Editorial Der Terror und die Weltwirtschaft

Mit den Anschlägen in Paris hat der Terror eine neue Qualität erreicht. Er versteckt sich nicht mehr wie noch bei den Bombenattentaten in London und Madrid, sondern stellt sich der freiheitsliebenden Zivilgesellschaft mit offenem Visier in den Weg. Der Krieg gegen die radikalen Islamisten hat sich längst verlagert, weg aus den Straßen und Bergen im Irak, in Afghanistan und Syrien, hinein in die U-BahnSchächte, Redaktionsräume und Nachtklubs der europäischen Metropolen. Und er wird mit Waffen geführt, gegen die das hochgerüstete Kriegsgerät der westlichen Welt kaum etwas ausrichten kann. Mit noch mehr Härte, noch mehr Luftangriffen lässt sich dieser Krieg nicht gewinnen, das alles hat den Islamischen Staat überhaupt erst stark gemacht.

Das Leben auf der Erde ist durch den Terror unfreier und gefährlicher geworden. Die Weltwirtschaft indes hat sich davon in den vergangenen Jahren weitgehend unbeeindruckt gezeigt. Nach 9/11 hat sich infolge des Irak-Kriegs zwar der Ölpreis zwischenzeitlich annähernd versechsfacht (auf fast 150 US-Dollar), das globale Wachstum aber nahm Jahr für Jahr weiter Fahrt auf. Es war die Finanzkrise, die diesen goldenen Zeiten ein jähes Endes setzte, nicht der Terror.

Doch die Weltwirtschaft ist heute eine andere als noch 2001. Nach 9/11 wurden die Zinsen radikal gesenkt, um einem Absturz gegenzusteuern. Das ist jetzt ausgereizt, es fehlt der Spielraum. Und China fällt als Wachstumstreiber aus. Die mittlerweile zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist nicht mehr unangreifbar, wie meine Kollegen Mark Böschen und Wolfgang Hirn in ihrem ernüchternden Report "Das Ende des Traums" schildern (ab Seite 84). Viele Asien-Experten glauben inzwischen, dass China ein ähnlicher Niedergang drohen könnte wie einst Japan, die Parallelen sind jedenfalls unübersehbar. Das alles spricht dafür, die Lage in der arabischen Welt nicht noch weiter eskalieren zu lassen, sondern in einer konzertierten Aktion endlich zu stabilisieren.

Kaum ein Unternehmen verkörpert das amerikanische Selbstverständnis, der Beste seiner Art zu sein, so sehr wie McKinsey. Die Gewinnmargen haben in den USA ein Niveau erreicht, das selbst Drogenbarone erblassen lässt. Diese Performance macht es für die deutsche Dependance der Beraterikone zunehmend schwer, sich zu behaupten. Obwohl es auch im zweitgrößten Markt für "The Firm" gut läuft, sind die Amerikaner unzufrieden - und lassen ihre deutschen Kollegen das spüren. Die Truppe um Statthalter Cornelius Baur hat nicht mehr sonderlich viel zu melden. Amerikaner gegen Deutsche, Jung gegen Alt, Traditionalisten gegen Reformer - der Kulturkampf hat viele Facetten, wie meine Kollegen Michael Freitag und Dietmar Student in vielen, teils konspirativen Gesprächen herausfanden. Dabei haben sie Details zusammengetragen, die selbst McKinsey-Insider überraschen dürften. Die Titelgeschichte lesen Sie ab Seite 32.

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