Tech-Einhörner nach Uber Das sind die nächsten Milliarden-IPOs

Nach Uber, Lyft und Pinterest preschen die nächsten milliardenschweren Tech-Start-ups an die Börse. Unter den heißesten Kandidaten ist ein deutscher Gründer.
Am 10. Mai ist Uber an die Börse gegangen

Am 10. Mai ist Uber an die Börse gegangen

Foto: Brian Snyder/ REUTERS

Der Deutsche Bastian Lehmann hat zwei Ziele: Etwas Inspierierendes zu erschaffen. Und dabei nicht 50 Jahre lang den Venture-Capital-Gebern auf der Tasche zu liegen. So erzählte er es 2016 in München auf der Digitalkonferenz DLD.

Den Börsengang des Fahrdienstleisters Uber am 10. Mai mit einer Bewertung (berechnet zum Ausgabepreis der Aktien) von 82 Milliarden Dollar dürfte der in Rheda-Wiedenbrück geborene Lehmann intensiv verfolgt haben. Denn sein Start-up Postmates verfolgt das gleiche Geschäftsmodell wie die Sparte Uber Eats. Die Lieferanten von Postmates sollen jedes Geschäft in den Innenstädten zum Onlinehändler machen. Die Kunden bestellen über die Postmates-App bislang allerdings hauptsächlich Essenslieferungen.

Postmates: Die Stadt als Lagerhaus

CEO von Postmates, Bastian Lehmann

CEO von Postmates, Bastian Lehmann

Foto: Getty Images North America

Derzeit bereitet Postmates seinen Börsenang vor, berichten US-Medien. Im jüngsten Geschäftsjahr schaffte Lehmanns Lieferdienst rund 400 Millionen Dollar Umsatz. Uber Eats schaffte mehr als das Dreifache. Der Marktanteil des Deutschen bei US-Essenslieferungen beträgt nur zehn Prozent. Damit liegt er weit hinter dem bereits börsennotierten Grubhub (33 Prozent), DoorDash (30 Prozent) und Uber Eats (22 Prozent), melden die Marktforscher von Second Measure.

Dennoch bewerteten Wagnisfinanciers Postmates bei der letzten Finanzierungsrunde mit 1,85 Milliarden Dollar. Frisches Kapital von der Börse würde Lehmann helfen, das Angebot für die Kunden weiter auszubauen. Hier kämpft er gegen weit finanzkräftigere Rivalen, das gilt insbesondere für UberEats. Der Fahrdienstleister betreibt das Geschäft außerdem auch deshalb, weil er seine Taxifahrer besser auslasten will. "Das Geschäft mit Essenslieferungen ist attraktiver als Teil eines Fahrdienstleisters, als wenn es ganz für sich betrieben wird", sagte einer der erfolgreichsten Tech-Fondsmanager der vergangenen Jahre.

Softbank und Vision Fund: Die Gebührenorgie

Softbank Group CEO Masayoshi Son

Softbank Group CEO Masayoshi Son

Foto: AFP

Masayoshi Son (60) scheint nicht an den abnehmenden Grenznutzen von Kapital zu glauben. Der Chef des japanischen Tech-Unternehmens Softbank hat die 100 Milliarden Dollar seines ersten Vision Fund schon fast vollständig investiert, da ließ er seine Pläne für einen zweiten Vision Fund durchsickern. Und es verlautete, der ursprüngliche Vision Fund könne bald selbst an die Börse gehen. Dabei winken Son in den kommenden Monaten Milliardeneinnahmen, wenn er nach Ablauf der Haltefristen seine Anteile an Uber verkaufen kann.

Sollte der Vision Fund tatsächlich an die Börse kommen, müssen Anleger vor allem die Kosten im Blick haben. Denn die Gebühren für die bisherigen Fondsanleger sind horrend, hatte der prominente Gründer der Investmentgesellschaft Oaktree, Howard Marks, bereits 2017 vorgerechnet. Für jede 38 Cent, die Anleger in die Eigenkapital-Anteile des Fonds investieren dürfen, müssen sie 62 Cent in so geanannte Vorzugsanteile ("Preferred Units") stecken. Softbank selbst investiert nur in das Eigenkapital. Der japanische Konzern zahlt also nur 28 Milliarden Dollar ein, erhält aber 50 Milliarden des Eigenkapitals am Fonds. "Nimmt man Verwaltungsgebühren und Erfolgsbeteiligungen ('carried interest') dazu, könnte Softbank 60 bis 70 Prozent der Wertsteigerung erhalten", warnt Marks. Es wäre erstaunlich, wenn der findige Tech-Guru Son nicht auch bei einem Börsengang des Vision Fund vor allem sein eigenes Interesse im Blick haben sollte.

Slack: Postablage und Leitz-Ordner des 21. Jahrhunderts

Bürokommunikations-Anbieter Slack

Bürokommunikations-Anbieter Slack

Foto: AFP

Pläne für ein Börsendebüt hat bereits der Bürokommunikations-Anbieter Slack eingereicht. Trotz 140 Millionen Dollar Verlust bei 401 Millionen Dollar Umsatz im Geschäftsjahr bis Januar 2019.

"Wir kommunizieren fast nur noch über Slack", sagt Baki Irmak, Co-Manager des Digital Leaders Fund. Irmak arbeitet von Frankfurt aus, sein Co-Fondsmanager sitzt in Herzogenaurach. "Die Kommunikation ist bei Slack viel besser organisiert als anderswo und sehr gut durchsuchbar." Wer ein oder zwei Jahre damit gearbeitet habe, werde nicht mehr wechseln wollen: Dadurch habe Slack einen Schutz vor der Konkurrenz. Die Lizenzgebühren von den 88.000 zahlenden Nutzern bringen außerdem verlässliche, wiederkehrende Einnahmen.

Die Frage für Anleger wird sein, wie teuer sich Slack diese Vorzüge bezahlen lässt. Auf privaten Plattformen werden Slack-Anteile bereits zu einer Unternehmensbewertung von 15 Milliarden Dollar gehandelt, zeigen Daten von Pitchbook. Wer solch einen Preis zahlt, muss schon sehr fest vom jahrelangen rasanten Wachstum des Geschäfts überzeugt sein.

Größter Kurssprung seit dem Dotcom-Hype 2000

Impossible Foods: vegane Bratlinge für Burger King

Impossible Foods: vegane Bratlinge für Burger King

Foto: REUTERS

Impossible Foods hat es noch nicht an die Börse geschafft, aber bereits zu Burger King. Die Fastfood-Kette verkauft die veganen Bratlinge der Kalifornier schon heute.

Vor allem eine Tatsache spricht dafür, dass Impossible nicht mehr allzu lange auf sein Kapitalmarktdebüt warten wird: Der Rivale Beyond Meat legte am ersten Handelstag, dem 5. Mai, ein Kursplus von 163 Prozent hin. Das war der größte Ersttagsgewinn seit dem Platzen der Dotcom-Spekulationsblase im Jahr 2000. Der Erfinder einer Frikadelle mit Rote-Beete-Saft als Blutimitat wird nun für mehr als 4 Milliarden Dollar Börsenwert gehandelt. Wer traut sich da noch, Ketchup auf den Burger zu tun?

Der nächste vegane IPO könnte noch größer werden als der zuvor: Denn Impossible Foods hat bereits 388 Millionen Dollar von Venture-Capital-Gebern zum Verrühren und Verbraten bekommen, bei Beyond Meat waren es nur 122 Millionen Dollar.

Wer einen privaten Tofu-Hersteller kennt, sollte vielleicht einmal fragen, ob die Pre-IPO-Anteile verkaufen wollen.

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