Sonntag, 26. Mai 2019

Kolumne "Chefsache" Solo für Tina

mm-Chefredakteur Martin Noé
Henning Kretschmer für manager magazin
mm-Chefredakteur Martin Noé

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Die deutsche Wirtschaft ist, jedenfalls von der Spitze her betrachtet, so männlich wie Rasierwasser. Umso mehr Interesse weckt Tina Müller, die seit eineinhalb Jahren Europas größte Parfümeriekette Douglas führt. Schon als Opel-Marketingvorständin stahl sie dem damaligen Chef Karl-Thomas Neumann die Schau, seit sie zu Douglas wechselte, gilt sie als Star der deutschen Wirtschaftsfrauen. Allerdings erreichten meinen Kollegen Martin Mehringer sehr bald ungewöhnlich viele Klagen über Müllers "Egomanagement". Inzwischen hat sie im Zuge eines Strategieschwenks das Gros der Topführungskräfte ausgetauscht und nicht selten mit Bekannten aus ihrem Netzwerk ersetzt. Müller ist so fleißig wie detailverliebt, vor allem aber alles andere als zimperlich - etliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fürchten sich regelrecht vor ihr. Unsere Titelgeschichte "Deutschlands härteste Managerin" lesen Sie hier.

Douglas-Chefin: Tina Müller.
Michael Englert
Douglas-Chefin: Tina Müller.

Als Bram Schot fast zufällig Audi-Chef wurde, wetteten viele intern wie extern auf sein Scheitern. Denn wie sollte ausgerechnet ein Vertriebsmann und Außenseiter den Absturz der Automarke aufhalten? Kein Jahr später hat sich Schot Respekt in Ingolstadt verschafft - und eine ehrgeizige Strategie erarbeitet. Meinem Kollegen Michael Freitag und mir stellte der Vorstandsvorsitzende seinen Plan exklusiv vor und erklärte sich in einem Interview. Nach dem zweistündigen Gespräch war klar: BMW und Mercedes, aber auch Tesla müssen wieder mit Audi rechnen.

Audi-Chef: Bram Schot.
Daniel Delang für manager magazin
Audi-Chef: Bram Schot.

Nichts berauscht die deutsche Start-up-Szene derzeit so wie Cannabis. Seit es die Droge in Deutschland auf Rezept gibt, wetten sehr viele darauf, dass nun auch hier Unternehmen mit einer Milliardenbewertung entstehen. Besonders die Frankfurter Firma Farmako sorgt seit Monaten für Schlagzeilen. Aufgebaut hat sie Sebastian Diemer, der sich selbst als "einen der erfolgreichsten Gründer Deutschlands" feiert, aber bislang vor allem als Blender auffiel. Er und sein Team verbreiten vermeintlich revolutionäre Forschungsdurchbrüche und Megadeals, doch ein mm-Rechercheteam aus Philipp Alvares de Souza Soares, Christina Kyriasoglou und Jonas Rest hat herausgefunden, dass bei Farmako fast nichts so ist, wie es scheint. Als das manager magazin Diemer Fragen zu seinem Unternehmen stellte, schickte er postwendend eine E-Mail an seine Mitstreiter: An einer Stelle klang es so, als ob man bei der Antwort erwäge, taktisch zu lügen. Dumm nur: Er nahm die Redakteure mit in den Verteiler auf. Über seine Anwälte ließ er später erklären, dass die Antwort natürlich "ausschließlich ironisch gemeint" war. Das liege "auf der Hand". Der erste Eindruck täuscht halt oft - "Der High-Stapler".

Herzliche Grüße, Ihr

Martin Noé


Chefsache ist der wöchentliche Newsletter aus der Chefredaktion des manager magazins.

Jeden Freitagnachmittag kommentieren abwechselnd Sven Clausen und Martin Noé die vergangene Woche und geben einen Ausblick auf die kommende Woche.