viessmann-Fertigung am Stammsitz Allendorf: Hier könnten 600 Beatmungsgeräte pro Tag gefertigt werden

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Foto: Viessmann

  • Vodafone arbeitet an der Entwicklung der Anti-Corona-App des Bundes mit. Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter verteidigt im mm-Gespräch  die komplizierte Technik. Er glaubt trotz der Datenschutzdiskussion und des Ausstiegs einiger Projektpartner weiter an die Technologie.
  • Viele Mittelständler versuchen sich aktuell an möglichst simpel produzierter Medizintechnik. Der Heizungsbauer Viessmann stellt ebenfalls einen Teil seiner Produktion um - und nutzt für seine in gerade mal drei Wochen entwickelten Beatmungsgeräte ausschließlich Teile, die sonst in Heizungsgeräten und Wärmepumpen verbaut werden. Entwickelt wurde die Technologie gemeinsam mit Krankenhausärzten und der medizinischen Fakultät der RWTH Aachen.

Unsere Leseempfehlungen für den Abend:

  • Birgit Bohle, Vorständin Personal und Recht der Deutschen Telekom, führt Tarifverhandlungen neuerdings virtuell. Den anstrengenden Alltag im Homeoffice bewältigt sie mit sportlichen Unterbrechungen .
  • Seit dem 1. Februar steht Hildegard Müller an der Spitze des mächtigen Verbands der Automobilindustrie (VDA) und sieht sich direkt einer monumentalen Krise gegenüber. Statt wie manche ihrer Vorgänger nun große "Autogipfel" mit überschaubaren Resultaten zu organisieren, wirkt Müller erstmal lieber im Hintergrund - das aber dafür effektiv, wie sich zuletzt abzeichnete.

Genießen Sie Ihren Feierabend!

Herzlich, Ihr Lukas Schürmann

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