Editorial Let's talk about sex

Ein Treffen von Führungsfrauen in München. Eine Abteilungsleiterin erzählt von einer Mitarbeiterin mit üppiger Oberweite, die vom Chef gefragt wurde: "Wann waschen Sie mit Ihrem Busen endlich mein Auto?" Und schon bricht es aus allen heraus. Jede hat solche anzüglichen Sprüche bereits ertragen müssen. Dass es bei verbaler Übergriffigkeit oft nicht bleibt, allen strengen Gender- und Compliance-Richtlinien zum Trotz, haben meine Kolleginnen Ursula Schwarzer und Gisela Maria Freisinger erfahren, als sie sich eingehender mit dem Thema beschäftigten. Ein CEO, der wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung gefeuert wurde, ließ sich sogar auf ein Gespräch ein - anonym. Warum Sexgeschichten in den Chefetagen immer häufiger zum Karrierekiller werden, lesen Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 106.

Ola Källenius ist Schwede, ein Sonnyboy und hat sich nie nach vorn gedrängt. Ausgerechnet der soll Dieter Zetsche demnächst an der Spitze der heimischen Autoikone Daimler (Kurswerte anzeigen) ablösen. Gibt es da keinen Besseren? Gibt es nicht. Anders als der rabiate Lkw-Chef Wolfgang Bernhard, der sich lange als Kronprinz sah, hat der 47-jährige Källenius einen entscheidenden Vorteil: Er verbindet Härte mit Herzlichkeit, wird von allen gemocht, selbst wenn seine Entscheidungen wehtun. So einen braucht Daimler für das neue Autozeitalter. Bernhard trat nun Mitte Februar abrupt ab. Fast ein bisschen wie bei Stefan Effenberg und Philipp Lahm: Der eine hielt im spektakulärsten Moment seiner Karriere den Mittelfinger hoch, der andere den WM-Pokal. Das Källenius-Porträt meines Kollegen Michael Freitag: ab Seite 26.

Sie waren die Angstgegner der etablierten Airlines: Die Golfcarrier boten exzellenten Service zu günstigen Preisen in modernen Flugzeugen. Und sie schwammen im Geld. Abu Dhabis Staatslinie Etihad etwa sammelte Rivalen ein (Alitalia , Air Berlin ) wie ihre Fluggäste Meilen. Nichts schien die Himmelsstürmer aus dem Orient aufzuhalten. Nun treten plötzlich Turbulenzen auf, Airline-Chefs werden gefeuert, Geschäftsmodelle entpuppen sich als Größenwahn. Mein Kollege Michael Machatschke schildert, warum ausgerechnet die von vielen bereits abgeschriebene Lufthansa  und ihr Chef Carsten Spohr als der große Gewinner aus diesem Realitätsschock hervorgehen könnten: ab Seite 36.

Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld kann sehr nachtragend sein. Seit wir ihn vor zwei Jahren in einem Porträt als den Kardinal "Richelieu der deutschen Wirtschaft" bezeichnet haben, werden wir abgestraft: keine Einladungen zu Hintergrundrunden mehr, nicht mal mehr Pressemitteilungen. Es gäbe derzeit auch wenig Gutes zu berichten. Denn der früher hochprofitable Autozulieferer läuft Gefahr, seine Zukunft zu verspielen. Er hat die falschen Produkte und Leute für das Zeitalter der Elektromobilität. Meine Kollegin Angela Maier ließ sich nicht abschrecken von dem Schaeffler-Bann, sprach mit Investoren, Topmanagern in- und außerhalb des Konzerns und wählte sich nonchalant in Rosenfelds jüngsten Analystencall ein. Auf die Firma der drittreichsten deutschen Familie kommen harte Zeiten zu: ab Seite 44.

Bosnische Firmenpiraten, die deutsche Mittelständler entern, ihnen das Messer an die Gurgel setzen und selbst vor Dax-Konzernen keine Angst haben - klingt nach einem abgedrehten Netflix-Drehbuch. Ist aber echt. Die Gegner heißen Volkswagen  und Daimler , die Beute Alno  und Grammer . Was der geheimnisvolle Hastor-Clan mit seinem Freibeutertum im Schilde führt, hat mein Kollege Martin Mehringer herausgefunden. Er bekam selten so viele dubiose Geschichten zu hören. Seinen Report "Hart, härter, Hastor" finden Sie ab Seite 58.

Keine andere große Volkswirtschaft vertraut beim Wachstum so rigoros auf ihre Exportstärke wie die deutsche, keine andere stellt sich derart geschmeidig auf neue Zölle und Handelsschranken ein. Obwohl die handelsfeindlichen Eingriffe allein 2015 um 50 Prozent zunahmen, schreiten die Deutschen von Rekordüberschuss zu Rekordüberschuss. Doch Donald Trumps Politik des "New Crazy" bringt selbst die bestgeölte Exportmaschine ins Stocken. Wie die Unternehmen versuchen, mit dem Irrsinn zurechtzukommen, haben Dietmar Palan und Christian Schütte ergründet: ab Seite 84.

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