Montag, 9. Dezember 2019

Kolumne "Chefsache" Das Auto-Paradoxon

mm-Chefredakteur Sven Clausen
Olaf Ballnus
mm-Chefredakteur Sven Clausen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

können wir wirklich zuversichtlich sein, dass die Menschheit immer schlauer wird? Einfach so zumindest mal nicht.

Erstmals stellt die Klasse der sportlichen Geländewagen (SUV) den Mir ist nicht zu Ohren gekommen, dass die Verwendungsmöglichkeiten dieser spritdurstigen Rammböcke demnächst steigt, weil in Deutschland das Straßenverkehrsnetz großflächig zurückgebaut wird. Es muss also einen anderen Grund haben. Vielleicht sind die bulligen SUV in diesen hektischen Zeiten die Waffe der Mittelschicht.

Die Attraktivität dieser Autos gilt für weite Teile der entwickelten Welt. Volkswagen hat in der ablaufenden Woche ein formidables Quartalsergebnis Ein Hauptgrund: Konzernchef Herbert Diess hat seine Verkäufer angewiesen, potentiellen Kunden vor allem die eigenen SUV anzupreisen. Dort ist die Marge je Auto vergleichsweise hoch, was VW - und jetzt wird es wirklich interessant - die Möglichkeit gibt, Geld für die Investitionen in die große Elektro-Offensive einzusammeln. Diess hat angekündigt, in den kommenden Jahrzehnten immer weniger Modelle mit Verbrenner-Motoren anzubieten und

SUV-Hype und VW-Zahlen lassen ein paar Schlüsse zu: Der Verbraucher ist noch nicht da, wo wir ihn gerne hätten. Das ist eigentlich paradox und auch erschreckend. Die Klima-Debatte war nie präsenter, der Hitze-Sommer sollte eigentlich auch das Denken anregen.

Andererseits sind die Produkte halt auch noch nicht da, wo die Kunden sie gerne hätten. Sind die Batterien wirklich anständig produziert, halten sie lange, ist der Lade-Strom emissionsfreier als der ölige Kraftstoff - und gibt es überhaupt genügend Tankstellen dafür?

Die großen Auto-Konzerne haben das Zeug dazu, diese Fragen zu lösen (dass der Angreifer Tesla sich damit schwertut, ). Und die Produkte dann zu verkaufen, müsste eigentlich ein Klacks sein. Wer in weitgehend feldwegbefreiten Siedlungsräumen Geländewagen unterbringt, müsste das mit ausgereiften Elektroautos erst recht hinbekommen.

Die E-Frage, die Zukunft der freien Weltwirtschaft, die Rolle der Digitalisierung und Daten-Freiheit - die Welt der Wirtschaft (und damit die Gesellschaft insgesamt) steht an so vielen entscheidenden Weg- und Wendemarken wie seit Jahrzehnten nicht. Wir wollen Sie deswegen künftig schneller und direkter über die wichtigsten Nachrichten informieren und Ihnen unsere Einschätzungen anbieten. Dieser Newsletter "Chefsache" zieht deswegen zu unserem täglichen Newsletter "Der Tag" um, in dem wir für Sie börsentäglich die Welt sortieren - künftig verstärkt auch mit aktuellen Kommentaren aus der Chefredaktion. Sofern Sie nicht schon Abonnent von "Der Tag" sind, bekommen Sie diesen Newsletter in Kürze erstmalig. Sollten Sie ihn uninteressant finden (was wir nicht hoffen), schreiben Sie mir gern warum. Und falls wir dann nicht auf einen Nenner kommen, können Sie sich einfach abmelden.

Ganz herzlich möchte ich mich bei Ihnen für die vielen guten "Chefsache"-Diskussionen der vergangenen Jahre bedanken und Sie gleichzeitig zur Fortsetzung einladen. Sie erreichen mich und uns unter chefredaktion@manager-magazin.de.

Machen Sie etwas aus Ihrem Wochenende,

herzlich
Ihr

Sven Clausen


Chefsache ist der wöchentliche Newsletter aus der Chefredaktion des manager magazins.

Jeden Freitagnachmittag kommentieren abwechselnd Sven Clausen und Martin Noé die vergangene Woche und geben einen Ausblick auf die kommende Woche.