Mittwoch, 19. Juni 2019

Schlagfertiger durch Ärger-Fasten Schlagfertigkeit ist planbar

Team-Meeting: "Das versteht meine Oma nicht"
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Team-Meeting: "Das versteht meine Oma nicht"

Vor allem in Meetings, wo immer die gleichen Kollegen und Vorgesetzten zusammensitzen, schleifen sich Sprach- und Kommunikationsroutinen ein. Wenn die Belegschaft wieder einmal "Phrasen-Scrabble" oder "Bullshit-Bingo" spielt, ist es mit der Kommunikation zuvor schon ganz schön abwärts gegangen.

"Am Ende des Tages müssen wir sehen, dass wir die PS auch auf die Straße bekommen" ist so ein verbreiteter Satz aus der schönen Welt des Marketings. Zuweilen gibt es aber auch sogenannte "Buzzwords", die bei der Belegschaft längst zum roten Tuch geworden sind - lange bevor es der Chef bemerkt.

Tom Buschardt
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    Tom Buschardt ist seit Ende der 1990er Jahre Medientrainer. Er coacht Vorstände und Politiker für den optimalen Auftritt vor Mikrofon, Kamera und Publikum. Seit 2004 ist er auch Dozent an der Akademie des Auswärtigen Amtes (Interviewtraining). Er arbeitete für zahlreiche Sender der ARD sowie RTL Aktuell und ist Experte für Krisenkommunikation. www.buschardt.de

Eines dieser üblen Ärger-Schlagwörter war für einige meiner Seminarteilnehmer der Begriff "Oma". Dabei ging es weniger um ältere Damen im Allgemeinen als vielmehr um die Großmutter des Abteilungsleiters. Aufgabe der Mitarbeiter war es, Angebote für Kunden zu entwickeln und diese schriftlich möglichst verständlich darzulegen.

Aber egal, wie viel Mühe sie sich auch gaben: Jedes Mal argumentierte der Chef mit seiner Oma. "Das versteht meine Oma nicht. Da müsst ihr noch einmal komplett neu ran." Der Frust im Team war groß. Alle lauerten gewissermaßen auf das Buzzword "Oma", um sich dann darüber zu ärgern: "Er hat es tatsächlich schon wieder gesagt!"

Ärger und Frust gaben sich die Klinke in die Hand. Dabei ist die Lösung sehr einfach. Wie ich im ersten Teil dieser Serie dargestellt habe, lässt sich Ärger vermeiden, indem man ihn an den Verursacher zurückgibt. Für dieses Ärger-Fasten gibt es ein paar wirksame Kommunikationsstrategien.

Entwaffnen Sie Ihr Gegenüber!

Das Oma-Problem haben wir schließlich so gelöst: Das Team entwickelte seinen Vorschlag nach bestem Wissen und Gewissen. Während der Präsentation flocht eine der Teilnehmerinnen ganz nebenbei folgenden Satz ein: "Wir haben das auch schon geprüft. Stefans Oma- der haben wir das mal kurz gezeigt - die fand das gut und konnte damit auch sofort etwas anfangen." Der Chef winkte den Vorschlag ohne Änderungen durch. Das Produkt wurde ein voller Erfolg.

Buchtipp

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Schlagfertiger durch Ärger-Fasten:
Erfolgreicher in Privat- und Berufsleben

VISTAS Verlag, 2017, 248 Seiten, 15,00 Euro

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Wichtig für das Funktionieren dieser Technik der "vorweggenommenen Schlagfertigkeit" war, dass die Teammitglieder das Argument des Chefs gar nicht mehr abwarteten, sondern schon im Vorfeld entkräfteten - sie wussten ja aus langer Erfahrung, dass ihr Abteilungsleiter wieder mit dem Oma-Argument kommen würde. Und Stefans Oma ist sicher nicht dümmer als die Oma des Chefs.

Man betreibt also gewissermaßen "vorgezogenes Ärger-Fasten". Es liegt offenbar in der Natur des Chefs, immer und ständig mit seiner Oma zu argumentieren. Naturgesetze kann man weder ändern noch wegdiskutieren und es bringt daher auch nicht viel, sich ständig über sie aufzuregen.

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