Editorial Nike - das andere Apple

Als Nike-Gründer Phil Knight in den 60er Jahren vom verschlafenen Oregon aus mit seinen damals noch aus Japan importierten Laufschuhen eine Bewegung namens "Jogging" anschob, riefen ihm die Passanten noch hinterher: "Kauf dir ein Pferd, Mann!" Seither ist viel passiert. Nike ist zur Weltmacht im Sportbusiness aufgestiegen wie später Apple im Smartphonemarkt. Die zwei Konzerne haben vieles gemein: Beides globale Kultmarken, erfolgsbesessen und geprägt von schrägen, aber genialen Gründervögeln, die mindestens einmal zurückkehrten, um ihr Lebenswerk zu retten. Und beide paranoid, wenn es darum geht, etwas von sich preiszugeben. Meinem Kollegen Christoph Neßhöver ist es trotzdem gelungen, die DNA von Nike zu entschlüsseln. Bemerkenswert: Alle, mit denen er gesprochen hat, kamen entweder gerade vom Sport oder gingen danach zum Sport. Wer für Nike arbeitet, lebt für Nike. Die Titelgeschichte lesen Sie ab Seite 30.

Wolfgang Reitzle hat in seiner Karriere eigentlich alles erreicht: Er war Vorstandschef eines Dax-Konzerns, sitzt in diversen Aufsichtsräten, von denen er ab Mai sogar einen weiteren (Linde) führt, und wird bis heute regelmäßig genannt, wenn ein besonders heikler Topjob in Deutschland zu vergeben ist; zuletzt, als es um den VW-Aufsichtsratsvorsitz ging. Nur eines nervt ihn gewaltig: dass er mit seinem Können und mit seiner Perfektion immer nur andere so richtig reich gemacht hat, aber nicht sich selbst. Das soll sich jetzt ändern. Als Unternehmer in eigener Sache will sich der ungekrönte König der deutschen Wirtschaft ein letztes Denkmal setzen. Denn "smart" und "rich" sind für Reitzle zwei Adjektive, die zueinandergehören. Dass die Reitzle AG manchmal fast ein wenig zu smart ist, haben Michael Freitag und Thomas Werres herausgefunden: ab Seite 40.

Vorstandschefs werden von ihren PR-Leuten gern als bodenständig verkauft, auch wenn sie das schon längst nicht mehr sind. Auf Werner Baumann, ab Mai die Nummer eins bei Bayer, trifft der Begriff ausnahmsweise mal zu. Der Mann mit dem rheinischen Zungenschlag wohnt wieder da, wo er aufwuchs: in Krefeld. Er hat sein ganzes Arbeitsleben bei Bayer verbracht, heimwerkt und fährt statt Dienstwagen lieber seinen schwarzen Golf GTI aus der ersten Baureihe. Das anspruchslose Auftreten sollte allerdings nicht zu falschen Schlüssen verleiten, warnt mein Kollege Dietmar Palan: Baumann entscheidet eisenhart, mit einem Hang zu unkonventionellen Lösungen - und er ist machtbewusst. Als für alle klar war, dass er Marijn Dekkers nachfolgen soll, hatte der erfolgreiche Niederländer nicht mehr viel zu melden - und bat um seine vorzeitige Ablösung. Das Porträt des neuen starken Mannes bei Bayer finden Sie ab Seite 62.