Editorial Der "aggressivste Mann im Internet"

Das Juli-Heft des manager magazin ist fertig - und steckt wieder voller investigativer, exklusiver Geschichten. In seinem Editorial stellt Chefredakteur Steffen Klusmann drei journalistische Höhepunkte vor.

In der Tech-Szene schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: Neben dem Onlinemodehändler Zalando soll bis zum Herbst auch Rocket Internet, Europas größte Start-up-Werkstatt, an die Börse gehen. Beides Milliardenbewertungen, beides Samwer-Gründungen. Die drei Brüder sind die Gurus (manche sagen Paten) der deutschen Internetszene. Gelingt ihnen der Börsencoup, würde das Oliver Samwer, den Kopf des Trios, dorthin katapultieren, wo sich der nach eigener Aussage "aggressivste Mann im Internet" seit Langem sieht: in den Olymp der Webtitanen. Doch wie nachhaltig sind die digitalen Börsenneulinge? Die Samwers sind gefürchtet für ihre ruppigen Geschäftspraktiken. Noch steht der Beweis aus, dass ihre schnell und teuer gepäppelte Start-up-Brut heil durch die Teenagerzeit kommt. Bewiesen haben sie nur, dass sie Kasse machen können. Warum die Brüder ausgerechnet jetzt an die Börse wollen und was sich in der Blackbox Rocket Internet verbirgt, legen Astrid Maier und Angela Maier in der Titelgeschichte offen: ab Seite 26.

"Ich in Bayreuth?" Was bitte habe er auf dem Grünen Hügel zu suchen, fragt Tui-Chef Friedrich Joussen. Bloß weil er einen Großkonzern führe, müsse er doch nicht gleich so tun, als sei er opernbeflissen. Joussen, der aus Duisburg stammt und mit seiner Familie nach wie vor dort lebt, geht in seiner knapp bemessenen Freizeit lieber mit ein paar befreundeten Vätern kicken. Er ist sich treu geblieben, privat wie im Job - und steht genau deshalb im Ruf, authentisch zu sein. Kein anderer Wesenszug gilt in den Topetagen derzeit als erstrebenswerter. Was hinter dem Modewort steckt und welche Originale als echte Vorbilder taugen, hat mm-Redakteurin Eva Buchhorn in vielen Gesprächen mit Vorständen, Beratern und Coachs entschlüsselt. "Hauptsache authentisch" lesen Sie ab Seite 100.

Es ist schwer, sich dem Charme von Rüdiger Grube zu entziehen. Kritiker macht der Bahn-Chef nicht nieder wie sein Vorgänger Mehdorn, er umgarnt sie. Das wirkt, wie mm-Reporter Michael Machatschke in Berlin zu sehen bekam. Stolz präsentierte Grube eine Urkunde an der Wand seines Besprechungsraums: den "Fahrgastpreis 2012". Ausgerechnet die ewigen Nörgler von Pro Bahn hatten ihn geehrt, weil er die "Wiederentdeckung des Brot-und-Buttergeschäfts" ausrief. Doch zwischen Rhetorik und Wirklichkeit klafft bei Grube immer öfter eine Lücke in Bahnsteigbreite. Die ernüchternde Bilanz von Mr Charming finden Sie ab Seite 58.

Chefredakteur Steffen Klusmann im Mediengespräch von Deutschlandradio Kultur  zur Juli-Ausgabe des manager magazins und warum es für Top-Manager so wichtig ist, authentisch zu bleiben. Und zugleich so schwierig.

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